Anonym surfen – geht das überhaupt?

Wir lieben das Internet. Das Netz der unbegrenzten Möglichkeiten liefert allerdings auch Datenfischern genau das: schier unbegrenzte Möglichkeiten. Für alle, denen ihre Privatsphäre lieb ist, heißt es hier aktiv gegensteuern. So schwer es auch fällt.

Und wieder blinken neben der Eingabemaske meines Onlinewörterbuches diverse Anzeigen für Fahrradschuhe. Genau das Modell, nach dem ich vergangenes Wochenende intensiv online gesucht hatte. Das nervt nicht nur, es macht mir sogar etwas Angst. Denn es bedeutet, dass irgendwer weiß, wonach ich im Internet gesucht habe. Ganz privat von meiner heimischen Couch aus. Und diese Information wurde nicht nur still und heimlich gesammelt, sondern auch sogleich verkauft. In diesem Falle offensichtlich an Amazon. Das fühlt sich an, als würde ich rund um die Uhr digital observiert – und dieses Gefühl gefällt mir ganz und gar nicht. Wie geht’s Ihnen dabei?

Ich habe nichts zu verbergen

„Wen interessiert mein Gesurfe schon?“ fragen Sie. Sie würden sich wundern! Nicht nur Ihre Kreditkartennummern und Kontodaten sind für Kriminelle interessant, sondern auch so vermeintlich banale Informationen, wie beispielsweise die Buchung eines Zugtickets – denn in dieser Zeit sind Sie schließlich nicht zu Hause. Zudem lassen sich Handynummern und Mailadressen ganz wunderbar nutzen, um sie mit Schadprogrammen zu befeuern oder sie schlicht und einfach zu verkaufen.

Auch Marketingunternehmen wollen möglichst viel über Sie erfahren. Von Schuh- und Kleidergröße über Lieblingsmusik und Film-Top-Ten bis hin zu jeder Glühbirne, Hundeleine oder Designer-Couch, die Sie sich über das Internet bestellen. Nur um Sie zum „gläsernen Konsumenten“ zu machen, dem man immer gezieltere Angebote auf den digitalen Leib schneidern kann.

Schützen Sie Ihre Privatsphäre

Beim anonymen Surfen geht es nicht darum, Zwielichtigkeiten oder gar kriminelle Handlungen im Internet zu verschleiern. Es geht darum, anderen nicht allzu leichtfertig Zugang zu den eigenen Daten zu gewähren. Und das ist, wie sich nach einiger Recherche herausstellte, zwar nicht unmöglich aber insbesondere für Otto-Normal-Verbraucher wie mich auch nicht gerade einfach.

Dreh- und Angelpunkt: Die IP-Adresse

Jedes Gerät, das im Internet unterwegs ist, tut dies unter einer bestimmten IP-Adresse. Diese Zahlenfolge identifiziert das Gerät eindeutig und ermöglicht somit den Empfang von Datenpaketen von Servern im Netz – oder einfach gesagt: den Aufruf einer Webseite, das Streamen von Musik und so weiter.

Anhand dieser IP-Adresse erkennt man Ihren ungefähren Standort sowie den Internet-Provider, über den Sie online sind. Eine Information, die an jede Webseite, die Sie aufrufen, automatisch übermittelt wird.

Eindeutig identifizierbar werden Sie in Kombination mit den von Ihrem Provider gespeicherten Bestands- und Verbindungsdaten. Die Bestandsdaten umfassen sämtliche zur Anmeldung Ihres Anschlusses erforderlichen Daten von Anschrift über Kontoverbindung bis hin zu sämtlichen Kontaktdaten. Als Verbindungsdaten werden darüber hinaus die IP-Adresse gespeichert, die Ihnen zugewiesen wurde, die exakten Verbindungsdaten sowie die Menge der übertragenen Daten.

Laut Telemediengesetz dürfen sämtliche dieser Daten „für Zwecke der Strafverfolgung, zur Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben der Verfassungsschutzbehörden des Bundes und der Länder, des Bundesnachrichtendienstes oder des Militärischen Abschirmdienstes“ herausgegeben werden. Das gilt seit Juli 2013 sogar schon bei möglichen Bagatelldelikten.

