Freie Fahrt für Deutsche Radler – aber sicher!

Radfahren ist gesund und schont die Umwelt. Der frische Wind um die Ohren, das gemäßigte Herz-Kreislauf-Training und schon ist man galant an den Schlangen des Feierabendverkehrs vorbeigeflitzt. Herrlich.

Einige Radler allerdings meinen, die Straße gehöre Ihnen. Riskante Manöver, rücksichtsloses Fahren und schlängelndes Drängeln verschrecken und verärgern die anderen Verkehrsteilnehmer. Das ist dann nicht mehr ganz so herrlich. Vor allem nicht, wenn man bedenkt, dass Sie als Radfahrer tatsächlich das schwächste Glied im fragilen Gefüge des Straßenverkehrs sind.

Radfahrer leben gefährlich

Im Gegensatz zum Auto sind Radfahrer von keinerlei schützendem Blech umgeben und auf nur zwei Rädern unterwegs. Damit sind Sie gefährlich leicht verletzbar und aus dem Gleichgewicht zu bringen. Genau wie Motorradfahrer, die allerdings in der Regel in Leder oder Spezialkleidung „verpackt“ und mit stabilem Integralhelm unterwegs sind. So gesehen sind Radfahrer genauso verwundbar wie Fußgänger. Nur eben schneller, was auch weniger Zeit bedeutet, um den Verkehr zu überblicken oder gesehen zu werden. Gründe genug, es lieber sicherer angehen zu lassen.

Wie fahren?

Eigentlich logisch aber dennoch der klaren Rede Wert: Fahrräder müssen sich an die Verkehrsregeln halten. Diese Regeln sind dazu da, Sicherheit und Fairness für alle Beteiligten zu gewährleisten. Das Kennen und Befolgen dieser Regeln kann Ihnen nicht nur Geld oder Punkte in Flensburg ersparen, sondern auch das Leben retten.

Wo fahren?

Eine einfache Frage, die dann doch gar nicht so leicht zu beantworten ist. Denn erst einmal ist ein Fahrrad im Sinne des Verkehrsrechts als Fahrzeug zu betrachten und gehört damit auf die Straße. Zeichnet ein blaues Schild mit einem weißen Rad darauf allerdings einen Radweg aus, sind Sie als Radfahrer verpflichtet, diesen auch zu nutzen anstatt auf der Fahrbahn zu radeln. Ausnahmen sind nur gestattet, wenn Hindernisse oder Schäden den Radweg unbefahrbar machen.

Anders ausgewiesene Radwege können, müssen Sie aber nicht nutzen. Tun Sie es dennoch, gilt das Rechtsfahrgebot. Andersherum formuliert: Die Nutzung des Radweges in Fahrtrichtung links von der Fahrbahn ist verboten. Einzige Ausnahme sind Radwege deren Nutzung per blauem Schild ausdrücklich für beide Richtungen angeordnet wird. Sofern nicht ausdrücklich anders durch ein blaues Schild gekennzeichnet ist der Gehweg für (erwachsene) Radfahrer tabu. Ebenso das bereits erwähnte Geisterfahren auf der linken Seite sowie Busspuren.

Ampelsignale befolgen

Radfahrer haben teilweise die besonderen Ampeln der Radverkehrsführungen zu beachten. Ansonsten ist und bleibt alles wie immer und für alle: Stehen bei Rot, fahren bei Grün. Wer sich nicht daran hält und trotz rotem Signal in die Pedalen tritt, darf sich über 60,00 € Bußgeld und einen Punkt in Flensburg ärgern.

Vordrängeln erlaubt

Anders als Motorrädern ist es Radfahrern erlaubt, rechts an stehenden Autos vorbei bis zur Spitze der wartenden Ampelschlange zu rollern. In gemäßigtem Tempo und ausschließlich zwischen Autos und Bordsteinkante, nicht aber zwischen zwei Fahrzeugkolonnen. Das mag den einen oder anderen Autofahrer ärgern, ist aber so. Genau wie das umgekehrte Ärgernis, wenn Autos extra nah an den Bordstein fahren, um Radfahrern den Weg zu verstellen. Auch dieses Verhalten ist, wenn auch nicht rühmlich, dennoch rechtens. Ein vorbeischlängeln über den Gehweg oder auf der linken Seite ist dem Radfahrer verboten.

Kein Alkohol am Lenker

Dies ist kein Gesetz, sondern ein wohlgemeinter Rat: Alkohol und Straßenverkehr passt nicht zusammen. Schon gar nicht wenn man als schwächstes Glied in Schlangenlinien durch den Verkehr rollt. Passen Sie sich Ihren verlangsamten Reflexen an, indem Sie absteigen und schieben. Das ist für alle Beteiligten das Sicherste – vor allem für Sie selbst. Das Gesetz hingegen erlaubt Ihnen das Radfahren bis 1,6 Promille. Wer mehr auf die Pusteskala bringt, muss mit einer saftigen Geldstrafe, drei Punkten in Flensburg und dem Führerscheinentzug rechnen. Denn ab diesem Ergebnis darf die Polizei eine medizi­nisch-psycho­logische Unter­suchung – kurz MPU oder Idiotentest – anordnen, bei deren Verweigerung oder Nichtbestehen automatische ein Fahrverbot erlassen wird.

