Kultur-Teevolution

Seit Jahrtausenden entwickelte sich die Kultur der Teezeremonie. Zu allererst in China. Die Zubereitung muss dort jahrelang erlernt werden. Daher stammt die Bezeichnung „Gong Fu Cha“, was „der komplizierte Weg“ bedeutet und die hohe Kunst des Teetrinkens meint. Es ist gleichzeitig Meditation, geistige Reinigung und philosophische Lebenshaltung.

Die große Wertschätzung der sinnlichen Atmosphäre und des traditionellen Rituals verbietet es, sich während der Teezeremonie über persönliche, politische oder gesellschaftliche Themen auszutauschen. Viel mehr geschätzt werden Gespräche über die Zubereitung, das Geschirr und die geschmackvolle Raumgestaltung.

Andere Länder, andere Tee-Sitten

In Japan heißt die Teezeremonie chanoyu. Sie entwickelte sich aus dem chinesischen Teeritual der Zen-Buddhisten, deren oberstes Prinzip ein vollkommen harmonischer Ablauf ist.

In Russland mit seinen unterschiedlichen Volksstämmen ist man sich in einem einig: süß und stark muss ein ordentlicher Tee sein. Eingeschenkt aus einer kleinen Kanne, die auf dem Samowar steht, wird der Tee aus Gläsern und ohne Milch getrunken.

In Tibet köcheln gepresste Teeziegeln in einem Wasserkessel. Der Tee wird mit Wasser, ranzig riechender Butter und Salz gerührt bis er eine Kakaofarbe bekommt. Die Tibeter trinken 30 bis 40 Tassen am Tag. Davon bleibt ein Fettfilm auf den Lippen, der in den sonnigen Hochlagen des Himalayas vor der starken UV-Strahlung schützt.

In der Türkei soll Tee „rot wie Kaninchenblut“ sein, also sehr stark. Er wird aus Gläsern mit viel Zucker getrunken. Von morgens bis abends. Die Teestuben, die an jeder Ecke zu finden sind, besuchen allerdings nur die Männer.

In England wurde Tee zur Lebensart stilisiert. Traditionell kommt zuerst Milch in die Tasse und dann der Tee, um das wertvolle  Porzellan vor dem Zerspringen zu bewahren. Dazu werden die legendären Scones oder Sandwiches serviert.

Und was ist mit Tee bei uns?

Eine Variante zum Teezubreiten: das Tee-Ei.
Eine Variante zum Teezubreiten: das Tee-Ei.

Spitzenreiter im Teetrinken sind die Ostfriesen. Sie trinken ihre Ostfriesische Mischung rund um die Uhr und sind mit 300 Litern pro Kopf im Jahr eines der führenden Teetrinkervölkchen weltweit. Insgesamt wird in Deutschland Teetrinken immer beliebter. Unser Teekonsum stieg 2013 um 2,3%. Das liegt sicher auch an der enormen Geschmacksvielfalt, die Tee bietet. Sie garantiert viel Abwechslung und sorgt dafür, dass Teetrinken Spaß macht. Vorausgesetzt, man geht richtig mit ihm um. Dazu geben wir Ihnen gleich mal ein paar heiße Tipps.

Die Teeologie der Zubereitung

Es schmeckt einfach göttlich, wenn von der Wasserqualität über die Teesorte bis zu Ihrem liebsten Trinkgefäß alles stimmt. Wie generell beim Kochen steht die richtige Ausstattung an erster Stelle.

Das Zubehör: Sie brauchen eine Kanne, am besten aus Porzellan, Glas oder mit glatter Emaillefläche, in der Ihr Tee zieht. Ein Sieb, damit die Teeblätter nicht nach dem Umgießen weiter ziehen. Oder einen geräumigen Kannen-Einsatz, in dem sich die Teeblätter großzügig entfalten können. Ein Tee-Ei ist nur für sehr kleine Teemengen geeignet. Und vom Teenetz ist abzuraten, weil es die Aromen der unterschiedlichen Teesorten annimmt und bei jedem Aufguss wieder abgibt. Die daraus folgende Geschmacksverfälschung lässt sich nur verhindern, wenn Sie für jede Teesorte ein eigenes Netz bereithalten – und wer macht das schon?

