Kraut statt Pille – manchmal die bessere Wahl

Keine Frage: bei ernsteren Erkrankungen ist Schulmedizin angesagt! Aber was ist mit den kleinen Alltagswehwehchen, die uns ab und an plagen? Gegen vieles ist eben doch ein Kraut gewachsen. Man muss es nur kennen – und die Chemie bleibt im Schrank.

Ich bin mal wieder ein echter Glückspilz: Die wahrscheinlich letzte unstillbar durstige Mücke des Jahres hat sich vergangene Nacht zu mir verirrt. Und sich ein ausgiebiges Festmahl gegönnt. Obwohl sie nach diesem opulenten Festmahl eigentlich bis auf die Größe einer Walnuss angeschwollen sein müsste, habe ich sie heute Morgen nicht finden können, um mich zu rächen. Auch gut. Weniger schlechtes Karma für mich. Aber was fange ich jetzt mit den juckenden Stichen an?

Gibt’s denn da kein Kraut?

Mir ist natürlich klar, dass die Apotheke unzählige entsprechende Salben und Tabletten vorhält. Aber ich will einfach nicht immer gleich zu Chemie greifen, wo vielleicht auch natürliche Mittel helfen. Außer das „Nicht-Kratzen“ meine ich. Also fing ich an zu sammeln. Bei passioniert gärtnernden Freunden, in der Apotheke, im Internet und natürlich auch beim Arzt. Letzterer bescherte mir allerdings die schmalste Ausbeute, wenn ich das wertfrei erwähnen darf. Dabei konnte ich so einige Heilpflanzen zusammentragen – allen voran natürlich das für mich ideale „Kraut“ gegen die juckenden Stiche:

Aloe Vera: heilsamer Feuchtigkeitsspender

Der gelige Saft dieser dickblättrigen Pflanze beruhigt und liefert viel Feuchtigkeit. Deshalb ist es unter anderem erste Wahl als Akuthilfe bei Verbrennungen und Ausschlag aber auch bei Hautkrankheiten und Schnittverletzungen. Und – ich darf meine persönliche Erfahrung hier mit Ihnen teilen – als regelrechtes Wundermittel gegen juckende Mückenstiche.

Aloe Vera ist als Gel in verschiedenen Intensitäten und Güteklassen erhältlich. Hier lohnt sich die Wahl eines qualitativ hochwertigen Produktes sicherlich.

Kamille: Milde am Stiel

Die Kamille ist Balsam für Körper und Seele. Als Inhalation beruhigt Kamilledampf gereizte Schleimhäute – die Erkältung fühlt sich gleich weniger akut an, Reizhusten wird gemildert und die wunde Nase brennt nicht mehr ganz so arg. Der Duft der Kamille beruhigt auch das Gemüt, was sie zum idealen Seelenschmeichler an stressigen Tagen macht.

Pfefferminze: dufter Krampflöser

Menthol ist das ätherische Öl, das aus der Pfefferminze gewonnen und bereits seit Jahrhunderten wegen seiner entspannenden und krampflösenden Wirkung geschätzt wird. Anwendung findet Pfefferminze daher besonders bei krampfartigen Zuständen und Schmerzen, wie beispielsweise Reizdarm oder Kopfschmerzen. Ob als Tee oder in konzentrierter Form ist in erster Linie Geschmackssache.

Das konzentrierte Minzöl ist nicht nur toll, um die dichte Nase wieder frei zu bekommen. Es hilft auch  großartig bei Gelenkschmerzen, Verspannungen und Muskelkater. Einfach die betroffenen Stellen großzügig einreiben und die wohlige Mischung aus Wärme und Abkühlung genießen.

Wichtig bei der Zubereitung von Tee: den Aufguss zugedeckt ziehen lassen! Ätherische Öle werden im Wasserdampf gelöst, der sich am Deckel niederschlägt und zurück in den Tee tropft. Ohne Deckel verflüchtigt sich das wirksame ätherische Öl als Raumbeduftung.

