Was ist am Kiffen bloß so schlimm?

Cannabis: verharmlost als „kleine Entspannung“, verteufelt als „Einstiegsdroge“, vergöttert als letzte wirksame Medizin. Man könnte sagen, am Hasch scheiden sich die Geister. Aber wie ernst ist denn nun die Lage?

Falscher Film

„Ach was, da machen Sie sich mal keine Sorgen, das ist völlig normal. Das machen doch alle!“ Da sitze ich also beim Sozialberater in der Drogenberatungsstelle und bekomme nach dieser Aussage seinerseits den Mund nicht mehr zu. Warum ich hier bin? Um wen ich mir Sorgen mache? Lassen Sie uns einfach sagen, ich war bis zu diesem Zeitpunkt sicher, dass der Konsum von Cannabis generell und für Jugendliche im Speziellen irgendwie bedenklich wäre. Von illegal mal ganz zu schweigen. Aber dieser Herr ist da offensichtlich anderer Meinung. Er beruhigt, bagatellisiert, ruft zur Lockerheit auf, appelliert an die Erinnerung an die eigene Pubertät.

Mich allerdings beruhigt das nicht. Ganz im Gegenteil. Es regt mich nur umso mehr auf, dass nun auch noch ein vermeintlicher Experte einen auf „take it easy“ macht und dabei sämtliche gesundheitliche sowie soziale Gefahren unerwähnt lässt. Und die gibt es doch schließlich – oder?! Es ist also mal wieder Zeit für die eigene Recherche …

Was ist drin im Joint?

Cannabis ist erst einmal nichts als der wissenschaftliche Name für die Hanfpflanze. Teile bestimmter weiblicher Hanfpflanzen können als Rauschmittel konsumiert werden. Dieses sogenannte Gras, Weed, Marihuana oder Hasch(isch) wird vornehmlich geraucht, zum Beispiel als Joint, eine selbstgedrehte Zigarette. In so einem Joint steckt neben Cannabis oft auch ganz normaler – wie wir alle wissen extrem gesundheitsschädlicher – Tabak. Beim Kiffen, also beim Rauchen so eines Joints, inhaliert man folglich schon mal reichlich Ungesundes. Aber was ist mit Cannabis an sich?

Zankapfel Cannabis

THC, der Hauptwirkstoff im Cannabis, ist in Deutschland seit 1998 als Medikament verschreibungsfähig. Seit März 2017 können schwer kranke Menschen Cannabis auf Kassenrezept erhalten. Solch ein Teufelszeug kann es also nicht sein.

Unkontrolliert als Rauschmittel konsumiert kann es laut unterschiedlichster Studien die verschiedensten gesundheitlichen Nebenwirkungen haben.

Ein wichtiger Aspekt ist natürlich auch der rechtliche. Denn Cannabis ist als illegale Droge eingestuft. Kauf und Besitz sind in Deutschland wie in vielen anderen Ländern strafbar. Besonders gewarnt wird meist vor den Folgen des regelmäßigen Konsums. Es drohen psychische Abhängigkeit, Persönlichkeitsveränderungen und Angststörungen.

Nun setzt die neueste Studie eines internationalen Forscherverbundes sogar noch einen drauf. Nach ihren Erkenntnissen, die im Fachblatt “Journal of Neuroscience” veröffentlicht wurden,  schädigen junge Cannabis-Nutzer schon mit kleinen Mengen ihr Denkvermögen.

Neue Studie warnt vor frühem Probieren

Erfasst wurden 46 14-Jährige, die angaben, erst maximal zweimal Cannabis konsumiert zu haben. Als Kontrollgruppe wurden Jugendliche mit gleichem Alter und Gewicht ausgewählt, die noch nie Cannabis probiert hatten. Auch andere Faktoren wie Alkohol- und Nikotinkonsum glichen denen in der Cannabis-Gruppe.

Das Forscher-Team beobachtete schlechteres Denkvermögen sowie geringere Arbeitsgeschwindigkeit und Geschicklichkeit bei den Jugendlichen, die Cannabis probiert hatten. Außerdem zeigten sich Veränderungen in der Gehirnstruktur.

Erschreckende Ergebnisse, die allerdings – wie alle Studienergebnisse – mit Vorsicht und unter Einsatz logischen Denkens „genossen“ werden sollten. So basiert diese Studie ausschließlich auf Fragebogendaten, also auf den individuellen Aussagen der Jugendlichen. Es wurden beispielsweise keine Drogenscreenings oder sonstige Messungen durchgeführt, die ihre Angaben hätten verifizieren können.

Meine Wahrheit

Mein Fazit: Es ist wie so oft im Leben – “die Wahrheit” gibt es nicht. Zu viele Studien belegen zu widersprüchliche Fakten oder werden zur Meinungsmache wunschgemäß ausgelegt. Hier gibt es wohl derzeit keine sicherere Orientierungsmöglichkeit, als das eigene Bauchgefühl. Und das spricht bei mir nach all der Lektüre eine recht deutliche Sprache.

