Energie sparen: Kleine Maßnahmen, die große Wirkung zeigen

Wer die Energiekosten der Immobilie senken möchte, muss nicht unbedingt eine Rundum-Sanierung angehen. Auch kleine Maßnahmen können viel bewirken.

Fakt ist, ältere Immobilien verbrauchen meist reichlich Energie. Viele Altbauten sind schlecht gedämmt und mit betagten Heizungsanlagen ausgestattet.

Gegensteuern können Eigentümer bereits mit überschaubaren Investitionen. „Es muss nicht immer eine umfangreiche Sanierung zum Niedrig-Energiehaus sein“, sagt der Hamburger Energieberater Michael Hell. „Manche Maßnahmen rechnen sich sogar schon  nach einem Jahr“, so Karin Merkel von der Verbraucherzentrale Niedersachsen.

Am Anfang steht die Energieberatung. „Man muss immer den Einzelfall betrachten, eine allgemeine Empfehlung gibt es nicht“, erklärt Heike Marcinek, Projektleiterin Energieeffiziente Gebäude bei der Deutschen Energie-Agentur (Dena). Eine Liste von Experten ist beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) abrufbar (www.bafa.de). Obendrein bezuschusst die Behörde die Gebäudeanalyse.

Einen günstigen zweistündigen Gebäudecheck vor Ort bieten alternativ die Verbraucherzentralen. Auch hier identifizieren Experten wichtige Stellschrauben für Einsparungen und geben Hinweise zu sinnvollen Maßnahmen. Energieberater Hell stößt bei seinen Untersuchungen immer wieder auf undichte Fenster und Türen. Hier lassen sich neue Fugendichtbänder etwa zwischen Fenster und Rahmen anbringen. Vorab reicht ein schneller Test: einen Papierstreifen ins geöffnete Fenster legen, lässt sich dieser nach dem Schließen locker hin und her bewegen, dringt zu viel Kälte durch die Ritzen. „Fugendichtbänder gibt es in jedem Baumarkt“, sagt Hell. Auch die Bodenklapptreppe sollte man bei Bedarf mit Dichtbändern versehen.

Wärme halten

„Das Dämmen von alten Rollladenkästen bringt in der Regel ebenfalls einiges“, erklärt Merkel. Sie sind häufig gar nicht isoliert. Styropor oder spezielle Systeme aus dem Fachhandel können hier schnell Abhilfe schaffen.

Viel Wärme entfleucht auch durch die dünne Wand in der Nische hinter den Heizkörpern. „Ideal sind hier alubeschichtete Dämmplatten, die die Strahlungswärme in den Raum reflektieren“, so Marcinek.

Schnell erledigt ist das Isolieren von Heizungsleitungen, die durch den kalten Keller führen. Dazu eignen sich gut spezielle Dämmschalen. „Sie müssen den passenden Innendurchmesser aufweisen, und zwischen den einzelnen Elementen darf kein Zwischenraum entstehen“, erläutert Hell. Außerdem sollten Rohrleitungen auf kleine Lecks überprüft werden, denn ein Druckverlust frisst Energie. Bei dieser Gelegenheit bietet es sich auch an, den Installateur zu bitten, die Heizung je nach individuellem Bedarf zu programmieren. So können etwa eine Nachtabsenkung oder die Anpassung der Leistung an die Jahreszeiten sinnvoll sein. Eine regelmäßige Wartung der Anlage erhöht die Effizienz.

Programmierbare Thermostatventile sorgen ebenfalls für die richtige Temperatur in den Räumen – angepasst an die individuellen Bedürfnisse und Gewohnheiten. Am Tag während der Woche läuft die Heizung damit auf niedrigem Niveau, kurz vor Feierabend fährt sie hoch. Einige Thermostatventile registrieren auch ein plötzliches Absinken der Temperatur bei offenem Fenster und schalten dann ganz ab. „Inzwischen verkaufen die Hersteller auch per Smartphone steuerbare Modelle“, sagt Hell. Dies biete sich vor allem bei unregelmäßigen Arbeitszeiten an. Er rät jedoch auch während der Abwesenheit zu einer Temperatur über 15 Grad. „Sonst kühlen die Räume stark aus, und das Aufheizen wird unterm Strich zu teuer“, so der Energieberater.

Pumpe tauschen

Auch sonst hilft die Aufrüstung einer in die Jahre gekommenen Anlage. So verpulvert eine alte Heizungspumpe, die immer mit gleicher Drehzahl arbeitet, ordentlich Energie. „In einigen Häusern läuft sie Tag und Nacht das ganze Jahr ohne Pause“, sagt Hell. Dann könne der Austausch gegen eine moderne elektronische Pumpe (Kosten: ca. 350 Euro) in einem Einfamilienhaus schnell mehr als 100 Euro im Jahr sparen.

