Self-Tracking – messe sich, wer kann!

Fitness-Tracker, Smartwatches, Wearables – der neue Trend des tragbaren digitalen Fitness-Coaches hält in so manchem Haushalt Einzug. Sie motivieren, schaffen Bewusstsein und können sogar medizinisch wertvoll sein. Nur übertreiben sollte man es natürlich nicht.

Und wieder ein Kollege, der nach dem Aufstieg in den dritten Stock hastig auf seine Uhr schaut – und noch einmal hinunter und wieder hinauf läuft. Inzwischen weiß ich, dass er weder zwangsneurotisch ist, noch die Zeit misst, in der er von seinem Büro in den Besprechungsraum gelangt. Er misst seine Schritte. Und seine Herzfrequenz. Und die gemeisterten Höhenmeter. Und noch einiges mehr, wenn ich recht informiert bin.

Kleiner Coach, große Datenmengen

„Self-tracking“ nennt man das. Hierbei erfasst der Nutzer diverse Daten von und über sich selbst und verfolgt deren Entwicklung. Natürlich mit dem Ziel, langfristig „besser“ zu werden. Den zu erfassenden Daten sind dabei nur wenige Grenzen gesetzt. Schrittzahl, verbrannte Kalorien, Höhenmeter, Gewicht, Blutdruck und Herzfrequenz aber auch Schlafqualität und -dauer, Blutzucker und Sauerstoffgehalt des Blutes können mit den entsprechenden Geräten gemessen und katalogisiert werden.

Wearable + Smartphone = Tracking-Team

Zum Erfassen und Verarbeiten dieser Daten werden grundsätzlich zwei Komponenten benötigt: das Messinstrument und das Gerät zur Datenspeicherung und –auswertung. Die Vielfalt an Messinstrumenten nimmt quasi täglich zu. Am häufigsten werden Fitnessarmbänder, Uhren und Clips getragen aber auch T-Shirts, Socken, Schuheinlagen, Kopfhörer, Stirnbänder und Brillen zeichnen mit entsprechenden Sensoren inzwischen die unterschiedlichsten Vitaldaten auf.

Die Analyse dieser Daten erfolgt meist über Apps auf dem Smartphone, wobei die Geräte per WLAN oder Bluetooth miteinander kommunizieren.

Was geht App?

Der Markt bietet heute bereits weit über 100.000 Fitness-Apps – und stetig kommen neue dazu. Die Verwendung solcher Apps stieg laut Marktforschungsinstitut Flurry allein 2014 knapp 70 %. Rund 40 % der Deutschen haben eine solche App auf dem Smartphone.

Giganten auf diesem Markt sind sicherlich die Joggingspezialisten fitbit und runtastic aber auch Adidas und Nike haben das Potenzial dieses Marktes erkannt und entsprechende Apps in den App-Stores platziert. Die Schweizer Firma Quentiq erweitert die Einsatzmöglichkeiten und präsentiert sich als Gesundheitsplattform für alle Arten von Sensordaten. Ähnlich offen ist das Angebot von Apple, das mit der „Health“-App die Bündelung aller möglichen (und unmöglichen) Messdaten in einer einzigen App gestattet. Einen Überblick empfehlenswerter Gesundheits-Apps finden Sie beim BKK Bundesverband unter www.gesunde-apps.de

Wer macht denn so was?!

Zugegeben: angefangen hat das Self-Tracking als eigentümliches Hobby einiger weniger „Nerds“ und Datenfreaks in den USA. Inzwischen kann man das Mitschneiden und Analysieren der eigenen Gesundheitsdaten durchaus als ausgewachsenen Trend bezeichnen. Knapp 13 % der Deutschen, also rund neun Millionen Menschen, nutzten 2014 laut Erhebungen des IT-Verbandes Bitkom sogenannte Fitness-Tracker, also Fitnessarmbänder, Uhren oder Clips. Und das ist eigentlich gar nicht so abwegig, wenn man mal genau darüber nachdenkt …

Gesundheit in Zahlen

Wir sollten täglich mindestens 1,5 Liter Wasser trinken, 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht zu uns nehmen, mehr als 10.000 Schritte tun, 8 Stunden schlafen, einen BMI von 22 halten und so weiter und so fort.

Die meisten Regeln für ein langfristig gesünderes Leben werden meist in Zahlen ausgedrückt. Und die kann man schließlich messen. Tracker können uns dabei helfen, diese Zahlen und damit unsere Gewohnheiten aufzuzeichnen, zu analysieren und zu optimieren. Und damit gesünder zu leben.

Eine Möglichkeit, die auch im medizinischen Bereich inzwischen in den Fokus des Interesses rückt. Hier könnten insbesondere chronisch erkrankte Menschen beispielsweise die elektronische Erregbarkeit des Herzens, den Blutzucker oder den Sauerstoffgehalt des Blutes messen und damit den eigenen Gesundheitszustand im Blick behalten.

Gute-Nacht-Geschichten

Die Messbarkeit geht über die wachen Stunden hinaus. Es gibt inzwischen unterschiedliche Möglichkeiten, die Tief- und REM-Schlafphasen zu erfassen. Beispielsweise durch Sensormatten, die unter die Matratze gelegt oder Stirnbänder, die im Schlaf getragen werden. Auch einige Fitnessarmbänder zeichnen bestimmte Daten während des Schlafens auf, die Aufschluss über Schlafqualität und –dauer geben oder sogar ein entspanntes, fittes Aufstehen versprechen, indem der Weckzeitpunkt auf eine Phase mit geringer Schlaftiefe gelegt wird.

