Trautes Heim, Unglück allein – wenn Nachbarn nerven!

Von links lärmt der Rasenmäher, von rechts die all-samstägliche Gartenparty. Das nervt! Wir verraten Ihnen, warum uns so etwas Angst macht und was Sie gegen das Lärmen der lieben Nachbarn unternehmen können.

Heilige Komfortzone

Martha P. wohnt seit über 10 Jahren in ihrer traumhaft geschnittenen Eigentumswohnung eines Vierfamilienhäuschens in der Nähe von Hamburg. Nicht mitten in der Stadt aber auch nicht zu weit draußen mit direkter Bahnanbindung. Die Nachbarn im Haus sind genau wie Martha selbst ruhig und ordentlich. Man kennt sich, man grüß sich, man mag sich und man lässt sich. Harmonisch eben. Ihr Zuhause ist Marthas Heiligtum. So geht es vielen Menschen, die innerhalb der bewusst gewählten, gehegten und gepflegten Komfortzone ein Leben nach den eigenen Maßstäben von Ruhe und Gemütlichkeit führen möchten. Doch dann kommt es leider oft anders.

Der Störenfried wohnt mit

Der Großteil der deutschen Bevölkerung wohnt in unmittelbarer Nähe von Nachbarn. Und genau hier fangen die Probleme an: Andere Menschen, andere Ansichten. Und sofern diese sich beispielsweise auf die Annehmbarkeit von Lärm, das Ausmaß und die Frequenz von Feierlichkeiten oder aber auf die Auslegung von Sauberkeit und Ordnung beziehen, führen diese unterschiedlichen Ansichten schnell zu Konflikten.

Genau wie bei Martha, deren direktes Nachbarhaus bislang eine Tagespflegeeinrichtung beherbergte. Hier ging alles in ähnlich ruhigen und geordneten Bahnen zu, wie im eigenen Haus. Bis vor etwa vier Wochen, als die Pflegeeinrichtung aus- und eine kleine Gruppe junger Leute einzog. Erst drei, dann fünf, dann acht, nun elf. Elf Personen, die auf rund 120 m2 plus (ehemals) lauschigem Garten leben. Schlafen, reden, lachen, telefonieren, rauchen, kochen, fernsehen, sich streiten und – ab und an auch gerne einmal musizieren. Martha ist am Boden zerstört. Sie schläft schlecht, macht immer häufiger Fehler bei der Arbeit und wird zunehmend von Ängsten und Sorgen geplagt.

Bedrohung der inneren Sicherheit

Unser Zuhause ist meist das äußere Zentrum unserer sogenannten Komfortzone. Unserem inneren Wohlfühl-Bereich, wenn Sie so wollen, in dem wir uns bewegen, wenn alles seinen gewohnten Gang geht, keine Überraschungen oder Herausforderungen auf uns warten, wo wir uns erholen und Kraft tanken. Kraft für die Momente, in denen wir beschließen, unsere Komfortzone zu verlassen. Um sie zu erweitern, zu lernen und uns weiter zu entwickeln. Den Übergang in diesen auch „Lern- und Wachstumszone“ genannten Bereich erkennen wir an einem latenten Unwohlsein, Bauchkribbeln, Lampenfieber, vielleicht sogar Ängstlichkeit. Das ist normal und gesund.

Stürzen wir uns allerdings zu schnell zu weit heraus oder werden wir gezwungen, unsere Komfortzone zu verlassen, wird aus Unwohlsein Angst oder sogar Panik. Man erreicht die Panikzone.

panikzone

Wozu dieser Ausflug in die Entwicklungspsychologie? Ganz einfach. Dieses kleine Modell erklärt, warum es uns so fürchterlich belasten kann, wenn Nachbarn unsere Komfortzone bedrohen. Wir bekommen es mit der unangenehmsten aller Regungen zu tun: der Angst. Und zwar ganz konkret und essentiell mit der Angst um unsere (innere) Sicherheit.

Lärm ist Streit-Spitzenreiter

Knapp 20 % der Deutschen fühlen sich laut statista stark durch Lärm in der Nachbarschaft belästigt. So geht es auch bei rund jedem dritten Nachbarschaftsstreit genau darum: um Krach, sei es vom Rasenmäher, der Trompete der Kinderschar oder der Stichsäge. Fühlen wir uns in unserer (Seelen-)Ruhe gestört, bleibt nur noch eines: schnell und entschlossen handeln. Aber wie?