Cookies, Flash & Fingerabdruck

Sie sollen unser Surferlebnis komfortabler machen – und liefern dabei so ganz nebenbei wichtige Informationen an Webseitenbetreiber: Cookies. Diese kleinen Dateien werden beim ersten Besuch einer Webseite auf Ihren Rechner geladen und kommunizieren bei jedem weiteren Besuch mit ihrer Herkunftsseite. Sie werden also sofort erkannt, wenn Sie die Seite ein zweites Mal besuchen. So weit, so gut. Allerdings gibt es hier schwarze Schafe, die sogenannten Tracking-Cookies, welche Ihr Surfverhalten verfolgen und diese Informationen an deren Besitzer übermitteln.

Aber nicht nur die Webseiten hinterlassen etwas bei Ihnen, auch Sie hinterlassen etwas im Netz: einen Fingerabdruck. Webseiten nutzen die Informationen, die Ihr Browser preisgibt, um ein genaues Profil Ihrer Einstellungen zu erstellen: Browsername, Browserversion, Betriebssystem, Zeitzone, Bildschirmdaten, installierte Plug-ins, Schriftarten usw. bilden in ihrer Gesamtheit eine nahezu einzigartige Konfiguration, der als Browser-Fingerabdruck bezeichnet wird. Beim nächsten Besuch der Webseite werden Sie an genau diesen Daten wiedererkannt. Ganz gleich, ob Sie vorhandene Cookies gelöscht oder mit einer neuen IP-Adresse unterwegs sind.

IP-Adresse verschleiern!

Wer vermeiden möchte, dass Informationen über den eigenen Standort und Provider für Jedermann so einfach zugänglich sind, kann seine IP-Adresse verschleiern. Hierbei wird die Verbindung über einen oder mehrere Server umgeleitet. Etwa wie ein Nachsendeauftrag. Ähnlich wie bei diesem Sinnbild verzögert sich die Verbindung allerdings hierbei entsprechend.

Der TOR-Browser ist die eine Möglichkeit, Ihre IP-Adresse unkenntlich zu machen. Dieser Browser schickt Ihre Verbindung durch ein ganzes Netzwerk von Servern, bevor die tatsächliche Seite angefragt wird – unter der IP-Adresse des letzten Servers.

Eine andere Möglichkeit bieten sogenannte VPN-Dienste, wie beispielsweise HideMyAss, CyberGhost oder IPVanish, die auch als App für Ihr Smartphone erhältlich sind. Diese Dienste verwenden Proxy Server, also einzelne Server, über die eine verschlüsselte Internet-Verbindung mittels VPN (Virtual Private Network) hergestellt wird.

Vor allem beim Surfen über öffentliche WLANs sollten Sie auf einen VPN-Dienst setzen. Unverschlüsselte Daten können hier von anderen Nutzern sehr leicht ausgelesen und Sie um einige Privatsphäre erleichtert werden.

Browser richtig einstellen!

Für mehr Anonymität sorgen die richtigen Datenschutz-Einstellung Ihres Browsers. Wenn diese auch für Webseiten nicht gesetzlich bindend sind, dann doch wenigstens ein deutliches Zeichen.

Auch Funktionen wie „Privates Surfen“ oder „Privater Modus“ helfen dabei, unerkannt durch Netz zu surfen. Je nach Browser unterdrückt dieser Modus die Speicherung von besuchten Seiten, Sucheinträgen, Formulardaten, Cookies, temporären Internetdateien und Download-Chronik. Die IP-Adresse wird aber natürlich weiterhin übermittelt.

Suchmaschinenoptimierung mal anders

Hier können auch alternative Suchdienste helfen, sich anonymer im Internet zu bewegen. Während Google sämtliche Suchanfragen direkt mit dem Google-Konto verknüpfen kann, speichern alternative Dienste, wie beispielsweise Scroogle, IxQuick und StartPage die persönlichen Nutzerdaten nicht oder nutzen eine Anonymisierung.

Ausloggen bei Google & Co.

Google und Facebook sind als notorische Datensammler bekannt. Das gewaltige Ausmaß dieser Sammlung ist allerdings nicht allen Nutzern bewusst. Nehmen wir Facebook: der blaue Riese registriert, mit wem Sie wann und wie über das soziale Netzwerk Kontakt hatten, welche Bilder Sie angesehen und welche Nachrichten Sie im Chat verschickt haben. Das ist schon irgendwie gruselig aber längst nicht alles. Denn über die inzwischen auf Millionen Seiten integrierten Like-Buttons kann Facebook darüber hinaus feststellen und speichern, welche Seiten der eingeloggte User im Internet besucht hat. Gleiches gilt für Google. Also lautet die Anonymitäts-Devise: Erst ausloggen, dann weiter surfen!

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