Salbei: schmackhafte Linderung

Die ätherischen Öle und Gerbstoffe im Salbei lindern Halsschmerzen, Reizungen im Mund- und Rachenraum und wirken zu starkem Schwitzen entgegen. Als Tee, Tinktur oder reines konzentriertes ätherisches Öl wird es zudem als natürliches Mittel gegen Stress und Nervosität eingesetzt. Oder Sie machen sich einfach mal eine frische Pasta mit Salbei in Butter.

Mariendistel: Wellness für die Leber

Diese stachelige, violett blühende Pflanze ist der beste Freund unserer Leber. Das in den Samen enthaltene Silymarin wird bereits seit Jahrhunderten zur Stärkung, zur Regeneration und zum Schutz der Leber verwendet. Vor Überlastungen durch beispielsweise Vergiftungen oder Entzündungen aber auch vor der heutzutage häufig auftretenden Leberverfettung.

Rosmarin: würziger Wachmacher

Die schmackhaften kleinen Stachelblätter machen sich nicht nur gut an diversen Gerichten, sondern auch im Tee oder als Tinktur. Auch hier sind es die ätherischen Öle, die unseren Kreislauf auf so duftende Weise anregen. Wer morgens also schlecht aus dem Bett kommt oder mit niedrigem Blutdruck zu kämpfen hat, dem sei dieses Heilkräuter wärmstens ans Herz gelegt. Einfach den Tag mit einem frisch (zugedeckt!) gezogenen Rosmarin-Tee beginnen oder die Unterarme bei Bedarf sanft in Herzrichtung mit Rosmarintinktur einreiben. Schon sollte sich Ihr Kreislauf regen.

Die Natur ist unerschöpflich

Natürlich ist das nur eine sehr begrenzte Auswahl an Pflanzen und Wirkweisen aber ich wollte mich auf die beschränken, von deren Wirkung ich mich selbst überzeugen konnte. Ich bin mir sicher, dass diese Liste schier endlos erweiterbar ist und freue mich immer über weitere Vorschläge.

Selbst ist der Teetrinker

Das ultimative Vergnügen eines frischen Kräutertees besteht ohne Frage darin, die Zutaten aus dem eigenen Garten oder Balkonkasten zu ernten und dann frisch zu überbrühen. Alleine schon der Duft der frischen Kräuter kann eine sehr beruhigende Wirkung haben. Und nicht vergessen: Den Tee vor dem Genuss zugedeckt ziehen lassen!

Bleiben Sie vernünftig

Ich möchte nochmals ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich mit diesem Artikel keine Tipps zur Selbstmedikation bei ernsthaften oder länger andauernden Beschwerden geben möchte. Wer krank ist, sollte zum Arzt gehen. Und auch wer die kleinen Alltagsleiden in eigener, natürlicher Regie mildern möchte, sollte sich vor der Einnahme von Extrakten, Pillen, Pülverchen und sonstigen Zubereitungen immer genau darüber informieren, was denn da drin ist. „Alles rein pflanzlich“ heißt nämlich nicht, dass unerwünschte Wirkungen ausgeschlossen und die unbegrenzte Einnahme gänzlich ungefährlich sei.

Das gilt ganz besonders für werdende Mütter. Viele normale Medikamente sind während der Schwangerschaft tabu. Da ist die Versuchung groß, Linderung im Kräutergarten zu suchen. Doch Vorsicht: einige Heilpflanzen, wie z.B. Eisenkraut, Liebstöckel oder Majoran wirken, je nach Dosierung, wehenfördernd. Manche sogar so stark, dass sie im Mittelalter zur Abtreibung verwendet wurden. Erkundigen Sie sich deswegen auch bei Kräutern über mögliche Nebenwirkungen.

1 Kommentar

  1. Ich bin überzeugt von der Wirkung frischer Kräuter. Habe es vielfach ausprobiert und nur beste Heilungserfolge erlebt.
    Ich interessiere mich aber schon seit ca. 20 Jahren dafür. Lange gab es keine Instruktionen für den Heimgebrauch. Auch Bilder von Heilpflanzen waren kaum für den normalen Hausgebrauch umsetzbar.
    Endlich ist das anders. Ich bearbeite inzwischen einen kleinen Heilkräutergarten und möchte wesentlich tiefer in diese Thematik einsteigen.
    Demnächst werde ich wahrscheinlich Ernährungsberaterin mit Schwerpunkt Phytotherapie!

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