So lange Cannabis laut Gesetz illegal ist, gibt es in meinen Augen keine zwei Meinungen zum Konsum, schon gar nicht durch Jugendliche. Ganz gleich, ob es nun dumm macht oder erleuchtet, in erster Linie ist es verboten. Eine Bagatellisierung finde ich daher noch irritierender , als beim Alkohol. Aber das ist wieder ein anderes Thema, vielleicht für einen anderen Blogbeitrag.

10 Kommentare

  1. was ne blöde Überschrift oder Thema verfehlt ?
    das fazit hat mir der Fragestellung nix zu tun.
    Und ja, Alkohol wird total verharmlost, es ist ja ‘lustig’ seinen 12 jährigen Sekt zu geben oder den 14 jährigen mal am bier nippen zu lassen. hallo einstiegsdroge und verharmlosung?
    nur, das Alkohol ja nicht verboten ist.
    wie wäre es mit konsequenter Aufklärung und starke und selbstbewusste kinder heranziehen, die das nicht oder nur am Rande interessiert ? sowohl als auch. und wenn sie mal einen joint rauchen (probieren) wollen, dann Bitteschön genauso lustig finden wie mit 14 die Schaumkrone wegschlürfen ?

    1. Ich stimme Ihnen absolut zu: Eine bessere Aufklärung für Jugendliche aber auch Familien wäre ein guter Schritt. Auch zum Thema Alkohol. Und die Erziehung starker, selbstbewusster Kinder natürlich sowieso, ganz gleich, um welches Thema es geht.

      Vielleicht noch zur Erklärung: Die Überschrift stellt sozusagen meine Einstiegsfrage dar, die mich zu diesem Artikel bewegt hat. Mein Fazit war dann in der Tat nicht “die Antwort” auf diese Frage, sondern “meine”. Ein wichtiger Unterschied, den ich versucht habe, deutlich zu machen.

  2. Sehr geehrte Frau Crone,

    vielen Dank für Ihre Meinung zum Thema Cannabis-Legalisierung. Im folgenden Kommentar möchte ich kurz auf Ihre Bedenken und Argumente eingehen.
    Zunächst einmal ist mir keinerlei Vorhaben bekannt, dass die Legalisierung von Cannabis auch die Freigabe an Jugendliche beinhalten sollte. Wie hinreichend bewiesen wurde wirkt sich jeglicher Drogengebrauch (Alkohol, Tabak) negativ auf die körperliche Entwicklung von Heranwachsenden aus. Zu klären sei in diesem Zusammenhang, warum die Freigabe von diversen alkoholischen Getränken an Minderjährige (Bsp. Bier ab dem 16. Lebensjahr) nicht als bedenklich eingestuft wird.
    Der “Joint” der als Tabak-Cannabis-Mischung konsumiert ist, ist bei Weitem nicht die einzige Möglichkeit Cannabis zu konsumieren. Von der Erhitzung in einem sogenannten “Vaporizer” bis hin zu oraler Aufnahme in Form von Backmischungen oder distilliert in fluider Form existieren viele Möglichkeiten Cannabis ohne Tabak deutlich unschädlicher zu konsumieren.
    Wenn Sie Studien anführen die Ihre Argumentation stützen sollen, wäre es außerdem hilfreich die Quellen dieser Studien mitzuteilen, damit der Leser sich ein eigenes Bild des Berichtes machen kann. Ansonsten können Behauptungen aufgestellt werden die nicht von Fakten unterscheidbar sind und weitere Misinformationen zu diesem Thema sollte doch so gut wie möglich vermieden werden.
    Wenn Sie eine ausgeglichene Berichtserstattung verfolgen möchten, könnte Sie außerdem die, meiner Meinung nach, durchaus erfolgreichen Projekte aus den USA oder Kanada zur Hand nehmen, die aufzeigen, dass eine Entkriminalisierung und kontrollierte Abgabe durchaus seine gesundheitlichen und gesellschaftliche Vorteile haben kann.
    Noch eine kurze Anmerkung zur Ihrer Orientierung an der Gesetzmäßigkeit des Verbotes: bis 1919 war es Frauen in Deutschland gesetzlich verwehrt an unserer Demokratie teilzuhaben und weltweit werden derzeit Homosexuelle in 78 der 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen strafrechtlich verfolgt. Man könnte argumentieren, dass dies aufgrund des Gesetzes rechtens sei, doch mein Bauchgefühl sagt mir da etwas anderes.
    Falls Sie sich etwas genauer über die Problematik der Stigmatisierung und Kriminalisierung von Drogenkonsumenten informieren möchten, empfehle ich Ihnen den Alternativen Drogen- und Suchtbericht, herausgegeben von akzept e.V. Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitk, Deutsche AIDS-Hilfe e.V. und JES Bundesverband e.V.. In der aktuellen, kostenlosen Veröffentlichung finden Sie viele wissenschaftliche Berichte und Auseinandersetzunden zum dem Thema Drogen- und Drogenpolitik.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Oliver Alexander Hoffman

    1. Lieber Herr Hoffmann,

      vielen Dank für Ihre Ausführungen und den Verweis auf den Alternativen Drogen- und Suchtbericht. Sicher eine wertvolle Quelle für alle, die sich einmal über das Bauchgefühl hinaus mit diesem Thema befassen möchten.

