Meine Rechte als Fluggast!

Aber das ist doch mein gutes Recht – oder? Eine typische Frage für den Fluggast von heute. Aus Unwissenheit wird oft auf nicht vorhandene Rechte gepocht. Während gleichzeitig Unsummen möglicher Entschädigungen nicht eingefordert werden. Zeit, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Der findige Freund

„Oh Mann, und dann hatte der Flug auch noch 5 Stunden Verspätung. Aber dafür hatte ich dann ja quasi das Hotel umsonst.“ Das ist die Kurzfassung des Urlaubsberichtes eines Freundes. Für den verspäteten Flug hatte er umgehend Entschädigung gefordert und sie bekommen. Immerhin 250,- Euro. „Aber nur, weil ich ab Hamburg geflogen bin. Ab Berlin wären es 400,- Euro gewesen!“ Das klingt für mich irgendwie unlogisch. Dann würde sich langes Warten am Berliner Flughafen mit einem Stundensatz von 80,- Euro ja durchaus lohnen. Aber stimmt das alles überhaupt?

Ein Blick in die Fluggastrechteverordnung der Europäischen Union (EU) gibt Aufschluss. Hier ist klar geregelt, welche Ausgleichs- und/oder Unterstützungsleistungen Fluggästen im Fall von Nichtbeförderung, Annullierung oder großer Verspätung von Flügen zustehen. Ich habe das mal für Sie zusammengefasst.

EU only!

Es sei noch angemerkt, dass besagte Fluggastrechteverordnung ausschließlich für EU-Airlines mit Start oder Landung an einem EU-Flughafen sowie für Nicht-EU-Airlines mit Start an einem EU-Flughafen oder einem Firmensitz innerhalb der EU gilt.

Verspätung

Kommen Sie aufgrund einer Flugverspätung mindestens drei Stunden später als geplant am Zielflughafen an (auch wenn Sie beispielsweise einen Anschlussflug verpassen), haben Sie Anspruch auf folgende Leistungen:

  • Betreuungsleistungen         (> 2 Stunden Verspätung) und
  • Entschädigung                    (> 3 Stunden Verspätung) und
  • Ticketkostenersatz              (> 5 Stunden Verspätung) oder
  • Ersatzbeförderung              (> 5 Stunden Verspätung)

Flug gestrichen

Kommt es durch Verschulden der Airline zu einem Flugausfall, der Ihnen nicht mindestens 14 Tage vor Abflug angekündigt wurde, haben Sie Anspruch auf

  • Entschädigung und
  • Ersatzbeförderung

Flug überbucht

Die meisten Airlines kalkulieren spontane Umbucher, Stornierer und schlichtweg nicht erscheinende Passagiere mit ein und überbuchen bestimmte Flüge entsprechend. War Ihr Flug überbucht und Sie wurden umgebucht, stehen Ihnen folgende Leistungen zu:

  • Entschädigung und
  • Ersatzbeförderung

Betreuung am Flughafen

Je nach Wartezeit und gebuchter Flugstrecke stehen Ihnen Betreuungsleistungen, wie ausreichend Essen und Getränke, Telefon- und Internetzugang sowie der freie Zutritt zu Toiletten zu. Ist eine Übernachtung Ihrerseits erforderlich, hat die Fluggesellschaft eine angemessene Unterkunft zur Verfügung zu stellen oder Ihnen die (angemessenen) Hotelkosten zu erstatten. Bei einer Flugverspätung haben Sie Anspruch auf diese Leistungen

  • ab 2 Stunden Wartezeit bei einer Flugstrecke bis 1.500 km
  • ab 3 Stunden Wartezeit bei einer Flugstrecke zwischen 1.500 – 3.500 km
  • ab 4 Stunden Wartezeit bei einer Flugstrecke über 3.500 km

Im Falle eines Flugausfalles, einer Überbuchung oder einer Anschlussflugverspätung steht Ihnen dieses Recht sofort ohne Wartezeit zu.

