70 ist das neue 60 – Fakt oder Firlefanz?

Reisen, lesen, lernen, Sport machen, Spaß haben. Noch nie waren Senioren so aktiv, wie heute. Und so gesund. Wir dürfen uns also schon einmal aufs Alter freuen, statt Gebrechlichkeit und geistigen Abbau zu fürchten. Je jünger, desto mehr.

30 ist das neue 20 – dieses Motto, so erinnere ich mich lebhaft, war der ultimative Versuch, das Erwachsenwerden noch einmal auf die lange Bank zu schieben. Ein paar Jahre hat es immerhin funktioniert. Erinnert wurde ich an diese Zeit, als ich folgenden Kommentar einer Ärztin der Berliner Charité las: „Die heute 70-Jährigen sind so gesund, wie es die 60-Jährigen vor 20 Jahren waren.“

Nach einem kurzen Anflug der Verwirrung, wer denn jetzt wann wie alt war oder ist, bzw. wer wann wie gesund ist oder war, hatte mein Gehirn schon die logische Kürzung vorgenommen: 70 ist das neue 60. Auf den Punkt.

Wie damals. Nur später.

Damals, als 30 das neue 20 war, wollten wir die drohende Spießigkeit von Erwachsensein und Alltag hinauszögern, noch ein wenig jung und verrückt bleiben, Spaß haben statt Verantwortung zu übernehmen. Wir wollten leben – mit allem Drum und Dran. Letzteres gilt auch für besagte 70-Jährige. Das bestätigen die Ergebnisse des Deutschen Alterssurvey (DEAS) – einer Langzeitbefragung, die sich mit der Lebenssituation von Menschen in der zweiten Lebenshälfte befasst. Demnach sehen insbesondere ältere Menschen den Ruhestand immer mehr als Chance zur Selbstverwirklichung und persönlichen Weiterentwicklung.

Also eigentlich für all das, was wir damals unbedingt noch schaffen wollten, bevor das „echte Leben“ richtig losgeht. Sollte es dann vielleicht eher heißen 70 ist das neue 20?

Medizin hilft – ist aber nicht alles

Der Ursprung dieser neuen Vitalität im Alter liegt sicherlich zu großen Teilen in der Medizin. Während Forschung und Fortschritt einst lebensbedrohliche Erkrankungen von der Liste der Todesursachen vertrieben haben, leistet die gute medizinische Versorgung des Einzelnen ebenfalls ihren gesunden Beitrag. Wir werden aber nicht nur im Krankheitsfall besser versorgt. Wir leben auch insgesamt gesünder, wie wir im Blogbeitrag: “7 Gründe, warum wir länger leben, als wir denken!” bereits berichtet haben. Über bessere Hygiene und Arbeitsverhältnisse, höhere Bildung und steigendes Bewusstsein für Gesundheit.

Die „neuen Alten“ stehen mitten im Leben

Wir werden also nicht nur älter, wir werden gesünder älter. Die ideale Voraussetzung, bis ins hohe Alter mitten im Leben zu stehen. Frieder Lang, Leiter des Instituts für Psychogerontologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, formulierte es so: „Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass das Alter eine Zeit des Stillstands ist.“ Und damit hat er offensichtlich Recht.

Die Senioren von heute treiben regelmäßig Sport, reisen gern und viel, studieren, engagieren sich ehrenamtlich und verbringen viel Zeit im Kreise von Freunden und Familie. Beinahe jedes Jahr wird ein neues Hoch erreicht – sei es mit den Mitgliedschaftszahlen in Fitness-Studios oder den Einschreibungen an der Uni oder in Volkshochschulen. Die „neuen Alten“ sind fit – im Kopf wie in den Knochen. „Das Lebensalter sagt immer weniger über die Fähigkeiten des Einzelnen aus“, bestätigt Manfred Gogol, Ärztlicher Direktor der Klinik für Geriatrie in Coppenbrügge.

Dranbleiben ist das Geheimnis

Natürlich sind Gesundheit und Aktivität nichts, was einem plötzlich passiert. Schon gar nicht im Alter. Es ist vielmehr die Ernte der eigenen Saat, die man über Jahre hinweg ausbringt. Indem man sich fit hält – mit Vorsatz und im Idealfall auch noch mit Freude.

Das gilt für körperliche Fitness ebenso, wie für den Geist. In beiden Fällen lautet das Motto: Je früher, desto besser. Aber auch: Besser spät, als nie! Sollten Sie sich nicht sicher sein, wie oder wo Sie anfangen sollen mit dem Fitwerden, hier zwei Tipps:

1. Runter vom Sofa!

Fangen Sie mit der körperlichen Bewegung an. Es muss nicht gleich Extremsport oder das Lebenslang-Abo im Fitness-Studio sein. Eine Bahnstation früher aussteigen pro Tag reicht für den Anfang schon aus. Denken Sie immer daran: Unser Bewegungsapparat heißt so, weil es ein ausgeklügelter Apparat ist, der für Bewegung gemacht wurde. Meiden Sie also Fahrstühle, Rolltreppen und sämtliche Fahrten, die auch gegangen werden können und tun Sie, wozu Sie gemeint sind: bewegen Sie sich! Aber übertreiben Sie es nicht gleich – wichtige Fakten dazu finden Sie in unserem Blogbeitrag: “Wie ungesund ist Bewegung.

Der schöne Nebeneffekt regelmäßiger Bewegung: Sie tut auch der Psyche gut. Stresshormone können abgebaut werden und der Kopf wird mal wieder so richtig schön frei. Die idealen Voraussetzungen, den frisch erholten grauen Zellen ebenfalls ein wenig Bewegung zu gönnen.

2. Ran an den Denksport!

Sie denken genug, um Ihr Gehirn fit zu halten? Das denken Sie leider nur! Denn vom alltäglichen Denken allein bleiben die grauen Zellen leider nicht in Form. Hier braucht es schon etwas mehr Einsatz beispielsweise in Form von kleinen täglichen Denksportaufgaben, kleinen Erinnerungsspielen oder auch gezieltem Gehirnjogging. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Blogbeitrag: “Fit im Kopf mit Gehirnjogging.

Viele Denksportübungen lassen sich übrigens ganz wunderbar beim Spazierengehen an der frischen Luft absolvieren. Womit Sie dann gleich Körper und Geist gemeinsam einen gesunden Gefallen tun. Die ideale Grundlage für viele weitere gesunde Jahre. Fangen Sie an – und bleiben Sie dran!

Kein Ende in Sicht

Dieses einfache Rezept befolgen schon heute viele Menschen – und es werden täglich mehr. Kein Wunder also, dass Wissenschaftler dem Trend des stetig gesünderen Alterns noch einen anhaltenden Aufwärtstrend prophezeien. Die Rentner von morgen werden noch aktiver sein, denn sie leben noch gesünder, als die heutigen Rentner – und so weiter. Ein Ende dieser Entwicklung ist noch lange nicht in Sicht. Wer weiß, vielleicht werden wir irgendwann sogar 200 Jahre alt – topfit und quietschfidel, versteht sich!

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