Weiterhin empfiehlt sich ein Wasserkocher. Für den kultivierten Teegenuss sind hauchfeine, dünnwandige Schalen, Tassen oder Gläser perfekt.

Das Wasser: Wussten Sie, dass Queen Elizabeth II. auf allen Reisen ihr Teewasser mitnimmt? Das ist schlau. Denn die Qualität des anspruchsvollen Tees hängt stark von der Wassergüte ab. Je feiner der Tee, desto empfindlicher reagiert er. Hartes, kalkhaltiges Leitungswasser ist mit Fluor und Chlor versetzt, da sieht man schon dass das nicht schmecken kann. Auch salzhaltiges Wasser macht den Tee ungenießbar. Am besten filtern Sie Ihr Teewasser vor dem Kochen oder verwenden gutes Quell- oder Mineralwasser.

Die Temperatur: Das Wasser muss heiß sein. Richtig heiß. Weil ansonsten die chemische Reaktion, die den Tee erst zum Tee macht, nicht einsetzt. Dazu sollte die Kanne schon mal kurz zum Vorwärmen heiß ausgespült werden, damit das Teewasser nicht so stark abkühlt.
Nur der grüne Tee mag ganz und gar kein kochendes Wasser. Die Kanne muss also auch nicht angewärmt werden, denn das Wasser sollte auf 70 bis 80 Grad abgekühlt sein, bevor Sie den Tee damit übergießen. Und bitte nicht zudecken beim Ziehen lassen.

Die Zeit: Damit sich die Wirkstoffe wie Koffein und Tannin optimal entfalten können, braucht der Tee mindestens zwei bis drei Minuten. Wie koffeinhaltig er ist, hängt von der Stärke und Qualität des Tees ab. Die beruhigenden Gerbstoffe ziehen erst in den folgenden Minuten aus den Blättern. Je länger der Tee zieht, desto beruhigender wirkt er – vor allem auf Magen und Darm. Schwarzer Tee schmeckt schnell zu bitter, deshalb sollte er besser nicht länger als fünf Minuten ziehen.

Der Genuss: So individuell wie wir Menschen sind, lieben wir Tee auf ganz unterschiedliche Weise. Die einen nehmen Zitrone und Zucker, die anderen sagen Zitrone und Dosenmilch gehören verbannt. Ungebleichter Zucker und Milch unterstreichen jedoch den Geschmack einiger Teesorten. Kandiszucker, vor dem Eingießen in die Tasse oder das Glas gelegt, knistert vielversprechend sobald er mit dem Tee in Berührung kommt. Ein Klang, der einen daran erinnern sollte, sich ein bisschen Zeit zu nehmen, um den Tee zu genießen. Erst dann wird der Geist frei und kann sich unbeschwert auf Neues konzentrieren.

Wärmt bei kalten Tagen schön durch, ein Tee mit Zitrone.
Wärmt bei kalten Tagen schön durch, ein Tee mit Zitrone.

Die Aufbewahrung: Teearomen sind sehr empfindlich und verflüchtigen sich schnell. Deshalb sollte Tee so wenig wie möglich mit Sauerstoff in Verbindung kommen und nicht mit Kaffee und starken Gewürzen zusammen gelagert werden. In luftdicht verschlossenen Dosen bleibt er am besten geschützt. Damit kleine Teemengen nicht in großen Teedosen an Geschmack verlieren, bewahrt man sie zusätzlich in ihrer Teetüte auf.

Aufatmen und Tee trinken

Nach so viel theoretischem Wissen haben Sie vielleicht Lust auf eine schöne Tasse dieses aromatischen Wellness-Getränkes. Genießen Sie jeden einzelnen Schluck. Sie tun damit auch viel für Ihre Gesundheit. Denn Tee schmeckt nicht nur fein, er steigert gleichzeitig das allgemeine Wohlbefinden. Gerade in der kalten Jahreszeit sorgt eine Kanne heißer Tee für eine angenehme Stimmung.

1 Kommentar

  1. Ein interessanter Artikel hinsichtlich der Teegewohnheiten in den verschiedenen Ländern. Und ja, die Vielzahl an tollen Teesorten schafft tolle Geschmackserlebnisse. Gern mehr solche interessante Artikel bitte! Viele Grüße

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