Kopfhörer machen uns langsam taub!

Es gibt sie in allen erdenklichen Farben und Formen: Kopfhörer. Sie stecken als kleine „Knöpfe“ in den Ohren, sitzen als Bügelkopfhörer auf den Ohrmuscheln oder bedecken diese ganz als übergroße „Over-Ears“. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind potenziell schädlich.

Wie bitte?!

Bis vor Kurzem bin ich noch regelmäßig mit der S-Bahn zur Arbeit gefahren. Und mit mir eine Menge anderer Menschen. Ich möchte mal ganz unstatistisch und völlig ohne Gewähr schätzen, dass gut 80 % meiner Mitfahrer ihre allmorgendliche (und allabendliche) Reise mit Kopfhörern beschreiten. Manch ein Jüngling sogar so laut, dass man noch vier Sitzreihen entfernt in den zweifelhaften Genuss deutlichen Boom-Boom-Geplärres kommt. Ich denke mir dann immer „Der hat doch einen Schaden!“ Und aller Wahrscheinlichkeit nach habe ich damit sogar Recht.

Zahl der Hörgeschädigten steigt

Experten befürchten, dass inzwischen etwa jeder vierte deutsche Jugendliche eine beginnende Schwerhörigkeit hat. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt die Zahl der durch das Hören von zu lauter Musik gefährdeten jungen Menschen auf rund eine Milliarde. Das ist eine enorme Menge – aber längst noch nicht alles. Schließlich gibt es auch genügend Menschen (deutlich) jenseits der Zwanzig, die sich gern ab und an oder sogar regelmäßig „was auf die Ohren“ geben. Und das sollen sie auch gerne weiterhin tun. Nur eben etwas gehörschonender.

Schadenfreier Hörgenuss

Keine Sorge, Sie müssen in Zukunft nicht gänzlich auf den Genuss Ihrer geliebten Musik, Radiosender oder Hörbücher verzichten. Es reicht völlig aus, wenn Sie Ihr Hörverhalten etwas anpassen – Richtung schadenfreier Hörgenuss.

Die richtigen Kopfhörer: On-/Over-ear

Sogenannte In-Ear Kopfhörer werden in den Gehörgang gesteckt und „blasen“ den Schall direkt Richtung Innenohr und all der filigranen Strukturen dort. Dieser Trichtereffekt bedeutet eine zusätzliche Belastung auch bei geringer Lautstärke. Besser geeignet sind On-Ear, also auf der Ohrmuschel sitzende, oder Over-Ear, also die Ohrmuschel gänzlich bedeckende Kopfhörer.

Oftmals drehen wir die Lautstärke hoch, um Umgebungsgeräusche zu übertönen. Diesen negativen Effekt umgehen wir mit sogenannten Noise Cancelling Kopfhörern, welche Umgebungsgeräusche aktiv reduzieren. Bitte beachten Sie, dass diese Art von Kopfhörern nicht für den Straßenverkehr geeignet ist!

Die richtige Lautstärke: 60 %

Als Faustregel sei gemerkt: Alles über 85 dBA ist schädlich. Die Abkürzung dBA steht für den wahrgenommenen Schalldruckpegel Dezibel und bezeichnet, wie laut ein Geräusch im Ohr ankommt. Zum Vergleich: Ein Presslufthammer in sieben Metern Entfernung entwickelt laut Umweltbundesamt etwa 90 dBA, ein Staubsauger in der gleichen Entfernung immerhin 80 dBA. Und weil das mit Hausmitteln so schlecht messbar ist, empfiehlt sich die 60/60-Regel. Demnach stellen Sie die Laustärke Ihres Abspielgerätes nicht höher, als auch 60 % der Maximallautstärke. Damit hören Sie mit den meisten Smartphones und MP3-Playern auf der sicheren Seite. Die zweite 60 der 60/60-Regel bezieht sich auf die Hördauer.

Die richtige Hördauer: 1 Stunde

Sie haben es sicher schon erraten: entsprechend der 60/60-Regelung sollten Sie Ihren Ohren spätestens nach 60 Minuten eine Pause gönnen. Mit solchen vergleichsweise kurzen Belastungen kommt unser Ohr besser zurecht, als mit Dauerlärm – auch wenn er noch so groovt oder rockt.

Deutliche Zeichen für ein früheres Ausschalten sind ein sekunden- oder gar minutenlanges Summen oder ein watteartiges Gefühl im Ohr. Auch wenn Sie innerhalb von einer halben Stunde mehrmals die Lautstärke nach oben regeln, obwohl sich die Umgebungsgeräusche nicht verändert haben, heißt es schleunigst Ruhe!

Mit diesen einfachen Grundregeln können Sie Ihr Gehör vor selbstzugefügten Lärmschäden schützen. Bedenken Sie aber bitte auch, dass es durchaus mehr oder weniger empfindliche Gehöre gibt. Sollten Sie bereits bei geringerer Lautstärke oder nach kürzerer Zeitdauer eine Belastung oder ein Unwohlsein spüren, passen Sie die Faustregeln bitte für sich individuell an. Charmanterweise gilt auch in dieser Angelegenheit: Hören Sie auf sich! Ich wünsche weiterhin gesunden Hörgenuss.

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