Superfood – wie gesund sind Chia, Goji & Co. wirklich?

Sie sind exotisch und voll im Trend. Einige sind sogar richtig lecker. Uneingeschränkt gesund sind die vermeintlichen Superfoods allerdings nicht.

Chia-Samen, überall höre und lese ich nur noch Chia-Samen. Alle Welt ist verrückt danach. Warum kann allerdings niemand so ganz genau erklären. Am Geschmack kann es jedenfalls nicht liegen, denn die kleinen dunklen Körnchen schmecken einfach mal nach gar nichts. Trotzdem hat die Welt sie zum Superfood gekürt. Ich verstehe es nicht. Und Sie wissen ja inzwischen, was passiert, wenn ich etwas nicht verstehe … Ganz genau, ich forsche nach.

Was macht Food super?

Superfood nennt man Nahrungsmittel, die besonders viele positive Eigenschaften in sich vereinen. Etwa einen hohen Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen oder sekundären Pflanzenstoffen. Die besondere Kombination oder Intensität dieser Wirkstoffe wird als besonders günstig für die Entgiftung, den Fettstoffwechsel, das Herz oder ganz allgemein die Gesundheit deklariert. Und so etwas spricht sich im Zeitalter digitaler Medien dann sehr schnell herum. So werden die unscheinbarsten, exotischsten „Früchtchen“ innerhalb kürzester Zeit zum handfesten Ernährungstrend. Oder auf Neudeutsch: zum Superfood.

Die Crux mit dem Trend

Chia-Samen, Goji-Beeren, Gerstengras, Algen aller Art, Moringa und viele, viele mehr stehen bereits auf der Superfood-Liste. Sie alle haben eines gemeinsam: Mit der Geburt zum Superfood explodierte die ehemals geringe Nachfrage quasi über Nacht. Das treibt einerseits den Preis in die Höhe, bringt aber auch die Lieferanten in Bedrängnis, was weitere ungute Folgen für Verbraucher haben kann.

So entsprechen Anbau- und Erntebedingungen der oftmals exotischen Nahrungsmittel beispielsweise nicht immer unseren Standards hinsichtlich Schadstoffen oder Menschenrechte. Oder es findet sich in der Packung gar nicht das, was drauf steht – schließlich weiß hier ja niemand, wie Moringa aussieht, riecht oder schmeckt. Der Plagiate-Handel mit den Superfoods boomt regelrecht.

Wer regelt die Superfoods?

Die rechtliche Lage ist so: Superfood darf sich jede Möhre und jede Erbse nennen. Der Begriff ist weder geschützt, noch an irgendwelche Testverfahren oder Voraussetzungen gebunden. Es gilt also wie bei allen Lebensmitteln: Der gesunde Menschenverstand isst mit! So kann beispielsweise ein Matcha Tee, der von Hand gezupft und verlesen werden muss, keine 50 Cent pro Dose kosten. Logisch.

Aber auch in seriösen Angeboten steckt leider nicht immer nur Gutes. So fand die Zeitschrift “Ökotest” in 20 von 22 getesteten Produkten (Chia-Samen, Goji-Beeren, Weizengras-Pulver, Hanf-Samen, Rohkakao, Moringa-Pulver und einige mehr) erhöhte Mengen an Pestiziden, aromatischen Kohlenwasserstoffen (MOAH), Schimmelpilzen, Cadmium und Blei. Natürlich findet man auch in Nicht-Superfoods Schadstoffe, eine Trefferquote von 20 aus 22 finde ich persönlich allerdings schon bedenklich hoch.

Erst denken, dann essen!

