Die beliebtesten Rentenirrtümer

Ich beschäftige mich tagtäglich mit Themen rund um die Finanzdienstleistungswelt und dennoch haben mich einige der folgenden Fakten überrascht. Ich freue mich geradezu darüber, Ihnen einige der verbreitetsten Irrtümer und Fehlglauben mitteilen zu können.

Denn besser heute ein überraschtes “Ach was?!” als später ein sorgenvolles “Hätte ich das bloß früher gewusst!”. In diesem Sinne: Bühne frei für die beliebtesten Irrtümer rund um die Rente.

“Ich werde bestimmt keine 90.”

Das vermuten etwa 8 von 10 Deutschen. Das Statistische Bundesamt ist da ganz anderer Auffassung: laut vorsichtiger Annahmen wird knapp die Hälfte aller heute 50-jährigen Frauen den eigenen 90. Geburtstag erleben. Bei den heute 30-Jährigen gilt das bereits für rund 56 %.

In diesem Zusammenhang möchte ich mit einem weiteren, zuerst logisch anmutenden Irrglauben ausräumen: Mit jedem Jahr, das Sie älter werden, sinkt Ihre verbleibende Lebenserwartung nicht etwa um ein Jahr, sondern sie steigt. Sie lesen ganz recht. Diese absurd klingende Tatsache beruht unter anderem darauf, dass bestimmte Gesundheits- und Unfallrisiken – beispielsweise im Straßenverkehr – in jüngeren Jahren höher sind. So können Sie sich zu jedem Geburtstag gleich doppelt beglückwünschen.

“Meine Vorsorge hat noch Zeit.”

Die Richtigkeit dieser Aussage nimmt mit zunehmendem Alter exponentiell ab. Oder etwas klarer formuliert: wer mit der Vorsorge wartet, verschenkt nicht nur Geld, sondern zahlt auch noch drauf. Denn während Spät-Vorsorger den Löwenanteil der angestrebten Rente selbst einzahlen müssen, kommen frühentschlossene Sparer in den Genuss des – vielerorts noch immer unterschätzten – Zinseszins-Effektes.

Hierbei werden die Zinsen reinvestiert, erhöhen die Geldanlage und generieren ihrerseits Zinsen. Dieses Prinzip lässt das Vermögen exponentiell und nicht mehr nur linear wachsen. Wichtigster Faktor in dieser Rechnung ist die Zeit. Was ein 20-Jähriger mit regelmäßigen monatlichen Zahlungen von knapp 50,- Euro erreicht, kostet ihn mit 40 Jahren bereits über 120,- Euro und mit 50 schon 230,- Euro. Das Durchschnittsalter für den Abschluss einer privaten Rentenversicherung liegt übrigens laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V., kurz GDV, bei rund 38 Jahren.

Fazit: Sofern Sie nicht gerade unter 20 sind, sollten Sie Ihre Vorsorgebemühungen nicht auf die lange Bank schieben. Schon gar nicht in Zeiten der Niedrigzinsen, die ihrerseits den Zinseszins-Effekt zusätzlich schmälern.

“So lange muss die Rente ja nicht halten.”

Zu dieser Milchmädchenrechnung ein paar realistische Zahlen: Wer mit 20 anfängt zu arbeiten und mit 60 in den Ruhestand geht, hat immerhin 40 Jahre in die Rentenkassen einbezahlt. Das sollte doch reichen? Mit nichten. Denn von diesen Beiträge müssen Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit die verbleibenden 30 Jahre leben.

Hier bieten private Rentenversicherungen die einzig sichere Lösung in Form garantierter lebenslanger Rentenzahlungen. Ob nun als staatlich geförderte Riesterrente, mit zusätzlicher Hinterbliebenenabsicherung oder mit weiteren individuellen Zusatzoptionen.

“Armut ist in Deutschland kein Thema.”

Leider doch. Selbst im “reichen Deutschland” leiden immer mehr Rentner unter Altersarmut. Innerhalb der vergangenen 10 Jahre stieg die Zahl der Menschen ab 65 Jahren, die auf eine Grundsicherung angewiesen sind, um beinahe die Hälfte an. Besonders vom Altersarmutsrisiko bedroht sind Frauen, die weit häufiger als Männer zugunsten der Kinder pausieren oder nur Teilzeit arbeiten und damit weniger Rentenansprüche erwirtschaften. 2013 galten in Deutschland 17 % der Frauen und 13 % der Männer ab 65 Jahren als armutsgefährdet.

Die Politik steuert gegen. Mit einer Mütterrente, die Kindererziehungszeiten besser honorieren soll. Mit abschlagsfreier Rentenzahlung ab 63 für bestimmte Personengruppen. Mit einer höheren Erwerbsminderungsrente sowie einer schrittweise Erhöhung von Reha-Leistungen.

Dies ist allerdings nicht der Zeitpunkt, sich auf die Bemühungen des Staates zu verlassen. Alle, die sich einen angenehmen Lebensstandard auch im hohen Alter sichern möchten, müssen selber ran. Das mag für einige ein alter Hut sein. Für andere allerdings könnte es die gerade rechtzeitig aufgetauchte Kappe der Erkenntnis bedeuten. Wenn Sie sich jetzt über Vorsorgemöglichkeiten informieren möchten, schauen Sie doch hier vorbei. In diesem Sinne: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt!

1 Kommentar

  1. ich habe das Glück seit meinem 15. Lebensjahr bis zum 65. für die Bundesrepublik als Beamter gearbeitet zu haben, d.h. ich brauche keine Zusatzrente.

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