Aller erster Schritt: Die freundliche Ansprache                                                

Der erste und wichtigste Schritt sollte zur Quelle des Lärms führen. Nämlich zum freundlichen Gespräch mit dem Urheber, der sich übrigens nur selten seines Lärmens bewusst ist. Klären Sie ihn darüber auf, dass Sie sich von dem Lärm belästigt fühlen und bitten Sie ihn, gemeinsam eine Lösung zu finden. Vielleicht lässt sich der Geräuschpegel reduzieren oder auf bestimmte Zeiten beschränken.

Mieter wenden sich an die Verwaltung

Im Falle lärmender Nachbarn in einem Mietshaus hat der Vermieter Abhilfe zu schaffen. Melden Sie als Mieter die Lärmbelästigung entweder der Hausverwaltung oder direkt dem Eigentümer.

Bei anhaltendem Lärm Miete mindern

Behebt der Vermieter die Belästigung durch Nachbargeräusche nicht innerhalb einer gesetzten Frist, kann die Miete gemindert werden. Bis zu 20 % Minderung sind bei anhaltender Ruhestörung möglich. Hierfür benötigen Sie allerdings mehr als bloße Behauptungen. Führen Sie über einen Zeitraum von mindestens vier Wochen ein Lärmprotokoll, in dem Sie Datum, Dauer und Häufigkeit der Störung dokumentiert. Es hilft darüber hinaus, wenn Zeugen Ihr Protokoll per Unterschrift bestätigen.

Im akuten Fall die Polizei rufen

Bleibt es trotz freundlichem Hinweis beispielsweise während der Ruhezeiten laut, können Sie zum Zeitpunkt der Lärmbelästigung die Polizei rufen. Diese wird zunächst mit Nachdruck an die Einhaltung der Zimmerlautstärke erinnern, kann aber später auch Bußgelder verhängen.

Ein Mediator kann helfen

Eine sinnvolle Lösung, um Streit aus der Welt zu räumen ohne gleich vor Gericht zu ziehen, ist die Mediation. Hier hilft ein Mediator den Parteien dabei, ein besseres Verständnis der beiden Seiten füreinander und schließlich eine für alle Seiten annehmbare Einigung zu finden.

Letzte Instanz: die Klage

Jeder, der sich durch Lärm des Nachbarn beeinträchtigt fühlt, hat das Recht, beim Bezirksgericht auf Unterlassung des störenden Verhaltens zu klagen. Hierbei berufen Sie sich auf Ihr Recht, Ihren Besitz oder Ihr Eigentum uneingeschränkt und ohne die Beeinträchtigung durch ortsunüblichen Lärm nutzen zu können. In solchen Verfahren entscheidet in der Regel ein Sachverständiger nach entsprechenden Messungen, ob eine solche Beeinträchtigung vorliegt.

Bitte bedenken Sie, dass es bei einer solchen Klage im Prinzip keine Gewinner gibt. Oftmals läuft es nämlich so: Nachdem viel Zeit, Nerven und Geld investiert wurden, bekommt der eine Recht, woraufhin der andere sich sogleich überlegt, womit er es dem einen heimzahlen kann. Mit Gemütlichkeit und nachbarschaftlicher Harmonie hat das nichts zu tun.

Achtung: Beschwerdefrist!

Wie gesagt: eine Klage ist sicher nicht immer die beste Lösung. Ausdauernde Genügsamkeit allerdings auch nicht. Denn nehmen Sie eine regelmäßig wiederkehrende Lärmbelästigung über einen Zeitraum von drei Jahren unwidersprochen hin, besteht sozusagen Gewohnheitsrecht für den Lärmenden. Sie haben dann keine Möglichkeit mehr, auf Unterlassung des störenden Verhaltens zu klagen.

Lernen und wachsen – Martha macht’s vor

In Marthas Fall bewährten sich bereits die ersten Schritte, die sie direkt in den angrenzenden Garten führten, in dem gerade mal wieder fröhlich und lautstark gegrillt wurde. Nach nur wenigen Sätzen hatte sie nicht nur eine dampfende Grillwurst vor sich auf dem Teller, sondern auch die Zusage der Anwesenden, sich in Zukunft etwas weniger geräuschintensiv zu verhalten. Sie einigten sich auf Ruhezeiten und vereinbarten, dass Rauchereck und Grillplatz von dem Fleckchen Erde direkt unter Marthas Balkon in den seitlichen Garten verlegt würden. Dafür würde Martha ihr Fahrrad nicht mehr in der Einfahrt abstellen, damit der VW-Bus der jungen Leute künftig besser durch die Einfahrt passt.

