Wir werden Eltern!

Eine Familie zu gründen bedeutet nicht nur, sich den vielen Herausforderungen der Elternschaft zu stellen. Sondern auch denen unserer Bürokratie. Ein guter Überblick ist hier die beste Unterstützung.

Eine Kollegin verkündete kürzlich die frohe Botschaft Ihres baldigen Nachwuchses. Glücklich und unter Freudentränen. Das ist jetzt gerade einmal zwei Wochen her. Inzwischen haben die Flurgespräche einen etwas anderen Tenor angenommen. Statt rosig-romantisch klingt die Kollegin nun eher gestresst, geradezu genervt. Allerdings nicht über das Schwangersein, sondern über unsere „Hochleistungsbürokratie“, wie sie sie so schön nennt. Ich frage mich, ob sie dann nicht ein wenig übertreibt. Und Sie wissen ja: Wenn mich so eine Frage erst einmal wurmt, kann ich ja gar nicht mehr anders, als dem auf den Grund zu gehen.

So entstand – ganz versehentlich und dabei sehr erfreulich – der kleine Bürokratie-Leitfaden für die Familiengründung.

Die Wahrheit übers Kinderkriegen

Wer ein Baby bekommt, darf sich zwar freuen, allerdings nur kurz. Denn dann muss man sich zügig an die Erledigung der vielen Formalien machen, die so ein Nachwuchs mit sich bringt. Ist das Baby erst einmal da, ist es nicht nur für viele wichtige Dinge zu spät, sondern es fehlt garantiert auch an Zeit und Muße, sich dem Amtsapparat zuzuwenden. Und weil das alles ohnehin schon zeitaufwändig genug ist, mache ich es jetzt kurz und bündig:

Hebamme, Klinik und Kinderarzt – je früher, desto besser

Insbesondere wenn Sie eine 1:1-Betreuung durch eine Beleghebamme, eine Geburtshaus- oder Hausgeburtshebamme wünschen, sollten Sie sich so früh wie möglich darum kümmern. Gleiches gilt für Vorsorge und Wochenbettbetreuung, welche Sie idealerweise bis zur 12. Schwangerschaftswoche organisiert haben sollten.

Auch die Anmeldung in der Klinik oder dem Geburtshaus Ihrer Wahl sollte bereits in den ersten Schwangerschaftsmonaten erfolgen, da viele Einrichtungen nur eine bestimmte Anzahl von Frauen pro Geburtenmonat annehmen.

Nicht ganz so dringend aber dennoch durchaus sinnvoll ist die frühzeitige Wahl eines Kinderarztes. Fragen Sie direkt nach, ob die Praxis noch Kapazität für Sie und Ihr Baby hat und diese bis zur Geburt frei hält.

Elternzeit – Planung ist alles

Nehmen Sie sich ausreichend Zeit, sorgfältig über die Gestaltung Ihrer Elternzeit nachzudenken. Wer nimmt wann wie viel? Sobald Sie eine Entscheidung getroffen haben, reichen Sie den Elternzeitantrag beim Arbeitgeber ein. Selbständige Eltern sollten sich ebenfalls einen genauen Plan machen und ggf. eine Vertretung organisieren.

Papierkram vorbereiten

Von der Geburtsurkunde übers Elterngeld (Plus) bis hin zum Kindergeld müssen diverse schriftliche Anträge ausgefüllt und eingereicht werden. Dafür wird Ihnen nach der Geburt mit hoher Wahrscheinlichkeit sowohl die Lust, als auch die Konzentration fehlen. Bereiten Sie deshalb alle erforderlichen Anträge und Formulare so weit vor, dass nur noch Name und Geburtstag Ihres Kindes eingetragen werden müssen. Markieren Sie die noch offenen Stellen mit Klebezetteln, damit Sie später nicht lange danach suchen müssen und stecken Sie alle Unterlagen in adressierte und frankierte Umschläge. So müssen Sie nach der Geburt nur noch die markierten Stellen ausfüllen, die Umschläge zukleben und abschicken.