„Um das Optimum herauszuholen, den Austausch am besten mit einem hydraulischen Abgleich kombinieren“, rät Marcinek. Der kann sich ohnehin lohnen, denn oft funktioniert die Regelung nach längerem Betrieb nicht mehr einwandfrei, und die Anlage läuft ineffizient. Beim Abgleich der Hydraulik werden die Komponenten des Heizsystems so aufeinander abgestimmt, dass möglichst wenig Energie verloren geht. Jeder Heizkörper läuft dann mit dem richtigen Druck und erhält so viel Wasser, wie er tatsächlich benötigt. „Die Kosten für den Abgleich liegen etwa zwischen 400 und 800 Euro“, sagt Hell. Das rechne sich in der Regel frühestens nach fünf Jahren. Bei voreinstellbaren Thermostatventilen ist der Abgleich jedoch deutlich billiger.

Günstige Dämmung

Oder doch gleich ein neuer Brenner? Dies sollte am besten ein Fachmann beurteilen. Insbesondere bei Uraltheizkesseln kann sich der komplette Austausch rechnen. „Alte Heizkessel sind nicht selten zu groß dimensioniert und arbeiten ineffizient“, sagt Marcinek. Insbesondere, wenn bereits umfangreichere Dämmmaßnahmen am Haus vorgenommen wurden.

Grundsätzlich gilt: Bei mehr als 20 Jahre alten Modellen rentiert sich der Austausch immer, denn sie nutzen die Energie ungenügend und verbrauchen zu viel Strom. Ein moderner Brennwertkessel für ein Einfamilienhaus kostet etwa zwischen 5000 und 8000 Euro.

„Steht kurzfristig noch eine Sanierung der Gebäudehülle an, sollte bis dahin der Einbau einer neuen Heizung warten“, rät Marcinek. Die Leistung des Kessels kann dann auf die neuen Rahmenbedingungen abgestimmt werden.

Beim Wort Dämmung denken viele an ausufernde Ausgaben. Aber auch hier gibt es einfache Lösungen, die wirken. „Die Dämmung der obersten, nicht begehbaren Geschossdecke rechnet sich meist relativ schnell“, sagt Hell – und ist in vielen Fällen ohnehin vorgeschrieben. Günstigste Variante ist das Ausrollen von Mineralwolle. Ein Steg z.B. aus Holz dient dann als Weg, etwa um den Schornstein zu erreichen. Die Materialkosten liegen in der Regel bei ca. 15 Euro pro Quadratmeter.

Für die Dämmung der Kellerdecke muss das erforderliche Material passgenau zugeschnitten, verklebt und gedübelt werden. Ganz billig ist das nicht: Pro Quadratmeter muss man dafür rund 45 bis 80 Euro inklusive Handwerkerleistung rechnen. Die Amortisationszeit der Investition beträgt durchschnittlich zehn Jahre. „Doch die Dämmung rechnet sich und bringt zusätzlich einen echten Komfortgewinn“, sagt Merkel.

Falls das Budget für eine kleinere Maßnahme nicht ausreichen sollte, finden Sie unkomplizierte und schnelle Lösungen hier.

3 Kommentare

  1. Hallo,
    welche Möglichkeiten hätte ich denn als Besitzer einer Nachtstromanlage?

    Außerdem wird auch noch mit Holz geheizt.

    Vielen Dank

    mit freundlichen Grüßen
    Friedrich-W. Fritz

    1. Hallo Herr Fritz,

      für einen speziellen Fall einen konkreten Tipp zu geben, ist schwierig. Da macht es Sinn, einen Experten zu bitten, sich Ihre Situation genau anzusehen.
      Experten finden Sie z.B. beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA): http://www.bafa.de/bafa/de/energie/energiesparberatung/index.html. Oder Sie wenden sich an eine Verbraucherzentrale, die bieten i.d.R. günstige Gebäudechecks an.

      Viel Erfolg und viele Grüße
      Frank Grunwald

  2. Wir sind vor einem halben Jahr in ein relativ altes Haus gezogen und bei uns waren die Fenster undicht. Den Test mit den Papierstreifen haben wir auch gemacht und dann die jeweiligen Stellen abgedichtet. Der Unterpunkt „Wärme halten“ finde ich auch extrem wichtig. Wir haben hinter unseren Heizkörper auch nochmal isoliert. Die anderen Punkte hier im Blog sind aber auch sehr interessant =) Danke!

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