Tierisch gesund – warum Haustiere uns gut tun

Schauen Sie sich Haustierhalter einmal genau an, wenn sie mit strahlenden Gesichtern und leuchtenden Augen die kleine Fotosammlung auf dem Smartphone präsentieren. Man kann ja fast gar nicht anders, als es zu glauben: Haustiere tun „ihren“ Menschen gut. Aber stimmt es denn auch wirklich? Sind Haustiere „gesund“? Und sind Haustierhalter damit gesünder als fell- und federfrei lebende Menschen?

Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigen sich unzählige Studien und Forschungen – meist mit sozialpsychologischem aber inzwischen auch mit naturwissenschaftlichen Ansätzen. Der Grundtenor der Ergebnisse: Haustiere fördern die Gesundheit. Direkt oder auf Umwegen.

Verringertes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Reiter im HerbstwaldKaum jemand bewegt sich so regelmäßig an der frischen Luft, wie Hunde- oder Pferdehalter, während auch Katzenbesitzer oftmals viel mit ihren kleinen Stubentigern spielen und in Bewegung sind. Diese Menschen beugen ganz natürlich einem der weit verbreitetsten Risikofaktoren für diverse Krankheiten vor: Bewegungsmangel.

Eine logische Folgerung, der das Medizinerteam der American Heart Association in einer Veröffentlichung im medizinischen Fachjournal „Circulation“ nur zustimmen konnte. Zuvor hatte das Team eine Reihe früherer Studien analysiert, welche die Effekte der Haustierhaltung auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit der Besitzer untersuchten. Als wichtigsten gesundheitsrelevanten Faktor nennten die Forscher die erhöhte körperliche Aktivität der Haustierhalter – insbesondere bei täglichen Spaziergängen.

Auch eine 2011 im “Journal of Physical Activity and Health” veröffentlichte Studie kommt zu einem ähnlichen Ergebnis, das sich allerdings nur auf Hundehalter bezieht: Hundehalter, die regelmäßig mit ihren Vierbeinern an die frische Luft gehen, sind generell fitter. Und je fitter unser Herz-Kreislaufsystem, desto gesünder ist es auch.

Kuscheln gegen Bluthochdruck

Auch ohne Spaziergänge tun Hund, Katze & Co. etwas für unsere Gesundheit. So ist mittlerweile bewiesen, dass schon die reine Anwesenheit von Tieren den Blutdruck und die Herzfrequenz des Menschen senken kann.

Mit der Katze auf der CouchEinen noch stärkeren Effekt hat das Streicheln dieser Tiere. Es entspannt. Genauer gesagt aktiviert es den Parasympathikus, den beruhigenden Ast unseres vegetativen Nervensystems, der für Regeneration und Verdauung zuständig ist. Damit wird die Ausschüttung von Stresshormonen reduziert, was zusätzlich Herzfrequenz und Blutdruck senkt. Gleichzeitig fördert die innige Zuwendung eine erhöhte Ausschüttung des Kuschelhormons Oxytocin. Das beruhigt angenehm, steigert unser Vertrauen in Mitmenschen und fördert unsere Bindungsfähigkeit.

Die Stressresistenz steigt

Zu einem interessanten Ergebnis kamen Wissenschaftler der State University of New York in Buffalo: ihrer kontrollierten Studie zufolge leiden Hundehalter deutlich weniger unter Stress als andere Menschen. In ihrer Studie setzten die Mediziner eine Gruppe von 48 alleinstehenden Börsenmaklern stressigen Situationen aus und untersuchten deren körperliche Reaktionen, wie Herzfrequenz, Blutdruck und Schweißproduktion. Hierbei zeigten die Haustierbesitzer insgesamt geringere Stressreaktionen. Besonders deutlich zeigte sich dieser positive Effekt in einem nachweislich geringeren Blutdruckanstieg.

