Heuschnupfen – jeder 4. hat die Nase voll!

Nicht jeder freut sich uneingeschränkt auf den Frühling. Was bei dem einen wohlige Freude aufkeimen lässt, treibt dem anderen einfach nur die Tränen in die Augen. Und das im ganz wörtlichen Sinne. Gepaart mit einer laufenden Nase, reichlich Brennen und Jucken. Rund 25 % unserer Bevölkerung leiden unter diesen unschönen Begleiterscheinungen der aufkeimenden Natur. Tendenz steigend.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Heuschnupfen ein Leiden der Neuzeit ist, wie manch einer vielleicht glauben mag. Bereits vor über 1000 Jahren litten die Einwohner Persiens laut uralten Überlieferungen im Frühling unter dem so genannten „Rosenschnupfen“.

Wie geht Heuschnupfen?

Man nennt Heuschnupfen auch allergischen Schnupfen oder allergische Rhinitis, was schon einen etwas genaueren Rückschluss darauf zulässt, welche körperlichen Vorgänge letztlich zur Laufnase führen. Heuschnupfen ist also erst einmal eine Allergie – die häufigste in Deutschland, um genau zu sein.

Man nehme einen Auslöser: Pollen

Damit es zu einer Allergie kommt, braucht es erst einmal einen Auslöser, ein so genanntes Allergen, auf das der Körper allergisch reagiert. Im Falle von Heuschnupfen sind das Pollen.

Auch eine Pusteblume hat pro Blüte 300 Samen.
Auch eine Pusteblume hat pro Blüte 300 Samen.

Das männliche Erbgut von Pflanzen ist so ein Leichtgewicht, das der Wind es bei trockenem, warmen Wetter bis zu 200 Kilometer weit tragen und somit großflächig verteilen kann. Und das nicht zu knapp: Eine einzige Roggenähre schickt zwischen 2 und 4 Millionen Pollen auf den Weg. Welche Pollen wann fliegen, entnehmen Sie am besten einem Pollenkalender.

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Überreaktion des Immunsystems: Allergie

Hinter dem Niesen und Naselaufen, dem Augenbrennen und kullernden Tränen steckt eine Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems. Oder besser gesagt eine Fehlinterpretation. Denn statt die entsprechenden Pollen als das zu erkennen, was sie im Grunde sind, nämlich harmlos, stuft das Immunsystem von Heuschnupfengeplagten die Pollen als gefährlich ein. Und reagiert auf die „Eindringlinge“, wie es auch auf einen Krankheitserreger reagieren würde:

Beim ersten Kontakt werden Immunglobulin-E-Antikörper (IgE) gegen Proteinbestandteile des Eindringlings gebildet und an Mastzellen gebunden. Beim nächsten Kontakt wird der unerwünschte Gast sofort erkannt und von den IgEs und anderen Immunzellen mit einem Cocktail unterschiedlichster Substanzen befeuert. Diese lösen dann die allergische Reaktion mit den bekannten Symptomen aus. Eine dieser Substanzen ist Histamin, auf das viele Heuschnupfenmittel abzielen.

Dieser Kampf wütet mindestens so lange, wie der Körper den Allergenen ausgesetzt ist. Das Problem: dauert diese Auseinandersetzung allzu lange, besteht die Gefahr, dass aus der akuten Reaktion eine chronische wird.

Gefürchteter „Etagenwechsel“

Eine Chronifizierung des Heuschnupfens zeigt sich in einer Ausweitung der Symptome auf die Bronchien. In bis zu 40 % aller Heuschnupfenfälle, die nicht richtig behandelt werden, entwickelt sich ein allergisches Asthma. Und das ist dann nicht mehr „nur“ lästig, sondern gefährlich. Ein Heuschnupfen sollte folglich nicht einfach tapfer ertragen und stillschweigend hingenommen, sondern konsequent behandelt werden.

Ursachen sind unklar

Nehmen wir dem Immunsystem mit unserer hyper-hygienischen Welt die Gelegenheit, sich normal zu entwickeln? Hemmt zu viel Antibiotika in Kindertagen die Entwicklung der eigenen Abwehr? Sind Allergien die Folge von zu vielen Umweltgiften? Spekuliert wird viel, fest steht eigentlich nur so viel: die Neigung, eine Allergie zu entwickeln, ist vererbbar. Die steigende Zahl der Allergien wird durch diese Tatsache allerdings nicht erklärt.

Links zur Pollen-App der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst:

Habe ich Heuschnupfen?

