Vorsicht vor Wechselwirkungen von Arznei- und Lebensmitteln!

Antibiotika und Milch, Paracetamol und Alkohol, Statine und Grapefruitsaft – was haben diese Kombinationen gemeinsam? Richtig: Sie sollten sie dringend vermeiden. Denn zusammen eingenommen entfalten sie teils lebensbedrohliche Wechselwirkungen.

Beherzt spülte ein Kollege am Tisch gegenüber heute Mittag einige Tabletten mit einem Glas Grapefruitsaft hinunter. Ich konnte nur erstaunt die Augenbrauen heben und inständig für ihn wünschen, dass es weder Schmerz-, noch Herztabletten waren. War das jetzt übersteigerte Risikofreude oder Unwissenheit, fragte ich mich stillschweigend, wollte aber auch keinesfalls den Schlaumeier mimen.

Zum Glück habe ich das Blog, um wenigstens der Möglichkeit der Unwissenheit entgegenzuwirken. Nicht nur bei diesem speziellen Kollegen, sondern bei allen interessierten Lesern. Denn neben Grapefruitsaft gibt es noch einige weitere Nahrungsmittel, die in Kombination mit bestimmten Medikamenten problematische Wechselwirkungen erzeugen.

Die üblichen Verdächtigen

Beschäftigt man sich einmal mit diesem Thema, stößt man auf so viele ungünstige Kombinationen, dass es einem ganz schwindelig werden kann. Einige Lebensmittel reagieren besonders gern mit den unterschiedlichsten Medikamenten und Wirkstoffen, weshalb ich Ihnen diese als einzelne Verdächtige vorstellen möchte, die Sie generell bei der Einnahme von Medikamenten meiden oder gänzlich weglassen sollten.

Alkohol – Störenfried Nummer eins

Der universale Übeltäter, der ganz allein schon Schwerstarbeit für unseren Organismus bedeutet, uns das Leben in Kombination mit diversen Medikamenten allerdings gleich doppelt schwer macht. Wer Schlaf- oder Beruhigungsmittel, Antidepressiva oder andere Psychopharmaka oder auch „nur“ Paracetamol nimmt, sollte Alkohol konsequent weglassen.

Denn Alkohol verändert den Stoffwechsel insofern, als dass die in den Medikamenten enthaltenen Wirkstoffe langsamer abgebaut werden und sowohl länger, als auch stärker wirken können. Dies kann zu einer extremen Dämpfung des zentralen Nervensystems, im Extremfall sogar zu Atem- oder Herzstillstand führen.

Auch Vergiftungen sind möglich, da die Leber von dieser Kombination schlichtweg in ihrer Entgiftungsfunktion überfordert wird.

Auch bei bestimmten Antibiotika ist Vorsicht geboten: schon geringe Alkoholmengen können zu „Flush-Reaktionen“ wie Übelkeit und Herzrasen führen. Das alles lässt nur einen vernünftigen Schluss zu: Wer Arzneimittel einnimmt, sollte keinen Alkohol trinken.

Milch – die Extraportion Kalzium macht’s

Es ist ausgerechnet das Gute in der Milch, das für die unerwünschten Wechselwirkungen verantwortlich ist: das Kalzium. Dieser Mineralstoff geht mit bestimmten Antibiotika schwerlösliche Verbindungen ein, wodurch der Körper den benötigten Wirkstoff nicht ausreichend aufnehmen kann. Die Folge: das Antibiotikum wirkt nicht.

Ähnlich verhält es sich mit den sogenannten Biphosphonaten, die gegen Osteoporose eingesetzt werden sowie mit einigen Medikamenten gegen Parkinson. Kalzium – sei es in Form von Käse, Joghurt, Mineralwasser, Quark oder als Nahrungsergänzungsmittel – sollten Sie erst im Abstand von zwei Stunden zu diesen Medikamenten zu sich nehmen.

