Küssen erlaubt!

Im Filmklassiker Casablanca trällerte der weltbekannte Sam „A Kiss is Just a Kiss“ und wurde daraufhin mit einem der bekanntesten Filmzitate aller Zeiten bedacht: „Play it again, Sam.“ Und das tut er dann auch. Sam behauptet noch einmal wohlklingend, ein Kuss sei nur ein Kuss. Aber was soll denn das eigentlich heißen? Was ist denn nun ein Kuss?

Duden definiert den Kuss

Die Definition eines Kusses lautet im deutschen Standardwerk Duden so: „[sanft] drückende Berührung mit den [leicht gespitzten, leicht geöffneten] Lippen (als Zeichen der Zuneigung oder Verehrung, zur Begrüßung o. Ä.)“

Der Kuss unter der Lupe

Auch eine etwas weitreichendere Recherche bestätigt dieses Ergebnis. Ein Kuss gilt – übrigens nicht nur in Deutschland oder Europa, sondern in fast allen Kulturen – als Ausdruck von Liebe, Zuneigung und Freundschaft. Geschätzt verteilt jeder Mensch im Laufe seines Lebens ungefähr  100.000 Küsse. Ganz vorn dabei sind die Franzosen, bei denen es schon zur Begrüßung bis zu vier „bisous“, kleine Küsschen rechts und links auf die Wangen gibt. Für die Behauptung, die Franzosen seien die Erfinder des Zungenkusses – daher auch “French kiss” genannt – konnten wir keine stichfesten Beweise finden.

Allerdings hielt die Philematologie, also die wissenschaftliche Erforschung des Kusses, einige andere interessante Fakten für uns parat.

Küssen ist nicht gleich Küssen

Küsschen, Luftkuss, Spitzkuss, Handkuss, Intimkuss, Nasenkuss, Nippen, Schmerzkuss, Schmetterlingskuss, Zungenkuss, Pferdekuss und sicherlich noch viele weitere mehr zählt die Liste der unterschiedlichen Kussarten. Die meisten sind ein Zeichen der Zuneigung, der Liebe oder auch der Leidenschaft. Nicht zu diesen wohlgemeinten Kussformen gehört der Pferdekuss, welcher sich in der Regel mit großflächigen blauen Flecken manifestiert. Oder aber der sogenannte „Mafia-Kuss“, bei dem der Mafia-Pate abtrünnige Mafiosi als Ankündigung eines baldigen, unnatürlichen Todes auf die Stirn küsst.

Küssen ist gesund

Abgesehen von den erwähnten Ausnahmen ist küssen sogar gesund. Bis zu 60 Muskeln arbeiten bei einem Kuss und verbrennen dabei je nach Intensität rund 15 Kalorien. Der Austausch von Bakterien trainiert das Immunsystem, der Pulsschlag erhöht sich von regulären 60 bis 80 auf 110 Schläge und mehr, die Atemfrequenz verdreifacht sich. Der Kreislauf wird folglich angekurbelt, die Durchblutung gefördert und es werden ordentlich Hormone ausgeschüttet. Adrenalin und Dopamin zum Beispiel, die das Schmerzempfinden reduzieren. Die erhöhte Ausschüttung von Endorphinen macht uns glücklicher und das “Kuschelhormon” Oxytocin sorgt beim Kuss für ein Gefühl der Bindung und Geborgenheit. Zusätzlich senkt jeder Kuss den Cortisolspiegel im Blut, reduziert also spürbar Stress.

Kurz gesagt entspannt küssen, schützt vor Schmerzen und trainiert ganz nebenbei auch noch Immun- und Herz-Kreislauf-System. Kein Wunder also, dass wir statistisch gesehen bis zum 70. Lebensjahr immerhin sechs Tage mit Küssen verbringen. Aber wie kamen wir eigentlich darauf, unsere Lippen überhaupt auf die eines anderen Menschen zu drücken?

Die Entstehung des Küssens

Warum küssen Menschen? Über dieser Frage brüten Anthropologen schon ewig. Sigmund Freuds Theorie zufolge ist das Küssen eine Nachahmung des Saugens an der mütterlichen Brust. Das Baby lernt, dass Lippenkontakt etwas Gutes ist, und baut es später in sein Liebesspiel ein.

Viele Anthropologen sind der Meinung, dass der tatsächliche „Geburtsort“ des Kusses das ferne Indien sei. Hier finden sich die ältesten bekannten Darstellungen des Kusses in Form antiker Skulpturen und Sanskrit-Texten aus dem Jahre 1500 vor Christus.

