7 Gründe, warum wir länger leben, als wir denken!

Die häufigste Antwort auf die Frage nach einer Lieblings- oder Glückszahl: “Sieben”. Genau die Anzahl der Jahre, um die wir angeblich die eigene Lebensspanne unterschätzen. Passgenauer Zufall oder Marketing-Märchen? Das fragte ich mich auch und ging den Fakten auf den Grund.

Die Umfrage – kein Märchen in Sicht

Die Behauptung, wir würden sieben Jahre länger leben, als wir denken, beruht auf einer aktuellen Forsa-Umfrage. Laut dieser tippen Männer bei der eigenen Lebenserwartung auf 77,4 Jahre. Der durchschnittliche Wert liegt laut statistischem Bundesamt allerdings bei 84,7 Jahren. 7,3 Jahre mehr. Das stimmt also schon mal. Frauen lagen sogar noch etwas mehr daneben. Statt der geschätzten 80,8 Jahre werden sie laut Generationensterbetafel des Statistischen Bundesamts im Schnitt 88,7 Jahre alt.

Bei der Aussage, wir würden sieben Jahre länger leben, als wir denken, wurden also in der Tat nur die Fakten bemüht. Und zu Gunsten der Werbewirksamkeit gerundet – so viel Ausschmückung sei erlaubt. Es drängt sich mir sofort eine Frage auf:

Warum liegen wir so daneben?

Zugegeben, wir Deutschen gelten nicht gerade als das optimistischste Völkchen. Aber müssen wir deshalb gleich unisono magische sieben Jahre tiefstapeln? Es muss eine andere Erklärung geben als akute Pessimismus-Epidemie.

Unsere Wahrnehmung kommt nicht mit

1750 lag die Lebenserwartung bei kaum mehr als 30 Jahren. Seitdem hat sich die durchschnittliche Lebenszeit weit mehr als verdoppelt. In den 23 Jahren zwischen 1990 und 2013 ist die weltweite Lebenserwartung sogar um 6,2 Jahre gestiegen. Mit jedem Jahrzehnt gewinnen wir circa 2,5 Jahre an Lebenszeit hinzu. Etwa ein Zehntel der Deutschen wird nach Daten des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock voraussichtlich älter als 100 Jahre.

Ein heiteres Zahlenwirrwarr, das eigentlich nur eines sagen will: Was für die eigenen Großeltern noch ein stolzes Alter war, ist heute längst Normalität. Und weil wir uns bei der Schätzung der eigenen Lebenserwartung – bewusst oder unbewusst – am erreichten Alter unserer Großeltern und Eltern orientieren, liegen wir damit zuverlässig hinter der heutigen Statistik.

Ein wichtiger Punkt ist, dass wir im Alter unser Leben noch genießen können.
Ein wichtiger Punkt ist doch, dass wir im Alter unser Leben noch genießen können.

Warum werden wir plötzlich so alt?

Mir ist klar, dass diese Entwicklung der Lebensspanne sich bereits seit einigen hundert Jahren hinzieht. In Relation zur Menschheitsgeschichte darf man, denke ich, dennoch „plötzlich“ sagen. Also was hat sich in den vergangenen sagen wir 300 Jahren so erheblich verändert, dass wir davon bis heute mit einer kontinuierlich wachsenden Lebensspanne profitieren?

Bessere Hygieneverhältnisse

Mangelnde Hygiene sorgte über Jahrhunderte für die Ausbreitung von Krankheiten und damit letztlich für kurze Lebensspannen. Zwar meinen einige, die „Generation Sagrotan“ tue sich selbst und vor allem der Entwicklung des eigenen Immunsystems mit der allgemeinen Keimarmut auch keinen Gefallen, eine bessere Alternative als die Zustände vergangener Zeiten ist es aber allemal.

Sauberes Trinkwasser, flächendeckende Sanitäreinrichtungen und eine geregelte Abwasser- und Müllentsorgung waren und sind maßgebliche Faktoren bei der Eindämmung und sogar Auslöschung gefährlicher Krankheiten. Oder andersherum formuliert: je sauberer, desto gesünder – desto langlebiger. Logisch.