Grapefruit – der notorische Enzymhemmer

Naringenin heißt die Substanz, die dafür sorgt, dass die Grapefruit und ihr Saft mit diversen Medikamenten auf regelrechtem Kriegsfuß stehen. Naringenin hemmt bestimmte Enzyme in der Leber, welche für den Abbau dieser Medikamente verantwortlich sind. Die Konsequenz: Die Mittel wirken bis zu 30 % stärker oder länger, als vorgesehen.

Die Grapefruit und ihr Saft stehen mit diversen Medikamenten auf Kriegsfuß.

Vorsicht ist besonders bei Herztabletten mit dem Wirkstoff Nifedipin geboten. Im Zusammenwirken mit Grapefruit drohen Blutdruckabfall, Herzrasen und Kopfschmerzen. Auch die gemeinsame Einnahme mit Schmerzmitteln und bestimmten Antiallergika gilt es zu meiden, denn diese Kombination kann das Herz aus dem Takt bringen und zu gefährlichen Rhythmusstörungen führen. Zusammen mit Schlafmitteln kann Grapefruit vollrauschartige Symptome hervorrufen.

Anders als bei Milchprodukten kann man die Wechselwirkungen nicht umgehen, indem man die Einnahme zeitlich trennt. Der Effekt einer Grapefruit auf den Stoffwechsel bleibt über viele Stunden bestehen sodass Sie bei der Einnahme vieler Medikamente komplett auf Grapefruit verzichten sollten.

Die Spezialisten unter den Wechselwirklern

Neben den generellen Störenfrieden aus den Reihen der Lebensmittel gibt es auch ganz bestimmte Kombinationen von Lebens- und Arzneimittel, die Sie dringend kennen und meiden sollten. Die Spezialisten sozusagen.

Blutverdünner und grünes Gemüse

Viele Blutverdünner hemmen die Vitamin K-abhängige Bildung von Gerinnungsfaktoren. Nehmen Sie aber gleichzeitig vermehrt Vitamin K zu sich, lässt diese Wirkung nach. Viel Vitamin K enthalten beispielsweise Spinat, Brokkoli oder Rosenkohl aber auch Kohl, Bohnen und Kopfsalat.

Betablocker und fettreiche Nahrung

Arzneistoffe werden in der Regel in der Leber abgebaut. So auch der Betablocker Propranolol. Ist Ihre Leber allerdings mit einer allzu fettreichen Mahlzeit beschäftigt, können Medikamente der ersten „Leberkontrolle“ entgehen und somit stärker wirken als gewohnt.

Antidepressiva und Salami

Lebensmittel, die länger gelagert wurden, wie Bier, Wein, Sauerkraut, reifer Käse, eingelegte Heringe und Salami, enthalten oft größere Mengen des blutdrucksteigernden Stoffes Tyramin. Diesen verstoffwechselt der Körper normalerweise problemlos durch das Enzym Monoaminoxidase, kurz MAO. Genau hier greifen allerdings einige Antidepressiva, sogenannte MAO-Hemmer. Die Folge: Aus Mangel an MAO kann Tyramin ungehindert seine Wirkung entfalten und sorgt im Zweifel für erhöhten Blutdruck, Kopfschmerzen und schlimmstenfalls sogar für Hirnblutungen.

Eisentabletten und Gerbstoffe

Gerbstoffe binden die Eisenionen noch im Magen-Darm-Trakt und erschweren oder verhindern damit die Aufnahme. Wer also Eisentabletten schluckt, sollte (wenigstens zwei Stunden vor und nach der Einnahme) auf Wein, Kaffee, Grün- und Schwarztee verzichten.

Antibiotika und Cola

Bestimmte Antibiotika, die sogenannte Gryasehemmer enthalten, hemmen den Abbau von Koffein. Wer also gleichzeitig Kaffee, Tee oder Cola trinkt, muss mit Erregungszuständen, Herzrasen und Schlafstörungen rechnen.