Einbahnstraßen beachten

Eine Einbahnstraße ist und bleibt eine Einbahnstraße. Auch für Radfahrer. Es sei denn, ein spezielles Schild erlaubt ausdrücklich das Gegenteil. Dann haben Radler sogar Vorfahrt und Autos, die in „richtiger“ Fahrtrichtung unterwegs sind, müssen den Radfahrer in engen Passagen sicher passieren lassen, bevor sie selbst weiterfahren.

Bleifüße unerwünscht

Radfahrer müssen ihre Geschwindigkeit den Verkehrs-, Straßen-, Sicht- und Witterungsverhältnissen anpassen. Zudem muss jederzeit gegeben sein, dass plötzlichen Hindernissen sicher ausgewichen werden kann. Wer rücksichtslos rast, bringt sich und andere in Gefahr. Bei einem Unfall verliert er gegebenenfalls das Anrecht auf Schadensersatz oder wird bei Gefährdung anderer selbst zur Kasse gebeten.

Helm oder nicht Helm?

In Deutschland gibt es keine Helmpflicht für Radfahrer. Entsprechend werden beim Nichttragen auch keine Bußgelder verhängt und im Falle eines Unfalls erfolgen auch keine Mitschuldanlastungen durch Versicherungen.

Mit allen Sinnen dabei bleiben

Hartnäckig hält sich das Gerücht, das Musikhören auf dem Fahrrad sei verboten. Ist es aber nicht. Sie können getrost mit zwei Stöpseln in den Ohren durch die Stadt radeln, vorausgesetzt, Sie können gewöhnlichen Geräusche des Straßenverkehrs weiterhin wahrnehmen. Tipp: Drehen Sie Ihre Lieblingsmusik also nicht zu laut!

Verstehen Sie Zebras?

Die weit verbreitete Unklarheit bezüglich der Zebrastreifen-Regelung für Radfahrer ist eigentlich nicht zu verstehen. Denn die Überquerung der Fahrbahn über einen Zebrastreifen ist für Radfahrer genauestens geregelt: FÄHRT ein Radler über den Zebrastreifen, muss er einem heranfahrenden Auto die Vorfahrt lassen. Steigt der Radfahrer hingegen ab und wird somit zum Fußgänger, genießt er auch die gleichen Rechte. Das gilt auch, wenn der Radfahrer absteigt und anschließend mit einem Fuß auf der Pedale mit dem Rad rollt ähnlich wie mit einem Tretroller.

Radeln ist kommunikativ

Hintereinander unterhält es sich einfach schlecht. Deshalb fahren Pärchen oder Gruppen auf der Straße auch gerne einmal nebeneinander. Sofern sie den Verkehr dabei nicht behindern, dürfen sie das auch. Auf ausgewiesene Fahrradstraßen dürfen Radfahrer immer zu zweit nebeneinander fahren.

Sonderfall Kinder? Ja.

Bis zum achten Lebensjahr werden radfahrende Kinder verkehrsrechtlich als Fußgänger behandelt, müssen also auf dem Gehweg fahren. Zwischen acht und zehn dürfen die kleinen Radler sich dann aussuchen, ob sie auf dem Gehweg oder dem Radweg fahren möchten. Ab dem zehnten Geburtstag gelten schließlich die gleichen Regeln wie für Erwachsene.

Sonderfall Liegeräder? Nein.

Trotz anderer Fahrposition und Konstruktion gelten Liegeräder rein rechtlich als ganz normale Fahrräder. Es greifen folglich die gleichen Regeln und Pflichten wie für alle anderen Radfahrer. Zu erwähnen sei insbesondere die Pflicht zur Nutzung ausgewiesener Radwege sowie die Wahrung einer angemessenen Geschwindigkeit auf Radwegen oder kombinierten Geh- und Radwegen.

Sonderfall E-Bikes? Jein.

Wir unterscheiden zwei Sorten von E-Bikes: die einen sind mit maximal 250 Watt starken Motoren ausgestattet und erreichen mit Tretunterstützung eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 25 km/h. Teilweise sind diese Räder auch mit einer sogenannten Anfahr- oder Schiebehilfe bis zu 6 km/h ausgestattet. Diese E-Bikes gelten rechtlich als Fahrräder und unterliegen keinerlei Sonderregelungen.