Oftmals werden erste Heuschnupfen-Symptome mit einem normalen Schnupfen verwechselt. Kommt dieser Schnupfen allerdings alljährlich etwa zur gleichen Zeit vor und hält sich dazu auch noch wochenlang, liegt eine Pollenallergie nahe. Gewissheit liefern gezielte Allergietests:

Der gängigste Test zur Allergie-Erkennung ist der sogenannte Prick-Test. Hierbei wird ein Kästchenmuster auf Ihre Haut gemalt und in jedes Kästchen jeweils ein Tropfen eines bestimmten Allergens auf die Haut aufgebracht. Anschließend wird die Haut an dieser Stelle mit einer kleinen Lanzette leicht eingeritzt. Rötung, Jucken und Quaddelbildung in einem bestimmten Kästchen verraten, welche Substanz eine allergische Reaktion hervorruft.

Genauer und auch schonender sind Bluttests. Hierbei werden die IgEs im Blut bestimmt, die bei Allergikern in wesentlich höherer Konzentration vorkommen, als bei Nicht-Allergikern. Das Labor analysiert das Blut auf Inhalations- und Nahrungsmittelallergene und kann eine genaue Aussage darüber treffen, welche Auslöser für die Beschwerden des Patienten verantwortlich sind. Das lässt dann auch eine gezielte Behandlung zu.

Eine etwas brachialere Methode ist der Provokations-Test, bei dem der Allergiker direkt mit den vermuteten Allergenen konfrontiert wird. Entweder indem diese direkt auf Nasenschleimhaut oder Bindehaut aufgebracht oder eingeatmet werden. Dieser Test sollte aufgrund des gesundheitlichen Risikos nur in Kliniken durchgeführt werden.

Natürlich kann man auch einfach genau beobachten, wann die jeweiligen Symptome auftreten und anhand eines Pollenkalenders bestimmte Pollen als Auslöser identifizieren.

Ich habe Heuschnupfen – was nun?

Unabhängig von der Behandlung Ihrer Allergie können Sie mit einigen einfachen Regeln Ihre Symptome mildern:

1. Halten Sie sich nicht lange im Freien auf, wenn es trocken und windig ist.
2. Bringen Sie Pollengitter an den Fenstern Ihrer Wohnung an
3. Lüften Sie, wenn der Pollenflug gering ist (nach Regen, auf dem Land abends, in der Stadt morgens)
4. Waschen Sie sich abends die Haare, bevor Sie ins Bett gehen
5. Legen Sie Ihre Kleidung nicht im Schlafzimmer ab
6. Lassen Sie Pollenfilter in Ihre Autolüftung einbauen
7. Waschen Sie Bettwäsche und Textilien möglichst bei 60 °C
8. Gehen Sie in die Bio-Sauna oder ins Dampfbad (max. 70 °C bei 80–90 % Luftfeuchtigkeit), um Ihre Schleimhäute abschwellen zu lassen
9. Tragen Sie im Freien eine (Sonnen-)Brille mit Seitenschutz
10. Lassen Sie wenn möglich eine andere Person regelmäßig in Ihrer Wohnung Staubwischen und -saugen

Einen weiteren nützlichen Tipp liefern uns die Yogis. Die tägliche Reinigung der Nase gehört zu den Reinigungsritualen der Yoga-Lehre und tut auch Pollenallergikern ausgesprochen gut. Mit Hilfe einer sogenannten Nasendusche (erhältlich in jeder Apotheke) leiten Sie langsam warmes Salzwasser durch Ihre Nase. Das befeuchtet nicht nur strapazierte Schleimhäute, sondern reinigt sie auch von Pollen und anderen unerwünschten „Gästen“.

Gibt es ein Heilmittel?

Die Hyposensibilisierung, früher auch Desensibilisierung genannt, wird auch als spezifische Immuntherapie (SIT) oder Allergie-Impfung bezeichnet. Das Ziel dieser bereits seit Jahrzehnten angewandten Methode ist es, den Organismus präzise dosiert an den allergieauslösenden Stoff zu gewöhnen und die Allergie schließlich aufzulösen.

Begonnen wird für Heuschnupfen-Patienten meist im Herbst oder Winter mit wöchentlichen Injektionen. Hierbei werden Kleinstmengen der jeweiligen Allergene unter die Haut gespritzt, während die Immunreaktion blockiert wird. Die Dosis wird bis zum Beginn des Pollenfluges langsam gesteigert und zur Akut-Zeit wieder stark reduziert oder auch ausgesetzt. In der anschließenden Winterperiode werden die ansteigenden Injektionen wieder begonnen. Insgesamt dauert diese ursächliche Behandlung des Heuschnupfens in der Regel drei Jahre. Allerdings bessern sich die Beschwerden bereits nach nur einem Jahr.

Bei der Behandlung mit standardisierten, molekular definierten Allergenpräparaten liegt die Erfolgsquote laut Ärzteverband Deutscher Allergologen e.V. (ÄDA) bei bis zu 90 %.

Die Ausdauer kann sich also definitiv lohnen. Nicht zuletzt, um endlich mal wieder sorglos und beschwingt in den Frühling zu starten.

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