Interview mit BVB-Star Gonzalo Castro

Sicherlich nicht nur für Fußball-Fans spannend: persönliche Einblicke in den Alltag, die Sorgen und das Bauchgefühl eines BVB-Profis.

Mit Leib und Seele Fußballer! So lässt sich Gonzalo Castro wohl am treffendsten beschreiben. Der seit rund 1,5 Jahren beim BVB unter Vertrag stehende Mittelfeldspieler kickt schon seit seinem vierten Lebensjahr. Mit 17 Jahren wurde er dann zum Profi. Ein Vollblut-Fußballer, der seinen Traum lebt. Das merkt man ihm auch an.


Das ganze Interview hier im Video.

Wer war in Kindestagen Ihr Idol und wie steht Ihre Familie zu Ihrer Berufswahl?

Mein Idol war Redondo, der hat in Madrid gespielt auf der gleichen Position, auf der auch ich spiele. Er war eher unscheinbar, ist in den großen Namen von Madrid etwas untergegangen aber es hat einfach Spaß gemacht, ihm zuzuschauen. Meine Familie hat mich gut unterstützt (schmunzelt). Klar war die Mutter erst mal sehr skeptisch, wollte, dass ich die Schule zu Ende mache. Aber als es dann immer ernster wurde und ich tatsächlich Profifußball gespielt habe, war´s für meine Mama auch klar, dass mein Hobby zum Beruf wurde.

Beschäftigt oder belastet Sie das Risiko, sich beim Training oder Spiel zu verletzen?

Ehrlicherweise beschäftigt mich das nicht. Wir spielen Fußball, um Fußball zu spielen. Deshalb versuchen wir, keine Gedanken daran zu verschwenden, dass man sich dabei verletzen kann. Klar gehören Verletzungen dazu, es kann immer etwas passieren. Ob nun eigenverschuldet oder fremdverschuldet, das ist egal. Wenn Du jetzt nur daran denkst, Dich nicht zu verletzen, verletzt Du Dich glaube ich eher, als wenn Du einfach drauf los spielst und es so nimmst, wie es kommt. Deswegen mache ich mir nicht so viele Gedanken darüber.

Waren Sie schon einmal verletzt und wie schnell waren Sie wieder auf den Beinen?

Ich hatte einige Verletzungen. Mehr muskulär, das sind dann so um die drei Wochen, eine Schulterverletzung hat mal vier gedauert. Aber zum Glück – toi toi toi – sind mir die großen Verletzungen bis jetzt erspart geblieben.

Wie steht es in anderen Lebensbereichen? Scheuen oder suchen Sie eher das Risiko? 

Es kommt drauf an. Man muss die Sachen ja nicht herausfordern, aber halt auch immer den Moment leben. Wenn man zum Beispiel im Urlaub ist, möchte man ja auch mal vom Fußball abschalten. Da macht man dann auch mal das eine oder andere, was vielleicht ein wenig gefährlicher ist, was man in der Saison nicht gerade machen würde.

Und in finanzieller Hinsicht?

Man kann natürlich auch nicht blind einfach irgendwelche Gebäude kaufen. Da ist immer Risiko dabei. Andererseits kann man ja auch nicht ängstlich durchs Leben laufen, da hätte man ja gar keinen Spaß dran. Ich habe selbst investiert in zwei Wohngebäude nahe Köln. Bis jetzt ist zum Glück alles gut gelaufen, alles vermietet. Aber klar gibt es immer Risiken dabei. Dass man ein Darlehen aufnimmt und sich dann verletzt, also kein regelmäßiges Gehalt mehr bekommt. Darüber sollte man sich zwar Gedanken machen aber nicht seine Zeit damit verschwenden, sich damit verrückt zu machen. Man sollte es nehmen, wie es kommt.

Wie war das als Kind – lieber gehockt vom Beckenrand gesprungen oder gleich kopfüber vom 5er? 

(lacht) Leider eher letzteres zum Leidwesen meiner Mama. Die hat immer etwas Angst gehabt aber darüber machst Du Dir als Kind einfach keine Gedanken. Ich kenne kein Kind, das sich davor scheut, irgendwelche Sachen zu machen, wo Du als Erwachsener denkst „Oh, das kann aber schief gehen“.

