Lust auf Pilze – aber bitte mit Vorsicht!

Da ist die Pilz-Saison gerade erst eröffnet und schon gibt es eine Vergiftung nach der anderen. Sammler aufgepasst, hier gibt es einige grundlegende Informationen, die Ihr Leben retten könnten.

Ich bin ganz ehrlich: Ich liebe Pilze! Champignons, Pfifferlinge, Kräuterlinge und selbst die glitschigen Shiitake-Pilze. Deshalb ist es mir natürlich nicht entgangen, dass sich bereits im Juni die ersten knolligen Kollegen im feuchten Schatten der Mischwälder tummelten. So unauffällig, köstlich und geradezu unschuldig. Dabei haben es einige dieser kleinen Tiefstaplerknollen richtig in sich. Wer im Dämmerlicht nicht richtig hinsieht oder sich vorab nicht gut informiert hat, läuft Gefahr, sich einen giftigen Pilz ins Körbchen zu mogeln. Und sich selbst damit in Lebensgefahr zu begeben.

Extremer Anstieg der Pilzvergiftungen

Das Giftinformationszentrum (GIZ) Nord in Göttingen teilte kürzlich mit, dass die Zahl der Pilzvergiftungen in diesem Sommer extrem angestiegen sei. Bereits im Juni hatte das GIZ bereits knapp 50 Verdachtsfälle auf Pilzvergiftungen registriert. Der Juli brachte rund 130 Anfragen zu Pilzvergiftungen, was etwa doppelt so viel ist, wie in den vergangenen Jahren. Ein gefährlicher Trend, der sich auch im August weiter fortsetzte. Auch schwere Vergiftungen durch den giftigsten Pilz Deutschlands, den Knollenblätterpilz, waren dabei, bislang zum Glück ohne tödlichen Ausgang.

Schlaue Sammler machen sich schlau!

Der warme aber verregnete Sommer bietet Pilzen ideale Bedingungen zum Sprießen. Sorgen Sie Ihrerseits für ideale Bedingungen, indem Sie sich richtig informieren, bevor Sie sich mit Ihrem Sammelkörbchen auf den Weg machen. Zu Ihrer eigenen Sicherheit.

Informieren Sie sich auf Pilz-Lehrwanderungen, schauen Sie vorab entsprechende Lehrfilme und nehmen Sie ein Bestimmungsbuch mit auf Ihre erste Sammel-Expedition. Vergessen Sie nicht, dass einige Pilze sich sehr ähnlich sehen.

Pilze des Waldes, wir kommen!

Sie wissen, was Sie sammeln dürfen und was nicht? Dann kann es ja losgehen. Für Ihren Pilzbummel benötigen Sie

  • Korb oder Eimer
  • kleines Küchenmesser
  • Bestimmungsbuch
  • angemessene Kleidung

Sobald Sie den Pilz Ihrer Wünsche gefunden (und auch sicher als solchen identifiziert) haben, schneiden Sie ihn einige Zentimeter über dem Boden mit einem geraden Schnitt ab. Ganz junge und ganz alte Exemplare lassen Sie stehen. Die gesammelten Pilze sollten Sie sofort grob reinigen und in Ihren Sammelbehälter verfrachten, wo sie locker liegen und nicht gequetscht werden.

Beliebte Sammlerexemplare

Als kleinen Crash-Kurs für Ihre baldige Sammler-Tour haben wir die beliebtesten und begehrtesten Speisepilze für Sie zusammengetragen. Inklusive bester Sammelzeit und ungenießbarer (oder gar giftiger) Doppelgänger.

Steinpilz (Juli bis November)

Den unangefochtenen Star unter den Sammelpilzen finden Sie meist ab Spätsommer in Nadel- oder Mischwäldern. Der kräftige, dickfleischige Pilz hat einen bauchigen, hellen Stiel, auf dem ein 8–30 cm großer Hut sitzt. Dieser ist dick und polsterförmig gewölbt, bei jungen Exemplaren hellbraun, später dunkelbraun. Auch die zunächst weißen Röhren auf der Hutunterseite verfärben sich mit zunehmendem Alter gelblich bis olivgrün. Das weiße Fleisch (das sich an den Schnittstellen nicht verfärbt) schmeckt nussig.

ACHTUNG:

Vor allem junge Steinpilze kann man leicht mit dem Gallenröhrling verwechseln. Dieser ist zwar nicht giftig aber extrem bitter. Ein Fehlgriff genügt, um ein ganzes Essen ungenießbar zu machen.

Marone (Juni bis November)

Wo sie eine Marone entdeckt haben, da werden Sie schnell etliche finden. Denn der Maronen-Röhrling, auch Braunkappe genannt, steht gern in Gruppen, am liebsten in Nadelwäldern unter Fichten und Kiefern. Der braune Hut ist bei jungen Maronen halbkugelig und nimmt später eine flach gewölbte Form an. Die erst weißlichen, später gelblichen oder olivgrünen Röhren färben sich auf Druck bläulich, ebenso die Schnittkanten des sonst weiß-gelblichen Fleisches. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal der Marone zum Steinpilz ist die fehlende Netzzeichnung am Stiel.

