Gemeinsame Auszeit für alle!

Eine pflegebedürftige Person zu Hause zu betreuen, ist sehr anstrengend. Umso wichtiger, auch mal Urlaub zu machen. Und zwar für alle – am besten gemeinsam.

Christian kommt nicht mehr. Zu keinem Essen, zu keinem Ausflug, gar nicht mehr. Mein guter alter Freund ist von der Bildfläche verschwunden. Der Grund: Seit gut drei Jahren pflegt er gemeinsam mit seiner Frau seinen Vater. Rund um die Uhr. Inzwischen geht Christian auf dem Zahnfleisch. Dieser Artikel ist für ihn. Weil er und seine Frau dringend Urlaub brauchen. Sein Vater freut sich bestimmt auch über einen Tapetenwechsel aber noch viel mehr über seinen nicht mehr so erschöpften Sohn.

Häusliche Pflege steht hoch im Kurs

Christian steht mit seiner Erschöpfung nicht alleine da. Rund 4,7 Millionen Menschen in Deutschland betreuen laut Robert Koch Institut regelmäßig eine pflegebedürftige Person. Die wenigsten wissen, dass es besondere Urlaubsangebote gibt, die Menschen mit Pflegegrad mit einbeziehen: Pflegeurlaub.

Pflegeurlaub: Gemeinsam erholen

Pflegeurlaub bedeutet nicht immer nur die Freistellung vom Arbeitsplatz, wenn man sich um einen pflegebedürftigen Angehörigen kümmert, sondern auch gemeinsam mit dem Pflegebedürftigen zu verreisen.

Der Pflegeurlaub kann dann erholsame Ferien mit einem professionellen Pflegeangebot je nach Bedarf verbinden. Der Tapetenwechsel tut allen gut, der Pflegende wird entlastet, die Pflegebedürftigen professionell betreut.

Je nach Pflegegrad ist es nicht immer einfach, ein passendes Angebot zu finden. Wo für den einen ein barrierefreies Zimmer mit Fahrstuhlzugang, absenkbaren Betten und behindertengerechter Dusche und Toilette ausreicht, benötigt der andere eine komplette Betreuung, vielleicht sogar eine Spezialisierung auf Demenzkranke. Aber diese Angebote gibt es z. B.  an der Ostseeküste.

Checkliste für den Pflegeurlaub

Bevor Sie den gemeinsamen Urlaub antreten, gilt es einiges zu beachten:

  • Informieren Sie sich
    Sammeln Sie sich entweder alle Informationen im Internet zusammen oder lassen Sie sich kompetent beraten, beispielsweise von Ihrem Pflegedienst, der Sozialstation, einem Pflegestützpunkt oder einem Anbieter für Spezialreisen.
  • Entscheiden Sie gemeinsam
    Besprechen Sie mit allen Beteiligten, welcher Urlaubsort der richtige sein könnte und welche Erwartungen jeder hat. Bedenken Sie auch klimatische Rahmenbedingungen.
  • Klären Sie die Kostenübernahme
    Beantragen Sie Leistungen bei der Pflegekasse, bzw. der Zusatzversicherung des Versicherten rechtzeitig vor dem Urlaub.
  • Planen Sie gründlich
    Stellen Sie sicher, dass am Urlaubsort die nötige Pflege und Betreuung geleistet werden kann – auch im Notfall. Außerdem sollten Sie folgende Punkte klären:

    • Gibt es einen An-/Abreise-Service
    • Ist die Ausstattung barrierefrei?
    • Entspricht die Ausstattung den individuellen Bedürfnissen? (Pflegebetten, Aufrichthilfen, Patientenlifter, …)
    • Sind benötigte Hilfsmittel verfügbar? (Evtl. leihweise)
    • Befindet sich geschultes Pflegepersonal vor Ort?
    • Stimmt die Balance aus Pflege und Urlaub?
    • Gibt es gemeinsame Veranstaltungen für Pflegende und Pflegebedürftige?
    • Wird Kurzzeit- oder Tagespflege angeboten, damit der Pflegende etwas allein unternehmen kann?
    • Wird Ergo- oder Physiotherapie angeboten?
    • Suchen Sie den direkten Kontakt mit dem gewünschten Anbieter. Die meisten Fragen lassen sich am besten persönlich klären, wobei Sie sich zur Sicherheit und für eventuelle Regressansprüche alle Informationen auch schriftlich geben lassen sollten.

Geeignete Urlaubsziele

Ganz generell kann man sagen: Fahren Sie hin, wo es Ihnen gefällt. Wobei Flugreisen natürlich noch einmal ganz spezielle, teils unüberwindbare Herausforderungen darstellen. Aber auch in Deutschland gibt es eine reiche Auswahl an Pflegehotels. Da dieser Begriff nicht geschützt ist, sollten Sie immer ganz genau nachfragen, welche Angebote und Ausstattungen vorhanden sind.

Und wer zahlt das alles?

Die Kosten eines solchen Urlaubes können teilweise von der gesetzlichen Pflegeversicherung getragen werden. Hierzu müssen Sie die sogenannte Verhinderungspflege beantragen und die Kosten nachweisen. Wie viel im Einzelfall übernommen wird und was letztlich aus eigener Tasche gezahlt werden muss, hängt vom Pflegegrad, in Anspruch genommenen Leistungen und vielen weiteren Faktoren ab.

Sicher ist: Gute Betreuung und kompetente Pflege kosten Geld. Und zwar mehr, als die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt. Das gilt für den Pflegeurlaub ebenso, wie für den Pflegealltag. Ich komme daher nicht drum herum, an dieser Stelle eine deutliche Empfehlung für den Erhalt der eigenen finanziellen Selbstbestimmtheit auszusprechen. Oder kurz: für eine private Pflegezusatzversicherung.

Ob Christians Vater eine hat kann ich leider nicht sagen. Aber ich hoffe es für ihn – und wünsche einen erholsamen Urlaub!

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