Wenn Sie sich fragen „Ist diese Chance das Risiko wert?“, beantworten Sie diese Frage eher mit dem Kopf oder mit dem Bauch?

Eher aus dem Bauch. Bei so was muss man direkt entscheiden, sonst fängst Du an zu überlegen und dann überlegst Du drei, vier Mal und dann am Ende, denke ich, machst Du’s dann doch nicht. So was musst Du eher spontan und aus dem Bauch heraus entscheiden.

Was hat Fußball, was andere Sportarten nicht haben?

Ich glaube, dass der Fußball immer attraktiver und immer schneller wird. Es wird den Fans jedes Wochenende egal bei welchem Spiel sehr, sehr viel geboten. Und wir haben großartige Stadien in Deutschland. Wenn man die anderen Länder sieht, da sind die Stadien halt nicht ausverkauft. Bei uns sind, bis in die dritte Liga, alle Spiele ausverkauft.

Haben Sie sich das Leben und Arbeiten als Fußball-Profi so vorgestellt?

(lacht) Mir war relativ früh klar, dass ich Fußballprofi werden will. Ob man es nun schafft oder nicht, ob man das gewisse Glück dann hat, das weiß man ja nicht. Klar habe ich nebenbei noch eine Ausbildung gemacht als Sport- und Fitnesskaufmann. Aber für mich war im Hinterkopf immer klar, dass ich halt Fußballprofi werde. Die Ausbildung habe ich eher gemacht, damit meine Mama ein bisschen beruhigter ist. (kichert)

Was tun Sie, um Ihr „Kapital Körper“ zu erhalten?

Tägliches Training, Behandlungen, Vor- und Nachbereitung beim Training, gesund ernähren, viel schlafen. Alle Sachen, die halt dazugehören, vor allem wenn man ein bisschen älter wird, seinen Körper wieder schnell fit zu bekommen. Wir spielen alle drei Tage, das kostet Substanz über die ganze Saison.

Wie sieht der Alltag eines Profispielers aus?

Ich stehe meistens um 8.00 Uhr auf, mache mich fertig, füttere den Hund, lasse ihn kurz raus und dann fahre ich zum Training. Dort frühstücke ich mit den Jungs zusammen und bereite mich gegen halb 10.00 Uhr im Kraftraum auf das Training vor. Entweder wir haben dann eine Einheit, die drinnen stattfindet im Kraftraum oder wir gehen direkt raus. Dann ist es umso wichtiger, die Muskeln schon etwas aufgewärmt zu haben. Meist trainieren wir eine bis eineinhalb Stunden, danach geht es wieder zum Ausrollen und Krafttraining in den Kraftraum und in die Erholung für den Körper. Wenn wir nicht gerade noch ein Spiel haben, geht es dann noch in die Sauna, Kältebecken noch mitnehmen und dann wird oben noch zusammen gegessen. Das ist immer ein toller Abschluss.

Haben Sie schon an das Leben nach Ihrer Profi-Karriere gedacht?

Noch nicht so richtig. Ich habe eine Tendenz aber erst mal läuft hier mein Vertrag noch zwei Jahre. Außerdem will ich noch ein bisschen kicken, so lange mein Körper das zulässt. Ich denke, dass ich mir in ein, zwei Jahren richtig Gedanken machen werde, wenn ich ungefähr weiß, der Körper macht’s nicht mehr mit, das reicht nicht mehr oder die Motivation ist dann vielleicht nicht mehr wie am Anfang. Dann mache ich mir ernsthafte Gedanken, was ich nach der Karriere machen werde.

Bitte vervollständigen Sie die folgenden Sätze:

Das größte Risiko meines Lebens war/ist … die Investition in die Wohnungen. Die habe ich relativ früh getätigt und das war auch so eine risikobehaftete Entscheidung aber bis jetzt ist alles gut gegangen.

Die größte Chance meines Lebens war/ist … (ohne zu zögern) Profi zu werden. Die Chance, die ich bekommen habe von Klaus Augenthaler, in dem Trainingslager zu zeigen, dass ich bereit bin, bei den Profis zu spielen. Ich denke, das war die größte Chance, die ich dann genutzt habe.

Es sollte dringend eine Versicherung gegen … gegen schlechte Presse … erfunden werden!

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