Asthmamittel und schwarzer Pfeffer

Asthmatiker mit Theophyllin-haltigen Medikamenten aufgepasst: nicht zu scharf würzen! Dass im schwarzen Pfeffer enthaltene Piperin kann dazu führen, dass sich mehr Theophyllin im Körper anreichert als vorgesehen. Eine ähnliche Wirkung können die bereits erwähnten Gerbstoffe aus Wein, Kaffee, Grün- und Schwarztee haben.

Säurehemmer und Limo

Mittel gegen Sodbrennen enthalten oftmals Aluminiumsalze, die im Mix mit Limonade und Saft eine chemische Reaktion auslösen können. Die eher seltenen, aber dramatischen Folgen: Muskelzucken, Krämpfe, geistige Verwirrung.

Antibiotika und Koffein

Es ist bekannt, dass Koffein den Blutdruck erhöht. Diese Reaktion verstärkt sich, wenn bestimmte Antibiotika, insbesondere Gyrasehemmer, gleichzeitig genommen werden.

Koffein erhöht den Blutdruck und diese Reaktion verstärkt sich bei gleichzeitiger Einnahme von bestimmten Antibiotika.

Als Folge können verstärkt Herzrasen und Schlafstörungen auftreten. Aus diesem Grund sollte auch auf andere Koffeinquellen wie Schwarz-, Grün- oder Matetee und Cola verzichtet werden.

Diuretika und Lakritz

Wer Diuretika, also entwässernde Mittel einnimmt, sollte sich Lakritz verkneifen. Denn sowohl die Medikamente, als auch das Lakritz rauben dem Körper Kalium. Ein Defizit kann zu Muskelschwäche, Müdigkeit, Verstopfung, Appetitlosigkeit oder gar Störungen der Herztätigkeit führen.

Knoblauch und Blutverdünner

Das könnte zu viel des Guten sein. Die beliebte würzige Knolle lässt das Blut flotter fließen, was in Kombination mit Blutverdünnern auch zu viel des Guten bedeuten kann. Deshalb in diesem Fall Knoblauch etwas sparsamer dosieren.

Nüsse und Cortison

Achtung, diese Kombination stößt Ihnen sauer auf. Wer Cortison einnimmt, sollte keinesfalls Chips oder Erdnüsse knabbern. In Verbindung mit dem im Knabberkram enthaltenen Natrium verursacht Cortison Magenbrennen oder saures Aufstoßen.

Immer wichtig: Packungsbeilage beachten

Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie regelmäßig die Packungsbeilage Ihrer Medikamente lesen und vorsichtshalber noch Ihren Arzt oder Apotheker Fragen, was Sie bei der Einnahme beachten oder vermeiden sollten.

Generell eignet sich zur Einnahme von Tabletten am besten ein einfaches Glas Leitungswasser. Hier müssen Sie nicht damit rechnen, dass hinzugefügte Mineralien mit Ihrem Medikament in Wechselwirkung treten. Bleibt mir nur noch zu hoffen, dass auch besagter Kollege regelmäßig unseren Blog liest.

2 Kommentare

  1. Ich bin Orthopäde—- Ich habe mehrmals Patienten betreut die regelmäßig über Jahre Lipidsenker genommen haben.Oftmals gut situierte Leute ,die regelmäßig abends mehrere Glas Wein konsumierten.Typische Nebenwirkung: schwere Beine mit symmetrischen Schmerzen bis zur stärkst eingeschränkten Gehfähigkeit. Ein Patient war selber Arzt (10 Jahre pensioniert). Er hatte 17 Jahre Sortis genommen. Er konnte vom WoHnzimmer zum Eßzimmer 20m kaum noch laufen. Nach absetzen des Medikaments konnte er nach 4 Wochen wieder um den Häuserblock ca 600 m laufen.

    1. Vielen Dank für Ihren Erfahrungsbericht aus professioneller Perspektive! Es wird damit einmal mehr deutlich, wie schlecht Alkohol und Medikamente zusammen passen. Mit Ihrem Hinweis sollte es Menschen, die Statine einnehmen, nun noch leichter fallen, auf Alkohol zu verzichten.

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