Wie ungesund ist Bewegung?

Unschöner Fakt: Mangelnde Bewegung gehört zu den Hauptfaktoren von Herzkreislauf Erkrankungen – der häufigsten Todesursache in den Industrieländern. Man kann also mit Sicherheit sagen, dass Bewegungsmangel ungesund ist. Der stumpfe Rückschluss lässt sich allerdings nicht so einfach ziehen.

Es ist ja auch nicht jedes andere Auto billig, nur weil ein Porsche teuer ist.  Deshalb ist viel Bewegung auch nicht immer gut.

Bewegung ist Muskelsache

An jedem Schritt sind über 200 Muskeln beteiligt. Aber das ist noch längst nicht alles. Denn damit all diese zum Teil sehr großen Muskeln sich überhaupt bewegen können, benötigen sie Brennstoff. Diesen Brennstoff bezieht der Körper vor allem aus der Ernährung. Hier ist auch bei dem leicht erhöhten Bedarf eines Freizeitsportlers die Zuführung von Nahrungsergänzungsmitteln nicht nötig – eine ausgewogene, vollwertige Kost reicht meist völlig aus. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat zehn Regeln zum Thema „Vollwertig essen“ veröffentlicht (http://www.dge.de/modules.php?name=Content&pa=showpage&pid=15).

Herztraining geht vor

Alles Gute – und natürlich auch das Schlechte – was Sie Ihrem Körper zuführen, liefert das Blut an die einzelnen Organe und Muskeln aus. Ohne Pause wird Liter für Liter durch den gesamten Körper gepumpt – vom wohl fleißigsten Organ unseres Körpers: dem Herzen. Ebenfalls ein Muskel, der erst einmal daran gewöhnt werden muss, den erhöhten Brennstoffbedarf im Körper durch schnelleres und kräftigeres Pumpen zu decken.

Die Übereifer-Falle

Zu viel Bewegung kann schädlich sein.
Zu viel Bewegung kann schädlich sein.

Schauen wir uns ganz kurz einmal an, wie so eine Muskelarbeit eigentlich aussieht: jeder Muskel der Skelettmuskulatur zieht von einem Ursprung zu einem Ansatz, wird von einem Nerv innerviert (gesteuert) und kann sich zusammenziehen oder entspannen. Bestimmte Bewegungsabläufe, wie beispielsweise das Gehen oder Laufen, ist das Zusammenspiel vieler Muskeln in unterschiedlichster Intensität. Es ist gelinde gesagt ein extrem komplexer Vorgang, den wir nicht umsonst recht lange als Kleinkind einüben. Schließlich wird er als komplettes Programm im Gehirn abgespeichert und kann jederzeit abgerufen werden, indem die entsprechenden Nerven in einstudierter Reihenfolge und Intensität punktgenau den Muskel zur Arbeit anstoßen. Beim Herzmuskel ist das etwas anders. Dieser Hohlmuskel kennt zwar auch nur die beiden Aktionszustände der Anspannung und Entspannung, allerdings verfügt das Herz über ein eigenes, autonomes System der Aktionssteuerung.

Gemeinsam haben Skelettmuskulatur und Herzmuskel allerdings, dass sie zum Arbeiten Energie benötigen. Diese wird auf kleinster Ebene generiert, nämlich in den Zellen selbst.
Der schnellste verfügbare Energieträger heißt Adenosintriphosphat, kurz ATP. Die Zelle gewinnt Energie über die Spaltung dieses Moleküls. Die einzelnen Bestandteile setzt die Zelle wieder zusammen, um erneut Energie aus der Spaltung gewinnen zu können.

Entscheidend für die reibungslose und vor allem leistungsfähige Arbeit eines Muskels ist also die effiziente Resynthese von ATP. Diese kann auf zwei Wegen erfolgen: aerob, also unter Hinzunahme von Sauerstoff, oder anaerob, also ohne Sauerstoff.
Der aerobe Stoffwechsel nutzt unter Einsatz von Sauerstoff entweder Kohlenhydrate oder, wenn er besonders viel Zeit und wenig Leistungsspitzen hat, Fettsäuren. Die Nutzung von Kohlenhydraten, bzw, Glucose ist schnell und effektiv. Zudem liefert die aerobe form eine konstante, auch hohe Leistung bis das im Muskelgewebe gespeicherte Glycogen aufgebraucht ist. Werden keine Traubenzucker nachgefüllt und bleibt das geforderte Leistungsniveau hoch, schaltet der Körper in Ermangelung von Brennstoff auf die anaerobe Energiegewinnung um.

Der anaerobe Stoffwechsel stellt das benötigte ATP blitzschnell zur Verfügung, hinterlässt allerdings nach kürzester Zeit unerwünschte Spuren im Gewebe: Die Laktatkonzentration steigt und die Anzahl der Protonen, positiv geladene Wasserstoffionen, nimmt ebenfalls zu. Bei steigender Belastung und weiteren Zunahme dieser Parameter kommt es dann zur „metabolischen Azidose“, einer Übersäuerung des Gewebes. Eine solche ist nicht nur schmerzhaft, sondern letztendlich auch leistungslimitierend, da es in einem sauren Milieu zu einer Enzymhemmung kommt, welche die Muskelkontraktion behindert. Das Ergebnis: mit solchermaßen schweren Beinen kommen Sie gerade noch so zur nächsten Parkbank. Das wars erst einmal mit dem anvisierten Joggingprogramm.  Wenn Sie sich weiter so „überlasten“, kann die gut gemeinte Bewegung kontraproduktiv sein – sie verlieren den Spaß an der Bewegung und trainieren weder ihr Herz noch die Muskeln!

Das Fazit: Die Dosis macht´s!

Auch kleine Schritte helfen!
Auch kleine Schritte helfen!

Es bleibt dabei: Bewegungsmangel ist ungesund. Aber ist Bewegung denn nun gesund?

Ja, wenn Sie es wohldosiert angehen. Zum Beispiel mit der Hilfe eines erfahrenen Trainers, wie Sie ihn in heute in vielen Fitness-Studios finden. Oder Sie nehmen die Bewegungsdosierung selbst in die Hand. Mit Hilfe eines der vielen unterschiedlichen Health-Gadgets oder einer Pulsuhr. Hier sollten Sie jedoch den Rat eines Sportmediziners  oder erfahrenen Trainers einholen – denn jeder Puls ist anders.
Oder Sie entscheiden sich einfach bei jeder alltäglichen Gelegenheit für die Variante mit mehr Bewegung: Treppe statt Fahrstuhl, Knopf drücken statt Fernbedienung, laufen statt fahren, und so weiter. Ihr Herz wird es Ihnen danken.

Nein, wenn Sie ohne Plan aber dafür mit umso mehr Herzrasen drauf los rennen. und dabei Ihren gesamten Organismus samt Herz überfordern.

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