Deutschland knirscht – Sie auch?

Es knirscht und mahlt in Deutschlands Schlafzimmern. Da kann man noch so eifrig seine Zähne pflegen – wer knirscht, schadet seinen Zähnen. Und das meist ohne es selbst zu merken. So kommen Sie dem Knirschen auf die Schliche.

Zähne zusammenbeißen und durch da! Das nimmt laut Deutscher Zahnärztekammer etwa jeder zweite Deutsche allzu wörtlich und entwickelt im Laufe seines Lebens einen Bruxismus. So nennt man das zwanghafte Knirschen mit den Zähnen. Diese neue Volkskrankheit betrifft Frauen etwas häufiger als Männer und tritt meist in der turbulenten Lebensphase zwischen 35 und 45 auf.

Was ist am Knirschen so schlimm?

Das Problem: Der hauptverantwortliche Muskel für das Aufeinanderpressen der Kiefer ist einer der stärksten in unserem gesamten Körper. Hier wirken Kräfte von rund einer halben Tonne. Das bedeutet in erster Linie eine enorme Belastung für die Zähne selbst. Sie können herausbrechen oder systematisch „abgeschliffen“ werden. Die hohe Spannung in der Muskulatur kann allerdings auch zu weitreichenderen Dysbalancen führen. So gehören auch starke Schmerzen im Kiefergelenk, Verspannungen der Hals- und Nackenmuskulatur, Kopfschmerzen bis hin zur Migräne und sogar Tinnitus zu den Folgen ständigen Knirschens.

Knirschen Sie?

Sollten Sie solche oder ähnliche Symptome haben, lohnt sich der prüfende Blick auf die eigene nächtliche – bei manchen auch tägliche – Aktivität Ihres Kiefers. Tagsüber ist das natürlich etwas einfacher.

  1. Überprüfen Sie über den Tag verteilt in unterschiedlichsten Situationen die Haltung Ihrer Kiefer. Pressen Sie die Zähne aufeinander? Sind die Kaumuskeln angespannt?

Faustregel: Ihre Zähne sollten sich nur beim Kauen berühren. Sonst sollte Ihr Unterkiefer locker hängen.

  1. Wer sich nachts als Knirscher entlarven möchte, kann sich elektronische Hilfe holen. Die App „Do I Grind“ (leider nur auf Englisch erhältlich) liefert über die Analyse Ihrer Schlafgeräusche gute Anhaltspunkte.
  1. Fragen Sie Ihren Zahnarzt. Bruxismus hinterlässt oft schon nach kurzer Zeit sichtbare Spuren an Ihren Zähnen.

Ich knirsche – und nun?

Wer knirscht, sollte schleunigst handeln, um die unliebsamen Langzeitfolgen zu vermeiden.

1. Zahnarzttermin vereinbaren 

So gut wie alle Bruxismus-Patienten klagen über Stress im Alltag. Das kann Dauerstress sein, wie zum Beispiel die ständige Erreichbarkeit oder akuter Stress in einer bestimmten Lebenssituation. Auch verdrängte Aggressionen, Ärger, Sorgen, Trauer und Enttäuschung können sich auf knirschende Weise einen Weg ins Bewusstsein bahnen. Hier hilft ein aufmerksames in sich hineinhören und das Gespräch mit einem engen Vertrauten oder einem Psychologen/Psychiater. Weitere Ursachen können schlecht sitzende Füllungen, Kronen, Brücken oder Prothesen sein sowie kieferorthopädische Fehlstellungen. Dies kann der Zahnarzt überprüfen. Mitunter spielen auch Alkoholeinfluss und bestimmte Medikamente und Drogen eine Rolle.

2. Ursache finden

Die übliche Therapie von Bruxismus schließt eine Beißschiene ein. Diese wird nachts auf die Zähne gesetzt, um den weiteren Abrieb der Zähne zu verhindern. Die Ursache behebt diese Schiene allerdings nicht.

Ursache gefunden? Gegensteuern!

Je nach Ursache können Therapien bei Physiotherapeuten, Osteopathen und/oder Psychotherapeuten angezeigt sein. Folgen Sie hier den Empfehlungen Ihres Zahnarztes. Darüber hinaus können Sie natürlich auch selbst tätig werden, um Langzeitfolgen zu vermeiden.

Entspannung der Kaumuskeln

Die Therapie zielt unter anderem auf die Entspannung der Kiefermuskulatur ab. Dies beinhaltet sowohl die Massage der entsprechenden Muskeln, als auch gezielte Entspannungsübungen. Beides können Sie teilweise auch selbst durchführen. Wie zeigen Ihnen einige entsprechende Apps (zum Beispiel „Bruxismus Selbstbehandlung“) oder auch Bücher zu dem Thema.

 Stressreduktion

Es gibt die unterschiedlichsten Methoden, Stress zu reduzieren. Finden Sie die, die Ihnen persönlich am besten tut. Progressive Muskelentspannung? Autogenes Training? Yoga? Meditation? Probieren Sie es aus! Vergessen Sie nicht: Die wirkungsvollste Anti-Stress-Methode ist und bleibt Bewegung. Machen Sie also Sport und bauen Sie Ihren Stress aktiv ab.

 Erkrankung ernst nehmen

Nehmen Sie den Bruxismus nicht auf die leichte Schulter. Die möglichen Folgen sind enorm. Sollten Sie also den Verdacht haben, selbst ein „Knirscher“ zu sein, leiten Sie die erforderlichen Schritte ein und bewahren Sie sich vor den möglichen Langzeitfolgen.

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