Einen Sonderfall bilden die schnelleren E-Bikes, auch S-Pedelecs genannt, mit bis zu 500 Watt starken Motoren. Sie gehören zu der Klasse der Kleinkrafträder. Man benötigt also eine Mofa-Prüfbescheinigung, ein Mindestalter von 15 Jahren, ein Versicherungskennzeichen und eine Betriebserlaubnis.

S-Pedelecs dürfen nur auf Radwegen gefahren werden, wenn das Zusatzschild „Mofas frei“ dies ausdrücklich erlaubt. Zudem müssen S-Pedelecs-Fahrer überall dort absteigen oder ausweichen, wo ein Schild das Befahren mit Motorkrafträdern verbietet. Auch Waldwege, für Radfahrer freigegebene Fußgängerzonen und Fahrradabstellanlagen sind tabu. Erlaubt ein entsprechendes Schild Fahrrädern das Befahren einer Einbahnstraße in beiden Richtungen, gilt dies nicht für S-Pedelecs. Ebenso verhält es sich mit der Promillegrenze: hier gelten ebenfalls die strengeren Grenzwerte für Kraftfahrzeugfahrer und nicht die lockereren Werte für Fahrradfahrer.

Machen Sie es gut – fahren Sie sicher!

Nun kennen Sie die wichtigsten Regeln für ein ungetrübtes Zweiradvergnügen. Manche selbstverständlich, manche vielleicht auch etwas überraschend. In jedem Fall aber die ideale Grundlage für ein sicheres Ankommen. In diesem Sinne: Gute Fahrt!

6 Kommentare

  1. Ich finde die Ausführungen bezüglich der Rechte und Pflichten der Radfahrer ausgezeichnet. Ich muß gestehen, dass auch mir als Autofahrer eine Sache neu war. Der Vorrang des erlaubt entgegengesetzt der Einbahnstraße fahrenden Radfahrers an engen Stellen.
    Die von Signal Iduna hier in diesem Artikel gemachten Ausführungen sollten allseitig und in großem Umfang allen Radfahrern und auch den anderen Verkehrsteilnehmern zugänglich gemacht werden. Es ist sicher nicht immer Disziplinlosigkeit bei Radfahrern, sondern vielfach auch mangelnde Kenntnis der StVO. Radfahrer und ihre Organisationen sind immer sehr präsent mit Beschwerden, aber puncto Schulungen für Radfahrer und auch der Ahndung ihrer Ordnungswidrigkeiten durch die zuständigen Organe liegt wohl noch manches im Argen.
    Wünschen wir uns für die Zukunft Besserung und ein freundschaftliches Miteinander im Straßenverkehr!

    1. Hallo,
      wir freuen uns, ein wenig Klarheit gestiftet zu haben und stimmen Ihnen zu: je mehr Verkehrsteilnehmer sich all dieser Regeln bewusst sind, desto geordneter und friedlicher ist das Miteinander.
      Empfehlen Sie gern den Artikel weiter, umso mehr Verkehrsteilnehmer werden sensibilisiert.

      Herbstliche Grüße, Patricia Crone.

      1. Sehr guter Artikel und bis auf eine Stelle m. E. auch alles richtig.

        Gerade den Teil mit der Vorfahrt an Engstellen habe ich bisher nur hier gelesen, obwohl ich meine, mich als Fahrradfahrer ziemlich gut auszukennen. Deswegen habe ich auch noch etwas im Internet recherchiert und bisher keine Bestätigung Ihrer Aussage finden können. Ich habe nur zwei Quellen gefunden, die Ihrer Einschätzung widersprechen:
        https://www.zeit.de/mobilitaet/2018-03/strassenverkehr-radfahrer-suv-ausweichen
        https://www.mtb-news.de/forum/t/wer-hat-vorfahrt-einbahnstrasse-freigegeben-fuer-radler-in-entgegengesetzter-richtung.249537/

        Ich würde mir ja gerne wünschen, dass ich auf dem Fahrrad in Einbahnstraßen an Engstellen Vorrang habe. Haben Sie dafür einen Beleg?

        1. Vielen Dank für das Lob und den Hinweis!

          Wir haben unsere Informationen vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club e. V. (ADFC). Nach meiner Logik stellt eine Verengung der Fahrbahn ein Hindernis in Fahrtrichtung dar, also für das Auto. Dieses muss dem Fahrrad also Vorfahrt gewähren. Vorausgesetzt natürlich, in dieser Einbahnstraße ist Fahrrädern das Befahren in umgekehrter Richtung ausdrücklich erlaubt. Drauf ankommen lassen würde ich es allerdings nicht. Lieber vorsichtig und passiv fahren und sicher ankommen, als im Recht sein und einen Unfall provozieren. Aber ich bin mir sicher, das sehen Sie genauso.

          Weiterhin gute Fahrt!

  2. Ich musste feststellen, dass ich nur unzureichend über die Verkehrsregeln für Radfahrer informiert war.
    Danke
    Bernhard Beyer

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