ACHTUNG:

Ältere Maronen sind leider oft wurmstichig.

Pfifferling (Juni bis Oktober)

Gute Chancen auf diesen köstlichen Pilz haben Sie nach heißen, schwülen Tagen in Laub- und Nadelwäldern, meist im Moos unter Fichten und Kiefer oder aber unter Buchen und Eichen. Erst hell und später oft dottergelb nimmt der bis zu 12 cm breite Hut mit zunehmendem Alter eine trichterartige Form an. Auf der Unterseite des Hutes sind dicke gegabelte Leisten zu finden, die in einem 3–8 cm langen Stiel münden. Typisches Erkennungsmerkmal ist das helle, feste Fleisch mit fruchtigem, aprikosenartigem Duft.

ACHTUNG:

Es besteht Verwechslungsgefahr mit dem „Falschen Pfifferling“, dessen Verzehr Verdauungsstörungen auslösen kann. Die Färbung des Falschen Pfifferlings geht allerdings mehr ins Orange.

Speise-Morchel (April bis Mai)

Die würzigen und eiweißreichen Morcheln gedeihen vornehmlich an feuchten Standorten wie Auwäldern oder entlang von Wasserläufen, oft unter Eschen. Stiel und Hut der 3–12 cm (in Einzelfällen aber auch bis zu 30 cm) hohen Morcheln sind hohl. Die rundlichen Fruchtkörper sind graugelb bis dunkelbraun mit helleren Rippen. Der Hut ist durch wabenartige, unregelmäßige Kammern gekennzeichnet.

ACHTUNG:

Es besteht Verwechslungsgefahr mit der Frühjahrsmorchel. Diese ist hochgiftig und kommt eher in sandigen Nadelwäldern vor.

Waldchampignon (September bis Oktober)

Der mild süßlich schmeckende Waldchampignon wächst vornehmlich im Nadelstreu von Fichten oder anderen Nadelhölzern, fühlt sich aber auch unter Buchen und Eichen sowie in Gärten und Parks wohl. Der hellocker gefärbte Hut ist mit bräunlichen Schüppchen bedeckt und kann einen Durchmesser von bis zu 10 cm erreichen. Der etwas hellere Stiel wird bis zu 8 cm lang ist feinfaserig und läuft bei Verletzung rot an. Die anfangs blassrosa gefärbten Lamellen auf der Unterseite des Hutes färben sich später dunkelbraun bis schwarz und berühren den Stiel nicht. Ebenso wie der Stiel verfärbt sich auch das eigentlich weiße Fruchtfleisch an der Schnittkante sofort rot, später braun.

ACHTUNG:

Es besteht Verwechslungsgefahr mit dem hochgiftigen Knollenblätterpilz, auf dessen Konto gut 90 % aller tödlichen Pilzvergiftungen in Deutschland gehen. Gutes Unterscheidungsmerkmal: Die Lamellen auf der Hutunterseite sind beim Knollenblätterpilz weiß oder blassgrün.

Bei Symptomen: Giftnotruf!

Treten innerhalb von bis zu zehn Tagen nach dem Verzehr Ihrer selbst gesammelten Pilze Symptome auf, rufen Sie sofort den Giftnotruf. Das Giftinformationszentrum Nord berät rund um die Uhr: (0551) 192 40

Bei diesen Symptomen sollten Sie hellhörig werden:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Verstärkter Speichelfluss
  • Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • Schweißausbrüche
  • Schwindel
  • Verwirrtheitszustände, Wahrnehmungsstörungen, Halluzinationen
  • Atembeschwerden und Luftnot
  • Herzrasen
  • Kreislaufprobleme

ACHTUNG:

Meistens treten die Symptome einer Pilzvergiftung innerhalb von 4 Stunden nach dem Verzehr auf. Einige schwere bis lebensbedrohliche Vergiftungen verursachen allerdings erst nach 8 Stunden oder mehreren Tagen Beschwerden.

Im Zweifel: Stehen lassen!

Sollten Sie sich auch nur einen Hauch unsicher sein, lassen Sie den Pilz einfach stehen und suchen Sie nach anderen, für Sie eindeutig identifizierbaren Exemplaren. Gehen Sie kein Risiko ein! Ich wünsche sicheres Sammeln und Genießen!

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Bitte beachten Sie, dass Kommentare erst nach Bearbeitung und Freischaltung veröffentlicht werden. Ihre E-Mail-Adresse wird hier nicht veröffentlicht und nur für die Kommunikation zu diesem Blog verwendet.