Verhaltensforscher sehen das ganz anders: das Küssen habe sich aus der Mund-zu-Mund-Fütterung entwickelt und erinnere demnach an die Fürsorge, Liebe und Nähe zwischen Mutter und Kind.

Auch die Annahme, das Küssen sei eine vermenschlichte Weiterentwicklung des tierischen Schnüffelns am Genital- und Analbereich, ist gängig. Und in gewisser Hinsicht auch gar nicht so abwegig. Schließlich nehmen auch wir Menschen beim Küssen durchaus einige wichtige Informationen über unseren Kuss-Partner auf, indem wir ihm „zum Schmecken und Schnüffeln“ nahe kommen. Zum Beispiel darüber, ob das Immunsystem oder der Gencode des Geküssten mit unserem kompatibel ist.

Eine der am wenigsten verbreiteten aber dafür umso unterhaltsameren Theorien geht davon aus, dass der Kuss im alten Griechenland von Ehefrauen erfunden wurde, um zuverlässig den Alkoholpegel des Gatten zu bestimmen.

Auch im Tierreich wird geknutscht

Elefanten wickeln ihre Rüssel umeinander, Pferde beknabbern sich zärtlich, Vögel schnäbeln verliebt miteinander und Lamas reiben zur Begrüßung oft – wenn auch eher aus Neugier – die Nasen aneinander. Das ist ja immerhin fast schon geküsst. Es wird allerdings auch durchaus so richtig „geknutscht“. Zum Beispiel bei den Bonobos, die genetisch immerhin zu 98,7 % mit uns übereinstimmen. Auch sie küssen gern – zur Begrüßung, beim Schmusen oder zur Beruhigung. Ebenso Schimpansen, die das Küssen allerdings eher als Versöhnungsgeste nach familiären Zwistigkeiten etabliert haben. Was allerdings bei anderen Affenarten nach einem Kuss aussieht, kann gut und gerne auch nur die Suche nach Nahrungsresten im Mund des anderen sein. Möglich ist auch eine Zuneigung, die vom Hunger getrieben ist.

Unterwasserknutscher Nummer Eins ist der Gurami, der im Süßwasser Südostasiens zu Hause ist. Etwa 30 cm lang und mit herrlich wulstigen Lippen ausgestattet hält dieser tropische Süßwasserbewohner den tierischen Weltrekord im Dauerküssen. Aber Obacht: drücken Männchen und Weibchen ihre Lippen aufeinander, ist es ein Kuss. Tun zwei Männchen das gleiche, ist es ein Revierkampf.

Küssen verboten?!

Immerhin rund 90 % der Erdbevölkerung küsst. Da muss es natürlich auch Gesetze geben, die eine so beliebte Tätigkeit regulieren. So beispielsweise in Indonesien, Indien, Dubai, Malaysia und Russland. Hier herrscht in der Öffentlichkeit offizielles Kussverbot. Etwas lockerer hält es die USA: In den US-Bundesstaaten Connecticut und Michigan ist nur sonntags, am Tag des Herrn, das Küssen verboten. Maryland gestattet Paaren das Küssen in der Öffentlichkeit nicht länger als eine Sekunde. Tulsa zeigt sich da mit 180 Sekunden toleranter, was Iowa mit 300 Sekunden erlaubten öffentlichen Dauerküssens übertrumpft. Wer sich in Wisconsin in einem Zug küsst, verstößt gegen das Gesetz.

Aber ganz so weit muss man gar nicht reisen, um per Lippenbekenntnis mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen. In Frankreich etwa, ist das Küssen auf Bahnübergängen verboten. Im Nordwesten Englands finden Sie eine kussfreie Zone vor dem Bahnhof Warrington Bank Quay. Auch die leidenschaftlichen Italiener müssen sich im kleinen Örtchen Eboli in Kampanien zügeln, wo das Gesetz den Austausch von Küssen und Zärtlichkeiten im Auto unter Geldstrafe stellt. Auf Sizilien sprach man im Bergdorf Monreale ein Knutschverbot für öffentliche Parks aus. Keine Sorge ums Küssen müssen Sie sich beim Genuss eines Bollywood Filmes auf der heimischen Couch machen. Hier gilt ganz pauschal und rigoros strengstes Kuss-Verbot. Aber natürlich nur für die Darsteller. In diesem Sinne: viel Vergnügen!

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