Ein Schlüsselerlebnis

Helau und Alaaf, die Narren sind los! Im Karneval herrscht der Ausnahmezustand. Überall wird gefeiert. Aber wenn im bunten Trubel Jacken und Taschen samt Wohnungsschlüssel abhanden kommen, ist ruckizucki Schluss mit lustig. Zur größten Spaßbremse wird dann oft der Schlüsseldienst.

“Wolle mer se rein lasse?”

Die Frage des Elferrats könnte auch gut das Motto der Türöffner-Branche sein. Wenn sie nur immer gleich kämen um zu helfen, wo Not am Schloss ist. An den Wochenenden, Feiertagen und nachts kann das Aufsperren nicht nur ganz schön lange dauern sondern auch richtig teuer werden.

Besonders im Karneval haben die Schlüsseldienste Hochkonjunktur. Und als ginge es einem nicht schon mies genug, nachts angeheitert vor verschlossener Tür – zum Heulen! – da lässt die schnelle Hilfe auf sich warten und die Sorge, überhöhte Preise zu zahlen, ist berechtigt. Vor allem unseriöse Schlüsseldienste lassen sich den Notfall gerne mehr als gut bezahlen. Dagegen haben wir was. Ein paar nützliche Tipps, die vor fieser Abzocke schützen können.

Schon mal vorab:

  1. suchen Sie besser heute als morgen nach einem Schlüsseldienst, bevor er wirklich dringend gebraucht wird. Am besten im eigenen Viertel.
  2. es sollte nicht der erstbeste Schlüsseldienst beauftragt werden sondern ein seriöses Unternehmen, das von Nachbarn oder Freunden empfohlen wurde.
  3. fragen Sie dort, ob es einen Notdienst gibt und wonach die Preise gestaffelt sind. Wenn alles ehrlich und transparent erscheint, lassen Sie sich zwei Visitenkarten geben.
  4. kleben Sie eine Karte für den Notfall in den Briefkastendeckel, die andere kommt in die Geldbörse. Die Telefonnummer im Handy zu speichern ist auch sehr hilfreich.

Wider den tierischen Ernst

Wenn rechtzeitig keine Gelegenheit war, nach einem vertrauensvollen Schlüsseldienst zu schauen, bleiben Sie gelassen. Mit den folgenden Tipps haben Sie alles im Griff:

  1. fallen Sie nicht auf Blender rein, die sich durch große Anzeigen im Branchenbuch oder durch drei A am Anfang des Namens eine vorteilhafte Platzierung im Telefonbuch verschaffen.
  2. schadet es nicht, gleich drei verschiedene Schlüsseldienste anzurufen und die Preise zu vergleichen. Achtung: bei manchen Anbietern ist eine Zentrale dazwischen geschaltet, die nicht ortsansässig ist und mitverdienen will.
  3. darf das Aufschließen (wenn kein Schlüssel von innen steckt) werktags nicht über 120 Euro kosten und nachts um die 50% mehr.  Am Wochenende ist mit einem Aufschlag von bis zu 150% zu rechnen. Wer keinen Preis nennt, ist nicht zu empfehlen.
  4. informieren Sie sich auch gleich am Telefon über die Zeiten: wann kommt der Handwerker, wie lange braucht er und was kostet seine Anfahrt? Wenn er nicht im näheren Umkreis ist, kann es unnötig teuer werden, weil er die Kilometerpreise in Rechnung stellt.
  5. kontrollieren Sie die Rechnung und unterschreiben Sie nichts, was Ihnen spanisch vorkommt. Auch nicht, unter Druck. In diesem Fall hilft auch die Polizei, denn per Gesetzt sind stark überzogene Preise verboten.
  6. fordern Sie zu viel gezahltes Geld zurück. Die  Verbraucherzentrale Berlin hat die Rechtsprechungen zum Thema übersichtlich aufbereitet und bietet auch ein Musterschreiben an.

Nicht nur zur Fastnachtszeit

Es ist immer gut, einen Zweitschlüssel bei einem Nachbarn zu deponieren. Selbst wenn dieser nachts kein Klingeln hören sollte, übernachten Sie besser bei Freunden und gelangen am nächsten Tag ganz unkompliziert in die eigene Wohnung.

Müsste sogar ein Zylinder in der Nacht oder am Wochenende getauscht werden, käme auf den eh schon hohen Preis noch ein Aufschlag von ca. 150%. Da lohnt sich sogar eine Übernachtung im Hotel. Am nächsten Morgen suchen Sie sich dann in aller Ruhe eine seriöse Firma (siehe Tipp 1 und 2).

Im besten Fall kommt Ihre Haftpflichtversicherung für einen Teil der Rechnung auf. Zum Beispiel bei Mietern, durch deren Schlüsselverlust die Schließanlage für den Gemeinschaftseingang gewechselt werden muss. Denn sie haben ja durch den Verlust einen Schaden am Eigentum eines anderen verursacht.

Auf jeden Fall lohnt es sich zu prüfen, ob Ihr Tarif eine solche Leistung vorsieht. Ein Angebot der SIGNAL IDUNA, das von der Stiftung Warentest für außergewöhnliche Leistungen mit „sehr gut“ bewertet wurde, schützt – je nach Tarif-Variante,  privat Haftpflicht Versicherte bei Verlust von Schlüsseln vor Schäden bis zu 50.000 Euro. Eine sehr beruhigende Option, falls auch der Generalschlüssel für die Räume Ihres Arbeitgebers am fehlenden Schlüsselbund hing.
In diesem Sinne: Vorbeugen ist besser als Bohren!

4 Kommentare

  1. Da stimme ich Ihnen voll und ganz zu. Die Situation hat sich weiter verschlimmert. Es gibt sehr viele schwarze Schafe im Schlüsseldienst Geschäft. Besser ist es wenn man sich wirklich im Voraus einen seriösen Schlüsseldienst in der Nähe sucht und die Nummer abspeichert.

  2. Ich gebe Murat da auch recht. Ein seriöser Schlüsseldienst ist immer ortsansässig und er spricht auch schon am Telefon über die Kosten der Türöffnung.

  3. Vielen Dank erst einmal für den hilfreichen Artikel. Ich leite selber einen Schlüsseldienst in Köln und habe schon seit Jahren mit den unseriösen “Kollegen” in dieser Branche zu kämpfen. Die Tricks dieser schwarzen Schafe sind oft sehr perfide und ausgefeilt.
    Mein Schlüsseldienst bietet eine Türöffnung beispielsweise zu einem Festpreis an. So hat der Kunde die komplette Preiskontrolle. Leider werden wir ehrliche Schlüsseldienste von den unseriösen Konkurrenten meist überschattet.

  4. Ganz wichtig zu erwähnen wäre dass man nach einem Festpreis fragt. Viele schwarze schafe unter denn Schlüsseldiensten schreiben oft groß über Ihre Anzeige “Schlösser ab €15”
    Klar, es gibt überall Schlösser ab €15, das bedeutet aber nicht das eine Türöffnung 15 Euro kostet. Das sind nämlich dann meist die Kandidaten, die ihren Kunden dann 300 oder 400 Euro für eine ganz normal zugezogen Türe abnehmen.
    Deswegen immer nach einem verbindlichen festen Endpreis fragen. Wer das nicht nennt will Sie über den Tisch ziehen.

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