Die Wissenschaftler begründen dies mit einer positiven Veränderung der Hirnchemie. Bereits nach 15 Spiel-Minuten mit dem Hund werden vermehrt die Glückhormone Dopamin und Serotonin ausgeschüttet, das Stresshormon Cortisol hingegen reduziert. Diese Hormonlage führt dazu, dass sich der Mensch insgesamt entspannter und zuversichtlicher fühlt – und damit stressresistenter.

Stärkeres Immunsystem

Familie mit Hund im HerbstwaldEin fitteres Herz-Kreislaufsystem und weniger Stress – das sind bereits zwei Faktoren, die ein stärkeres Immunsystem begünstigen. Kommt auch noch regelmäßige Bewegung an der frischen Luft bei Wind und Wetter hinzu, ist das Training der eigenen Abwehr so gut wie perfekt. Noch ein paar „artfremde“ Keime und fertig ist das gesund haltende Komplettpaket, das jeder Tierhalter seinem Immunsystem zu bieten hat.

Weniger Allergien bei Kindern

Auch der Nachwuchs profitiert von tierischen Familienmitgliedern, insbesondere von Hunden. Zu diesem Schluss kommt die “Detroit Childhood Allergy Study”, die von Ärztin und Biostatistikerin Ganesa Wegienka und ihrem Team vom Detroiter Henry Ford Hospital durchgeführt wurde. Innerhalb der Studie konnte eine Verringerung des Allergierisikos bei Kindern beobachtet werden, die innerhalb des ersten Lebensjahres mit Hunden in einem Haushalt lebten.

Baby lernt Hund kennenAuch andere Studien sind bereits zu dem Ergebnis gekommen, dass Kinder, die mit Haustieren aufwachsen, ein stabileres Immunsystem haben. So führt eine im Fachmagazin „PLOS One“ veröffentlichte Studie den positiven Effekt auf das kindliche Immunsystem auf die größere Bakterienvielfalt innerhalb eines „Hundehaushaltes“ zurück. Das sich gerade erst ausbildende Immunsystem wird innerhalb des ersten Lebensjahres mit so vielen unterschiedlichen Keimen konfrontiert, dass es quasi zum Hochleistungssystem heranwächst.

Folgt man dieser Theorie, überrascht auch das Ergebnis einer im Fachblatt “Pedriatrics” veröffentlichte US-Studie an der Universität Kuopio in Finnland nicht mehr. Hier wurden 397 Babys von ihrer neunten Lebenswoche bis zu ihrem ersten Geburtstag beobachtet. Die mit einem Hund oder einer Katze aufwachsenden Babys zeigten ein 30% geringeres Risiko, an Atemwegsinfektionen zu erkranken. Mittelohrentzündungen traten bei diesen Kindern sogar um die Hälfte seltener auf. Das Fazit der Studie: Kinder, die in Tiergesellschaft aufwachsen, sind deutlich gesünder.

Gesund? Auf alle Felle!

Hund und Katze auf Rezept gibt es zwar noch nicht, allerdings würden die positiven gesundheitlichen Effekte durchaus dafür sprechen. Denn nicht nur körperlich, sondern auch psychisch können die geliebten felligen oder federigen Begleiter ihren Haltern eine gehörige Unterstützung sein und emotional gesund halten.

Allerdings darf man eines nicht vergessen: Ob Hund oder Katze, Pferd oder Meerschweinchen, Schildkröte oder Papagei – diese Tiere sind weit mehr als unsere „Gesundmacher“. Es sind Lebewesen, die zuverlässig versorgt und liebevoll gepflegt werden möchten.

Kind mit KatzeBetrachten Sie also bitte die positiven gesundheitlichen Effekte nicht als Anschaffungsgrund eines Tieres, sondern als willkommenen Nebeneffekt Ihrer Tierliebe. Dann sollte einer glücklichen und gesunden gemeinsamen Zukunft nichts im Wege stehen.

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