Motivation & Tracking für Sportler

Hauptnutzer der Fitness-Tracker sind allerdings Sportler, die den eigenen Fitnesszustand und Trainingsfortschritt dokumentieren und sich effizient verbessern wollen. Entwicklungen können genau erkannt und mit entsprechenden Trainingsanpassungen optimiert werden.

Viele Nutzer motiviert das. Es spornt sie an, regelmäßig Sport zu treiben und sich mit den eigenen Daten oder anderen Nutzern zu messen. Bewegung wird bewusster – weil messbar. Für das Erreichen der eigenen Ziele wird man digital gelobt und damit zum regelmäßigen Dranbleiben motiviert. Dem wichtigsten Element für ein gesundes Leben.

Diese Motivationskraft wurde sogar im Rahmen eines Projektes der Nixdorf Stiftung untersucht und bestätigt. Die in diesem Falle übergewichtigen Patienten wurden in zwei Untersuchungsgruppen aufgeteilt: eine wurde mit Schrittzähler und einer 10.000-Schritt-Vorgabe ausgestattet, die andere musste Diät halten. Das Ergebnis: die „Tracker-Gruppe“ erfüllten die Bewegungsvorgaben gerne und mit Leichtigkeit und nahmen dabei weit schneller ab, als die hungernde Vergleichsgruppe.

Interessant für Unternehmen

Im Rahmen der Gesundheitsförderung bieten das Self-Tracking ebenfalls völlig neue Möglichkeiten. So können beispielsweise Stresssituationen per Herzfrequenzanalyse aufgedeckt und Mitarbeiter mithilfe individueller Bewegungsprofile daran erinnert werden, regelmäßige Bildschirmpausen einzulegen. Auch spielerische Wettbewerbe sind denk- und vor allem umsetzbar. Welche Niederlassung schafft die meisten Schritte im Monat? Welches Team hat den besten durchschnittlichen Ruhepuls? Die Möglichkeiten sind weit gesteckt, das Ergebnis – so wird gehofft – zufriedenere, fittere und gesündere Mitarbeiter.

Alles im Namen der Gesundheit. Oder?

Keine Frage: Das Self-Tracking hat auch seine Schattenseiten. Wie bei so vielen Dingen im Leben macht auch hier die Dosis das Gift. Wer nur noch in Zahlen lebt, verpasst das Leben. Wer wahnhaft nur noch nach Optimierung strebt, überfordert sich, ackert am gesunden Ziel vorbei. Und dann ist da auch noch der Datenschutz. Oder eben nicht. Die Daten der Nutzer werden von den Apps in die Cloud geschoben – damit sie auf allen Kanälen jederzeit abrufbar sind. Was aber genau mit den eigenen Daten passiert und wer auf welche Daten Zugriff hat, ist oftmals undurchsichtig. Hier lohnt sich ein Blick in die AGBs, bevor man seine Gesundheitsdaten preisgibt.

Fazit: Messe sich, wer will!

Wer Lust hat, sich besser kennenzulernen, zu vermessen und langfristig zu mehr Bewegung zu motivieren, der sollte sich ruhig einmal dem Self-Tracking zuwenden. Ob nun mit Armband, Clip oder Smartwatch hängt ganz vom gewünschten Einsatz ab. Wasserdicht oder nicht? Mit oder ohne GPS, integriertem Pulsmesser, Touchdisplay oder weiteren Funktionen? Sie entscheiden. Hauptsache, es macht Spaß!

4 Kommentare

    1. Je nach Leistungsumfang liegen die Kosten zwischen knapp 20,- Euro für einen einfachen Schrittzähler ohne Bluetooth und mehreren hundert Euro für etwas umfangreichere Modelle mit integriertem GPS, Herzfrequenzmesser, Bluetooth und Smartphonefunktionen, wie etwa das Lesen eingehender Nachrichten auf dem verbundenen Handy. Auf der Suche nach den kleinen Helfern sollten Sie inzwischen in so ziemlich jedem größeren Elektronikgeschäft aber auch bei gut sortierten Sportausstattern fündig werden. Der Vorteil gegenüber dem Internetkauf: Sie erhalten eine kompetente Kaufberatung und damit genau den Tracker, den Sie brauchen.

  1. Self-Tracking
    Die Idee ist an sich bekannt und praktikabel.
    Einen echten positiven Beitrag würde jedoch ein “günstiges” Angebot über
    die Signal/Iduna darstellen.
    Alles andere ist Information zu Seiten füllen

    1. Dieser Artikel soll unsere Leser dazu anregen, sich mit der Idee des Self-Trackings zu befassen. Einige haben, wie Sie sicherlich schon einmal von diesem Trend gehört. Andere wiederum lesen gerade das erste Mal davon. Als „Eingeweihter“ wissen Sie ja auch, wie vielseitig und -schichtig das Angebot an Trackern ist. Hier sollte sich jeder angehende Nutzer entsprechend informieren, welche Funktionen er für sich persönlich für sinnvoll erachtet. Wasserdicht oder nicht? Pulsmessfunktion? GPS? Touch-Display? Cloud-Dienst? Sicherlich könnten wir irgendeinen Tracker mit einem beliebigen Funktionsumfang anbieten, würden damit aber wieder nur einigen wenigen Lesern und Kunden gerecht werden. Also beschränken wir uns fürs Erste darauf, unsere Leser mit möglichst interessanten Informationen zu versorgen. Und sollten sich Nachfragen wie Ihre häufen, werden wir auch über die Auswahl eines möglichst universal einsetzbaren Tracker-Modells für unsere Kunden nachdenken. An dieser Stelle herzlichen Dank für die Anregung.

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