Fortschrittlichere Medizin

Mindestens ebenso offensichtlich wie die hygienischen Verhältnisse entwickelte sich auch der medizinische Fortschritt. Was das Leben früher zuverlässig beendet hätte, kann heute größtenteils mit Medikamenten behandelt oder sogar geheilt werden. Die Revolutionierung der modernen Medizin begann mit Impfstoffen, Röntgenstrahlen und Penicillin und steht bis heute nicht still. Wer weiß, welche Möglichkeiten die aktuelle Genom- und Stammzellforschung uns noch eröffnen wird. Es bleibt spannend.

Humanere Arbeitsbedingungen

Die meiste Zeit unseres Lebens schlafen oder arbeiten wir. Allerdings ist die Arbeit von heute nicht zu vergleichen mit der Arbeit von vor etlichen Jahren, als die Wege noch weit und unwegsam, die Arbeit hart und die Wochen noch sieben Tage lang waren. Körperlicher Verschleiß und Arbeitsunfälle hatten damals durchaus häufig einen frühen Tod zur Folge.

Das sieht heute anders aus. Humane Arbeitsbedingungen, Arbeitsschutz und vielfältige Möglichkeiten zur Umorientierung oder Verkürzung haben die Arbeit vom Sterberisiko zum Selbstverwirklichungsfaktor gewandelt. Gesunde Entwicklung.

Höheres Bildungsniveau

Leben schlauere Menschen wirklich länger? Viele Studien kommen zu diesem Ergebnis: Gebildete ernähren sich besser, treiben mehr Sport, gehen häufiger zu Vorsorgeuntersuchungen und führen ein insgesamt erfüllteres Leben. Auch sinkt mit steigendem Bildungsniveau die Wahrscheinlichkeit, in einem körperlich belastenden und damit gefährlicheren Beruf zu arbeiten. Das klingt für mich zwar insgesamt etwas elitär, ist aber andererseits auch recht einleuchtend. Die Lebenserwartung steigt also mit dem Bildungsniveau. Und das steigt in Deutschland stetig an.

Bewusstere Lebensweise

Als Folge des medizinischen Fortschritts und des höheren Bildungsniveaus entwickeln wir ein immer stärkeres Bewusstsein dafür, was gesund ist und was nicht. So verzichten immer mehr Menschen auf Alkohol und Zigaretten. Haben 1978 noch 43 % der Männer geraucht, waren es 2013 bereits weniger als 30 %. Stattdessen achten die Deutschen mehr und mehr auf eine ausgewogene Ernährung und viel Bewegung. Abzulesen ist das unter anderem am Pro-Kopf-Verbrauch von Obst- und Gemüse, der sich seit 1935 fast verdoppelt hat.

Man darf natürlich nicht vergessen, dass wir heute nicht nur über das nötige Wissen, sondern auch über die entsprechenden Mittel verfügen, uns einen so bewusst gesunden Lebensstil leisten zu können.

Steigender Wohlstand

Was nützen einem alles Wissen und die besten Vorsätze, wenn man sich nichts davon leisten kann. Oder es beispielsweise in Kriegszeiten die entsprechenden Ressourcen einfach nicht gibt. Deutschland ist ein wohlhabendes Land mit einem stabilen Gesundheitssystem. Wir haben genügend Geld, um es in die medizinische Forschung und Infrastruktur zu investieren, in die gesundheitliche Aufklärung und Prävention aber auch in die Verbesserung der allgemeinen Lebensbedingungen. Uns geht es gut – keine Bürgerkriege, Seuchen oder Hungersnöte, die zu einem Knick in der Lebenserwartungskurve führen könnten.

Soziales System

Früher gab es weder eine staatliche Rente, noch Kranken- oder Sozialversicherungen. Verarmung und Verelendung waren damals weit verbreitet. Zustände, die sich erst 1883 mit dem Aufbau der gesetzlichen Sozialversicherungen unter Bismarck zu verändern begannen. Das heutige soziale System in Deutschland ermöglicht jedem Bürger eine angemessene Versorgung. Klar, dass damit auch die Lebenserwartung stetig steigt.

Und wenn sie nicht gestorben sind …

Das Märchen vom längeren Leben hat sich also als Wahrheit entpuppt. Wer hätte das gedacht. Nun, da ich die Gründe kenne, juckt mich natürlich auch gleich die Frage nach den Konsequenzen … Aber dazu in Kürze mehr…

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