Entschädigungszahlung

Die Entschädigungszahlung ist ein pauschal festgesetzter Geldbetrag, dessen Höhe anhand der gebuchten Flugstrecke (und nicht am gezahlten Ticketpreis) bemessen wird. Bei mindestens drei Stunden Verspätung (am Zielflughafen), Flugausfall und Überbuchung stehen Ihnen folgende Beträge zu, sofern keine „außergewöhnlich Umstände“ ursächlich sind:

  • 250 € – Flugstrecke bis 1.500 km
  • 400 € – Flugstrecke bis 3.500 km
  • 600 € – Flugstrecke über 3.500 km

Diese Entschädigung (Ausgleichsleistung) ist vom ausführenden Flugunternehmen an seine Kunden zu leisten.

Ticketkostenersatz oder Ersatzbeförderung

Hat Ihr Flug eine Verspätung von mehr als fünf Stunden, können Sie Ihren Flug kostenlos stornieren und sich die Ticketkosten zurückerstatten lassen. Die Fluglinie ist in diesem Fall verpflichtet, Ihnen die Kosten für Ihr Ticket innerhalb von sieben Tagen zurückzuerstatten.

Gleiches gilt bei Flugausfall (der nicht mindestens 14 Tage zuvor angekündigt wurde) und Nichtbeförderung wegen Überbuchung.

Alternativ können Sie sich frühestmöglich zum ersten Abflugort oder zum Endziel Ihres Fluges befördern lassen oder Sie lassen sich zu einem späteren Zeitpunkt zum Zielort bringen. Das alles hat unter mit Ihrer ursprünglichen Buchung vergleichbaren Reisebedingungen zu erfolgen.

Wie sollte es anders sein: ABER …

Liegen sogenannte „außergewöhnliche Umstände“ vor, sieht die Rechtslage etwas anders aus. Kann die Fluggesellschaft nachweisen, dass besagte „außergewöhnliche Umstände“ vorgelegen haben und sich der Flugausfall oder die Verspätung nicht durch zumutbare Maßnahmen hätte vermeiden lassen, entfallen Ihre Ansprüche auf Entschädigung. Zu solchen Umständen gehören:

  • Sperrung eines Flughafens
  • Schlechtes Wetter
  • Streiks
  • Vogelschlag
  • Versteckte Herstellerfehler
  • Blitzschlag

Aufgepasst: „Technische Probleme“

Nicht in diese Liste außergewöhnlicher Umstände gehören beispielsweise technische Probleme, fehlende Enteisungsmittel, Kollision von Flughafenfahrzeugen mit dem vorgesehenen Flugzeug, schadhafte Gepäckförderungsanlage des Flughafens, Erkrankung eines Crew-Mitglieds oder Rotationsprobleme.

In solchen Fällen erlischt Ihr Anspruch auf Leistungen also nicht.

To-do-Liste für den Fall der Fälle

Sie sind Opfer einer Verspätung, Annullierung oder Überbuchung? Dann sollten Sie noch vor Ort folgendes tun:

  1. Am Schalter der Fluglinie
    – Verspätung (inkl. Grund) von der Fluglinie schriftlich bestätigen lassen
    –  Versorgungsleistungen (Getränke und Snacks) einfordern
  2. Rechnungen, Tickets, Fotos, etc. sicher aufheben
  3. Ggf. Kontaktdaten mit anderen Betroffenen austauschen
  4. Schriftlich Entschädigung einfordern
    – Nutzen Sie den offiziellen Vordrucke und Musterbriefe aus dem  Internet
    – Nennen Sie den Entschädigungsbetrag (250 € /400 € /600 €)
    – Legen Sie Kopien aller Unterlagen bei
  5. Nicht abwimmeln lassen! Die Fluggesellschaft wird versuchen, sich auf „außergewöhnliche Umstände“ zu berufen.

Sollten Sie keinen Erfolg oder keine Nerven für den oftmals schreibintensiven Vorgang haben, können Sie den Vorfall auch an ein auf diese Fälle spezialisiertes Unternehmen übergeben. Diese bieten oftmals eine risikofreie Abwicklung mit erfolgsabhängiger Bezahlung in anteiliger Höhe an.

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