Sind Sie ein Verkehrsrüpel? Und wenn nicht, wer dann?

Sie machen nicht nur andere nervös, sie bringen sich und andere auch in Gefahr: Verkehrsrüpel. Sie drängeln, sie rasen, sie hupen, sie jagen. Aber wer sind „sie“ eigentlich?

Boah, der nervt! Hinter mir, aber so knapp, dass ich quasi seinen vor Wut perlenden Schweiß auf der Oberlippe erkennen kann, mit Blinker und Lichthupe. Ich bin auf die linke Spur auf der Autobahn gefahren, denn ich möchte den LKW in etwa 200 Meter vor mir überholen. Ich fahre bereits 20 km/h schneller, als erlaubt. Dem hinter mir gefällt das trotzdem nicht. Und das macht er mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln deutlich. Knigge konform ist das nicht gerade.

Unrühmliche Wahrheit

Es ist wie mit der Gala: Keiner will zugeben, sie zu lesen und doch wissen erstaunlich viele Menschen, was drin steht. Verkehrsrüpel? Ich doch nicht! Und doch gibt es sie. Sie sitzen uns auf der Autobahn im Nacken, überholen rechts und viel zu knapp oder nehmen uns absichtlich die Vorfahrt. Irgendjemand muss dieser sich selbst und andere gefährdenden Spezies also angehören. Zum Glück hat eine Studie nun herausgefunden, wer das ist.

Je schlauer, desto rüpelhafter?!

Die Studie „Verkehrsklima in Deutschland“ von Unfallforschern der Versicherungswirtschaft förderte gleich mehrere überraschende Ergebnisse zutage. So befinden sich beispielsweise unter den Akademikern besonders viele Verkehrsrüpel. Ebenso, wie unter den Fahrern ohne Schulabschluss. Ruppiges Verhalten im Straßenverkehr geben immerhin 44 % der männlichen Befragten zu aber auch 39 % der Frauen. Einen Anstieg aggressiven Verhaltens konnte die Studie mit zunehmender Kilometerleistung erkennen, eine Abnahme wiederum mit wachsendem Alter.

Wir können die Rüpel-Suche also eingrenzen auf akademische oder nichtakademische Männer und Frauen unter 75, die mehr oder weniger viel Auto fahren. Immerhin. Obwohl, Moment – dazu gehört ja so gut wie jeder. Inklusive mir.

Sind es wirklich immer „die anderen“?

Mal Hand aufs Herz: fahren Sie allzeit regelkonform, umsichtig und zuvorkommend? Dann wären Sie laut den Ergebnissen der Studie eine echte Rarität. Fast die Hälfte der befragten Pkw-Fahrer (52 % der Frauen und 42 % der Männer) gab an, viel schneller zu fahren, wenn sie sich ärgern. Als Reaktion auf penetrante Drängler treten rund 30 % laut eigenen Angaben kurz auf die Bremse, um den Hintermann gehörig zu ärgern. Fast ein Viertel der Befragten tritt wiederum manchmal aufs Gaspedal, wenn sie überholt werden.

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht aber auch in meinem Fuß regt sich der Bremswillen, wenn ich mir diesen wild gestikulierenden Menschen auf meiner Stoßstange so ansehe. Damit gehöre also auch ich zu denen, die ich eigentlich lieber weiter „die anderen“ genannt hätte. Aber ich sehe es mal positiv. So kann ich wenigstens auch etwas zum Besseren verändern.

Warum eigentlich der ganze Stress?

Die Studie bringt hervor, was uns wohl allen aus der Seele spricht: Die Befragten erleben den Straßenverkehr als anstrengend und teils sogar chaotisch, rund die Hälfte beschreibt ihn als „stressig“. Das wundert die Unfallforscher nicht. Sie vermuten als Grund für die Zuspitzung der allgemeinen Stimmung die zunehmende Enge im Straßenverkehr. Je knapper der allgemeine Verkehrsraum wird, desto stärker wird ein gewisses Konkurrenzempfinden. Und desto drastischer versucht sich jeder Teilnehmer, seinen Stück vom Kuchen zu sichern.

Sicher fühlen wir uns trotzdem

Bei aller Aggression und Enge ist das allgemeine Sicherheitsgefühl überraschenderweise gestiegen. 2010 fühlte sich noch etwa die Hälfte der Befragten sicher, während es 2016 schon rund zwei Drittel waren.

Das ist doch mal eine gute Nachricht – genau das, worauf man sich konzentrieren sollte. Das empfehle ich übrigens für jede Fahrt, wie kurz sie auch sein mag. Einfach mal kurz auf etwas besinnen, das Freude macht, beruhigt und gut tut. Für längere Fahrten ein wenig ruhige Musik oder vielleicht auch mal ein Hörbuch. Handy bleibt in der Tasche.

Und wenn der Stress dann doch mal Überhand nehmen möchte, erst mal drei tiefe Atemzüge nehmen, den Rüpel (ob nun innerlich oder äußerlich) durchwinken und weiter so entspannt wie möglich bleiben. Für den Fall, dass alle guten Vorsätze nichts nützen und es doch mal etwas rüpelhafter zugehen sollte, möchte ich Ihnen darüber hinaus eine Rechtsschutzversicherung ans Herz legen. Quasi als Rückendeckung.

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