Die wahrscheinlich wichtigste Botschaft: Glauben Sie nicht alles, was irgendwer Ihnen irgendwo über vermeintliche Nährstoffwunder erzählt. Fragen Sie Experten oder nutzen Sie das Internet, um diese Aussagen zu überprüfen. Wie viel Omega 3 enthält denn ein Löffel Acai-Beeren wirklich? Und ist das jetzt wirklich so viel mehr, als in einem Stück Meeresfisch steckt? Wie viel Vitamin C steckt in der Acerola-Kirsche? Und wie viel eigentlich im heimischen Apfel? Und um auf die Chia-Samen zurückzukommen: Sie sind reich an Ballaststoffen und Proteinen – genau wie Haferflocken.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch – ich finde es wunderbar, exotische Lebensmittel in den eigenen Speiseplan zu integrieren. Ich finde nur, dass der ganze Hype um vermeintliche Superfoods die Fakten über unsere Ernährungssituation etwas verzerrt. Es wird ein Bedarf suggeriert, der so gar nicht besteht. Wir sind ganz im Gegenteil in der luxuriösen Situation, uns täglich ausgewogen und nährstoffreich ernähren zu können – sogar ganz ohne Superfoods.

Bewusst genießen

Wer ergänzend aber dennoch ein paar Goji-Beeren knabbern oder seinen Smoothie mit etwas Chlorella-Algenpulver verfeinern möchte, der tut gut daran, sich gründlich über Hersteller, Lieferanten und Herkunftsland der gekauften Produkte zu informieren. Achten Sie auf entsprechende Siegel und lassen Sie sich nicht zur Schnäppchenjagt auf ominösen Internetseiten hinreißen.

Ganz in diesem Sinne werde auch ich mich mal an ein Päckchen Chia-Samen mit Bio- und Fair-Zertifikat wagen. Aber nicht wegen der Ballaststoffe, sondern weil ich es interessant finde, dass man angeblich mit einem Löffel eingeweichter Chia-Samen beim Backen ein Ei ersetzen kann. Ich bin gespannt…

3 Kommentare

  1. wenn es doch nur so einfach wäre mit dem Krebs , die vorgegebenen Ratschläge beachten und schon ist Krebs kein Thema mehrt,
    so einfach ist das wahre Leben jedoch nicht, selbst wenn man schon ewig nach diesen klugen Ratschlägen lebt, die Krankheit Krebs ist hinterhältig und schert sich gar nicht um ein gesundes Leben,
    ich bin das beste Beispiel und eine Menge Leidensgenossinnen habe ich bei meiner Kur kennengelernt,
    nie, nie nie geraucht trotzdem Lungenkrebs,
    das überstanden und in Sicherheit gewogen, nach 3Jahren Brustkrebs, das nun ein Jahr hinter mir aber mit den einfachen Ratschlägen kann man mich nicht mehr beruhigen, meine Freundin, 35 Jahre ist im vorigen Jahr an Brustkrebs gestorben………. immer gesund gelebt viel Bewegung kein Übergewicht usw.

    1. Sie haben natürlich völlig Recht: Wer gesund lebt, hat damit noch lange keine Garantie, auch sein Leben lang gesund zu bleiben. Aber wenn es auch keine Garantien im Leben gibt, dann doch wenigstens Chancen und Wahrscheinlichkeiten. Und die liegen durchaus in unserem Einflussbereich. Zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit, dass die eigene Gesundheit stabil bleibt. Weil ich sie wenig belaste oder eben viel dafür tue, sie zu erhalten. Ich kann nur jedem empfehlen, diese Chance auf Selbstbestimmung hinsichtlich der eigenen Gesundheit jeden Tag von Neuem wahrzunehmen. Und damit auch dann nicht aufzuhören, wenn es wie bei Ihnen gehörige Rückschläge auf dem Weg zu verkraften gibt.
      Ich wünsche Ihnen alles Gute und viel Kraft für Ihren weiteren Weg!

  2. Es ist gut, wenn jemand , in diesem Fall Iduna mit Patricia Crone, wissenschaftlich fundiert eine Hilfestellung gibt, welche man als Verbraucher/in gar nicht haben kann. Sie macht das von Berufs wegen und hat sicherlich mehr Möglichkeiten, Wissen und Fachliteratur als wir/ich.
    Danke für die Hilfe! Weiter so! Walter Bodmer

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