Geburtsurkunde

Oftmals meldet die Klinik das Neugeborene direkt beim zuständigen Standesamt. Andernfalls erhalten Sie von der Hebamme oder der Klinik einen Nachweis, mit dem Sie Ihr Kind selbst beim Standesamt anmelden müssen. Das Kind muss binnen sieben Tagen nach der Geburt an dem Ort angemeldet werden, an dem es geboren wurde. Und dafür benötigen Sie folgende Unterlagen:

  • die Bescheinigung der Geburt von einem Arzt oder Ihrer Hebamme
  • einen gültigen Personalausweis oder Reisepass von beiden Elternteilen
  • Geburtsurkunden beider Elternteile
  • bei miteinander verheirateten Eltern:
    • Eheurkunde oder ein beglaubigter Ausdruck aus dem Eheregister
  • bei nicht miteinander verheirateten Eltern:
    • Erklärung über die Vaterschaftsanerkennung
    • ggf. eine Sorgerechtserklärung

Die fertige Geburtsurkunde können Sie sich zusenden lassen oder direkt in Amt oder Krankenhaus abholen. Denken Sie daran, ausreichend viele Exemplare zu bestellen.

Kindergeld

Den Antrag für Kindergeld können Sie sich online ausdrucken oder im zuständigen Jugendamt abholen. Diesen reichen Sie beim Jugendamt zusammen mit der Geburtsurkunde ein, sobald Sie diese erhalten haben.

Mutterschaftsgeld

Mutterschaftsgeld können Sie frühestens sieben Wochen vor dem mutmaßlichen Geburtstermin bei der gesetzlichen Krankenkasse oder dem Bundesversicherungsamt beantragen. Sie benötigen hierzu eine Bescheinigung von Ihrem Frauenarzt oder Ihrer Hebamme über den errechneten Geburtstermin.

Elterngeld

Elterngeld wird maximal drei Monate rückwirkend bezahlt, weshalb Sie diesen Antrag möglichst schnell bei der Elterngeldstelle des Jugendamtes stellen sollten. Sie benötigen das ausgefüllte Formular, die Geburtsurkunde Ihres Kindes sowie Nachweise vom Arbeitgeber (Formblatt) über das Einkommen des letzten Jahres.

Versicherungen prüfen

Die Gründung einer Familie verändert so einiges. Das wirkt sich auch auf den Bedarf an Schutz und Zukunftssicherung aller Beteiligten aus. Deshalb empfiehlt sich vor der Geburt Ihres Kindes eine Überprüfung aller bestehenden oder vielleicht auch neu benötigten Versicherungen – für Sie und Ihr Baby.

In der gesetzlichen Krankenkasse ist das Kind über ein Elternteil familienversichert oder es wird privat versichert. Fragen Sie bei Ihrer Krankenversicherung nach, welche Regelungen und Konditionen für Sie und Ihre Familie möglich sind.

Weiterhin sollte eine Privathaftpflichtversicherung bestehen, die auch Ihr Kind absichert. Für den persönlichen Schutz Ihres Kindes ist eine Unfallversicherung ratsam. Denken Sie auch darüber nach, mindestens für den Versorger in Ihrer Familie eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen.

Rücken freihalten (lassen)

Damit Sie ganz entspannt die besondere Zeit nach der Geburt genießen können, noch ein paar Tipps am Rande:

  • Füllen Sie vor der Geburt den Vorratsschrank auf, sorgen Sie für reichlich vorgekochtes Essen im Tiefkühlfach und suchen Sie die Nummern der örtlichen Lieferdienste heraus.
  • Bitten Sie Familie und Freunde, statt des zwölften Strampelanzugs, lieber gekochtes Essen mitbringen oder für Sie einzukaufen.
  • Vielleicht wäre auch eine Haushaltshilfe oder Mütterpflegerin eine sinnvolle Unterstützung. Die Kosten dafür werden unter bestimmten Voraussetzungen von der Krankenkasse erstattet. Erkundigen Sie sich vorab, ob das für Sie infrage kommt und nehmen Sie schon einmal Kontakt mit einem entsprechenden Dienst auf.

„Nur noch“ Eltern sein

Wenn Sie alle diese bürokratischen Hürden erfolgreich genommen haben, dürfen Sie sich ganz dem Elternglück hingeben. Viel Freude!

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