Puh. Martha war mehr als erleichtert, dass dieses Gespräch so gelaufen war. Sie hatte zuvor richtig Bauchschmerzen gehabt und sich schon beim Frühstück mit dem Gedanken an das abendliche Vorhaben herumgeschlagen. Jetzt hingegen erleichterte sie der Gedanken, dass sie einfach kurz drüben klingeln oder vom Balkon hinüberrufen konnte, falls es ihr doch mal wieder zu laut werden sollte. Das nennt man dann wohl Komfortzonenwachstum. Gratulation!

4 Kommentare

  1. Naiv! Trotz Niederschlag durch meinen Nachbarn und anschließendem Wohnungseinbruchsversuch stellte die Staatsanwaltschadt das Verfahren ein. Es gilt Täterschutz – dem Opfer raten Profis vom Kriminaldirektor bis MdL auszuziehen…

    1. Lieber Herr Wengert,
      das ist natürlich eine sehr unangenehme Geschichte, die Ihnen da passiert ist. In solchen Extremfällen gibt es sicherlich nicht mehr viele Lösungsmöglichkeiten, da stimmen wir Ihnen zu. In weniger drastischen Fällen oder eben zur Vermeidung solcher sind erst einmal sicherlich einige andere Lösungsversuche angeraten. Alles Gute für Sie!

  2. Hallo Zusammen, ich habe dass Gefühl, und seit zwei Wochen auch die Sicherheit, dass bei meiner Abwesenheit jemand in meiner Wohnung ist. In dem Haus wohnt lediglich mein Vermieter mit seiner Familie und ich. Diese wussten auch, dass ich an dem WE des Vorfalls nicht im Hause bin. Der Vermieter hat auch einen Wohnungsschlüssel von mir. Ich habe ihn darauf angesprochen und er meinte nur, dass dies wohl Fremde gewesen sind. Beweise habe ich nur in soweit, dass 7 Dinge während meiner Abwesenheit sich in meiner Wohnung verändert hatten.
    Was kann ich tun? So richtig wohl fühle ich mich in dieser Wohnung nicht mehr. Ein Alternative gibt es leider nicht.
    Vielen Dank für Ihre Rückmeldung.

    1. Hallo,
      dass Sie sich bei einem solchen Verdacht nicht so recht wohl fühlen, ist verständlich. Ist doch das eigene Zuhause der sicher geglaubte Rückzugsort. Eine Möglichkeit der „Entlarvung“ des Eindringlings läge in der Installation kleiner Raumkameras. Diese verfügen oftmals über Bewegungssensoren und zeichnen auf, sobald sie eine Bewegung im eingestellten Blickfeld registrieren. Eine andere Möglichkeit wäre, den Schlüssel zu Ihrer Wohnung vom Vermieter einzufordern. Dieser hat kein Recht, sich unangekündigt Zutritt zu Ihrer Wohnung zu verschaffen. Auch das Einbehalten eines Wohnungsschlüssels ist laut dieses Artikels (https://www.advocard.de/streitlotse/mieten-und-wohnen/einlass-zu-den-eigenen-vier-waenden-freifahrtschein-fuer-vermieter/) nicht rechtens. Spiegel online (http://www.spiegel.de/wirtschaft/irrtuemer-im-mietrecht-was-duerfen-mieter-und-vermieter-a-849404.html) schreibt darüber hinaus, dass Sie sogar auf Kosten des Vermieters das Schloss auswechseln lassen dürfen, wenn dieser sich weigert, Ihnen alle Schlüssel auszuhändigen.

      Wir hoffen, Sie finden eine friedliche Lösung und fühlen sich bald wieder wohl in Ihrem Zuhause!

Schreibe einen Kommentar zu Werner J. Wengert Antworten abbrechen

Bitte beachten Sie, dass Kommentare erst nach Bearbeitung und Freischaltung veröffentlicht werden. Ihre E-Mail-Adresse wird hier nicht veröffentlicht und nur für die Kommunikation zu diesem Blog verwendet.