      Mein Artikel befasst sich allerdings weniger mit der Legalisierung, als vielmehr mit dem Umgang mit Cannabis konsumierenden Jugendlichen innerhalb der aktuellen rechtlichen Gegebenheiten. Er befasst sich mit der Hilflosigkeit einer durchschnittlich informierten, logisch denkenden Person inmitten emotional aufgeheizter „Lager“, die bei insgesamt uneindeutiger Faktenlage darauf bestehen, DIE Wahrheit zu kennen.

      Den Link zur aktuellen Studie, auf die ich mich konkret beziehe, habe ich eingefügt. Auf die Verlinkung weiterer Studien verzichte ich bewusst, da es hier unzählige gibt, die sich teilweise decken aber eben auch oftmals widersprechen. Ich möchte hier keinerlei Vorauswahl treffen und damit Meinungsmache betreiben, sondern vielmehr jeden dazu anregen, sich bei Interesse selbst mit den unterschiedlichen Aussagen und „Fakten“ zu befassen und diese mit dem eigenen gesunden Menschenverstand zu verifizieren.

      Ihren Vergleich zu menschenrechtsverletzenden Gesetzen, welche Menschen selbst aufgrund ihrer Andersartigkeit kriminalisieren, finde ich zwar plakativ aber ehrlich gesagt auch nur bedingt passend. Aber dazu möge sich jeder selbst eine Meinung bilden.

      Verstehen Sie mich nicht falsch, ich begrüße Ihre ausführliche Äußerung sehr und freue mich, hier unterschiedliche Meinungen und Sichtweisen zu hören, die auch über den von mir skizzierten Tellerrand hinaus führen. Also gerne mehr davon!

      Viele Grüße,
      Patricia Crone

  3. Zum Thema Cannabis,
    Ja es ist illegal, wird in der Medizin auf Rezept verschrieben und die Kassen zahlen, aber was ist mit der Kriminalität welche es vertreiben?
    Öffentlicher Verkauf würde Jugendliche schützen, was dem kriminellen Verkäufer egal ist.
    Von den Steuereinnahmen reden wir mal nicht!
    Und das Thema Alkohol wo Staat abkassiert und die Krankenkasse Blechen müssen!?
    Verkehte Welt und Studien geben das wieder was gerade benötigt wird!
    Ich bin für freien Verkauf mit altersbeschrenkung!
    Jeder wie er will!

  4. Sehr geehrte Frau Crone,

    endlich ein Bericht, der mir als betroffene Mutter aus der Seele spricht.
    Auch mir ging es so bei der Suche nach Hilfe gegen das Rauchen von Gras von meiner Tochter.
    Ich stieß auf so manche Sozialarbeiter und Drogenberater auf Kranit und andere bestätigten mir die Wesensensveränderungen bei Jugendlichen in der Pupertät.
    Sogar Ärzte vertreten hier ganz verschiedene Auffassungen. Es gab Tage wo ich kämpfte wie eine Löwin um ihr Junges und andere wo ich fast Aufgab!
    Es ist sogar soweit gegangen, in meiner Ohnmacht der Hilflosigkeit, das ich mein Kind angezeigt habe wegen Besitz. Es hat alles nicht so richtig geholfen, solange
    das diese Jugendliche nicht selber dahinter kommen, wie abhängig, gefährlich und gesundheitschädigend ist, hilft kein Verbot, Strafe u.sw. Ich gebe in der Beziehung
    sehr drauf acht und habe ein gesundes Mistrauen behalten. Vorallem vertraue ich meinem Bauchgefühl!

    Mit freundlichen Grüßen

  5. Hallo Frau Crone,
    Ich sehe es auch gespalten ich für mich persönlich sage klar nein dazu.
    Aber mich wundert das Sie statt auf sachliche Argumente so sehr auf gesetzlich verboten abheben.
    Für Menschen die selbst denken können sollte Meinung des Gesetzgebers ja keine Rolle spielen. (Zumal es ja außer in Holland überall verboten ist aber in vielen Ländern Europas schon von der Polizei nicht mehr verfolgt wird.

    1. Ich gebe Ihnen natürlich vollkommen Recht: Selber denken lautet immer die Devise! Es fiel mir aufgrund der widersprüchlichen Studienlage leider sehr schwer, rein sachliche Argumente zu finden, auf die auch wirklich Verlass ist. Der einzige sachliche Fakt, der derzeit in meinen Augen 100 % fest steht, ist die (derzeitige) Rechtslage. Und genau darauf habe ich mich deshalb bezogen. Dass dieses Thema darüber hinaus definitiv zum Selberdenken und vor allem zum Selber-Informieren auffordert, steht für mich außer Frage. Genau dazu möchte ich anregen.

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