Vom Fahrrad zum E-Bike – Umbau erlaubt?

E-Motor dran und Abfahrt?! So einfach ist das leider nicht mit der Umrüstung eines normalen Fahrrads zum E-Bike. Diverse Sicherheitsaspekte sind zu beachten. Und nicht alles ist erlaubt!

Die Umrüst-Idee: Interessant

Sie wissen ja: Ich bin passionierte Mountainbikerin. Und wenn ich mit meinem Bike mal wieder so eine schier unbezwingbare Steigung hinaufaste, ja, dann kann selbst ich mich schon mal beim Wunsch nach einer dezenten Antriebshilfe ertappen. Nun ist für mich das Rad eher Sportgerät, als tägliches Fortbewegungsmittel. Ein E-Bike wäre für mich also wie eine mit Helium gefüllte Hantel. Außerdem liebe ich mein Rad. Aber müsste ich denn überhaupt ein neues kaufen? Kann man so was, also einen zusätzlichen Elektroantrieb, nicht einfach nachrüsten? Meine Neugier ist geweckt.

Die Umsetzung: Gefährlich und teuer

Ich nehme das Wichtigste gleich mal vorweg: Wer versucht, sein Rad auf eigene Faust mit einem Motor nachzurüsten lebt nicht nur gefährlich, sondern verliert auch jeglichen Garantie- sowie Haftungsanspruch. Aber selbst spezialisierte Händler tun sich schwer mit der Umrüstung. Die Gründe:

Höhere Materialbelastung

Natürlich ist der Gedanke verlockend, seine geliebte „alte Möhre“ dank E-Antrieb künftig nur mit der halben Muskelkraft bewegen zu können. Aber Vorsicht … Bauteile, die für ein „normales“ Fahrrad entwickelt wurden, sind für ein E-Bike oftmals nicht geeignet. Dies gilt bereits für fabrikneue Teile und Räder. Soll ein gebrauchtes Rad umgerüstet werden, wird es noch unsicherer, da man nicht sagen kann, wie stark die Ermüdung von Rahmen, Gabel, Lenker oder anderen sicherheitsrelevanten Bauteilen bereits ist.

Mehr Bremsenkraft gefragt

Berg rauf macht mit E-Antrieb richtig Spaß. Wenn es dann allerdings wieder runter geht, müssen das Mehrgewicht von Antrieb und Akku sowie die erhöhte Durchschnitts- und Höchstgeschwindigkeit sicher abgebremst werden. Dem sind nur spezielle Bremsen gewachsen, wie beispielsweise hydraulische Felgenbremsen oder Scheibenbremsen.

Rechtslage heikel

Sobald ein Händler den Umbau eines Fahrrads zum E-Bike vornimmt, wird er zum Hersteller des Gesamtprodukts – und übernimmt damit auch die Gewährleistungspflicht. Die Produzentenhaftung gilt dabei zehn Jahre.

Ich fasse mal zusammen. Selbst wenn ich sämtliche sicherheitsrelevanten Teile an meinem geliebten Velo durch neue ersetzen und zudem neue Bremsen verbauen lassen, bin ich mit der Nachrüstung eines E-Antriebes nicht auf der sicheren Seite. Und der Händler auch nicht. Hmm… Dann doch lieber ein neues kaufen.

Aber mein E-Bike kann ich doch tunen?

Auch hier muss ich die passionierten Bastler unter Ihnen leider enttäuschen. Selbst wenn Sie schon ein E-Bike oder Pedelec besitzen, ist dringend davon abzuraten, in Sachen Geschwindigkeit nachzurüsten. Das ist zwar ebenso einfach wie günstig machbar, kann aber fatale Folgen haben.

Die Rechtslage

E-Bikes bis 25 km/h sind per Gesetz normale Fahrräder. Fährt das Rad schneller, wird es zum Kraftfahrzeug. Damit sind eine Kfz-Haftpflichtversicherung, eine Überprüfung beim TÜV zum Erhalt einer Betriebserlaubnis und eine besondere Ausstattung, wie beispielsweise Nummernschild, zusätzliche Reflektoren, Spezielle Reifen und Rückspiegel, Pflicht.

Es gibt viele Gründe, die gegen ein eigenhändiges Tuning des eigenen E-Bikes oder Pedelecs sprechen. Hier nur die wichtigsten:

Das Material gibt nach.

Je höher die Geschwindigkeit, desto extremer die Beanspruchung aller Teile, insbesondere aber von Bremsen, Rahmen, Lenker und Gabel. Diese sind für höhere Geschwindigkeiten nicht ausgelegt und können brechen.

Tuning ist eine Straftat.

Verstöße gegen die oben genannten Pflichten sind eine Straftat und können mit empfindlichen Geldstrafen sowie sechs Monaten Gefängnis geahndet werden.

Es besteht kein Versicherungsschutz.

Jede Privathaftpflichtpolice enthält eine Ausschlussklausel für Kraftfahrzeuge. Für Schäden beispielsweise durch einen Unfall werden Sie also direkt haftbar gemacht.

Bitte bleiben Sie sicher!

Liebe Freizeitschrauber, bitte verlegen Sie sich beim Tunen und Pimpen auf den Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen. Und des gesunden Menschenverstandes. Halten Sie grundsätzlich Ihre Fahrräder in Schuss, überprüfen Sie regelmäßig alle Teile auf volle Funktionsfähigkeit und denken Sie bitte auch daran, sich für den Fall eines Unfalls ausreichend abzusichern. Zum einen für Schäden, die Sie bei anderen verursachen  und zum anderen mit einer privaten Unfallversicherung, die Sie – im Gegensatz zur gesetzlichen Absicherung – auch auf Fahrten in Ihrer Freizeit schützt.

Ich für meinen Teil freue mich schon auf meine nächste Mountainbike-Tour über Stock und Stein, durch Matsch und Sand, bergauf, bergab – und das alles mit eigener Muskelkraft. Einziges Tuning: der Power-Nuss-Riegel zwischendurch. Und wenn es dann doch mal mit E-Antrieb sein soll, erfahren Sie es als erste – in Form eines knackigen Kaufratgebers. Bis dahin wünsche ich allzeit gute Fahrt!

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