Besser essen, besser gleich

Das Frühjahr klopft an. Dicke Mäntel weichen leichten Jacken, die nun nicht mehr verhüllen, wie es um unsere Ernährung über die kalte Jahreszeit bestellt war. Es wird höchste Zeit, sich bewusster zu ernähren – nicht nur der schlanken Linie zuliebe.

Ein Gericht mit frischem Gemüse ist schnell zubereitet.
Ein Gericht mit frischem Gemüse ist schnell zubereitet.

Ist es nicht gut, dass wir in einem der reichsten Länder der Erde leben? Hier kann jeder frei entscheiden, wie er sich ernähren möchte. Eigentlich müssten wir alle nur so vor Gesundheit strotzen. Doch schauen wir uns um. Übergewicht, Zivilisationskrankheiten und Nahrungsmittelunverträglichkeiten wohin man blickt. Fazit: Es mangelt nicht an Nahrung sondern am Wissen, was uns wirklich gut tut.

Was ist daran so kompliziert?

Zum einen macht das riesige Angebot der Supermärkte die Auswahl schwer. Typisch deutsche Fertiggerichte wie Roulade mit Rotkohl, Hackbraten mit Kartoffelpüree oder Kassler mit Kraut sind genau nach dem Geschmack des Ottonormalverbrauchers großindustriell gefertigt und helfen kaum, fit zu werden, selbst wenn Fitness auf der Packung draufsteht. Zum anderen schießen Fastfood-Läden und Coffee-Shops wie Pilze aus dem Boden und verführen zu immer mehr Genuss – leider nicht ohne Reue. Was noch hinzukommt ist, dass immer mehr Menschen an einer Laktose-Intoleranz leiden, wodurch sie den Milchzucker nicht aufspalten können, sodass es zu schmerzhaften Verdauungsbeschwerden kommt. Ebenso unschön ist, dass eine einseitige Ernährung durch Pizza, Burger, Pommes und Cola auf Dauer ins Gewicht fällt.

Wer die Wahl hat…

Im Buchhandel und im Internet herrscht eine unüberschaubare Vielfalt an Vorschlägen, die außergewöhnlich hilfreich sein sollen. Was es da alles gibt: zum Beispiel die 5-Elemente-Küche, Trennkost, Hildegard von Bingen-Ernährung, ayurvedisch kochen, Fit for Life, Vegan for Fit, Glyx-Diät, Blutgruppendiät, metabolische Diät und viele mehr. Vielleicht ist ja sogar die einzig Richtige für Sie dabei. Aber um alle auszuprobieren reicht das eine Leben, das wir haben, kaum aus.  Von allem etwas? Vielleicht.
Vorbild Natur

Vergessen wir mal, was uns bisher über gesunde Ernährung erzählt wurde. Welche Ernährung gibt unserem Organismus alles, was er braucht um dauerhaft gesund zu bleiben und falls er krank ist, gesund zu werden? Gibt es in der Natur ein gutes Vorbild? Wer lebt denn heute noch so „unzivilisiert“, dass er von Zivilisationskrankheiten weitestgehend verschont bleibt? Zum Beispiel der Schimpanse in freier Wildbahn. Er ernährt sich instinktiv vorrangig von Obst und Grünzeug, dazu noch etwas Eiweiß spendendes Kleingetier und es geht im gut. Ihm mangelt es auch nicht an Bewegung. Und darüber hinaus kommt er auch gar nicht erst in Versuchung, mit Kaffee, Kuchen, Wein und Bier aus dem Gleichgewicht zu geraten. Es ist ja nicht da.
Für uns, die wir alles zur Auswahl haben, ist es längst nicht mehr so einfach, genüsslich und gesund erhaltend zu essen.

Weniger bringt mehr

Sie kennen doch die Formel: zu viel + zu fett + zu süß = zu dick.
Wenn Sie also das nächste Mal einkaufen, denken Sie einfach daran, einiges wegzulassen. Die einfachste Art zu erkennen, welche Lebensmittel unserer Gesundheit nützen, ist sich zu fragen, ob sie so auch in der Natur vorkommen: Gäbe es dieses Produkt überhaupt ohne die Lebensmittelindustrie? Wenn nein, Finger weg. Bei ja, besser selber machen. Nehmen wir Kartoffelchips. Die kann man aus dünnen Kartoffelscheiben frisch zubereiten. Oder würden Sie dafür ein Pulver anrühren, mit Geschmacksverstärkern würzen, es in Scheiben pressen und mit Farbstoffen verschönern? Bestimmt nicht.

Einkaufstipps für Besseresser

1. Den Einkauf abspecken

Fett ist nicht gleich Fett. Gesunde essenzielle Fettsäuren wie sie in Fisch vorkommen sind für uns lebensnotwendig.
Aber achten Sie beim Einkaufen auf die versteckten Fette. Denn zu viel an gesättigten Fettsäuren, die in Wurstwaren, Milchprodukten, Gebäck, Süßigkeiten, Fast-Food und Fertigprodukten meist enthalten sind, schaden mehr als sie uns nützen. Die Gefahr ist nicht nur das drohende Übergewicht sondern sie liegt viel mehr im erhöhten Risiko für Fett-Stoffwechsel-Störungen mit der möglichen Folge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bevorzugen Sie darum pflanzliche Öle und Fette wie Oliven-, Raps- und Sojaöl und daraus hergestellten Brotaufstrich. Die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlene Menge liegt bei 60 – 80g pro Tag.

2. Grün auf den Tisch

Greifen Sie zu Wildkräutern, frischem Spinat, Mangold, Grünkohl, Petersilie, Blattsalaten und Sprossen sowie zum Blattgrün von Kohlrabi, Roter Beete und Rettichen, das weitaus vitalstoffreicher ist als die Wurzel oder Knolle selbst. Fünf Portionen Gemüse und Obst am Tag versorgen uns mit reichlich Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen und mit für die Verdauung wichtigen sekundären Pflanzenstoffen. Gemüse und Obst, möglichst saisonal, immer frisch, kurz gegart, reichen Sie zu jeder Hauptmahlzeit, als Saft oder Smoothie zur Zwischenmahlzeit.

3. Mehr Vollwertkost

Getreideprodukte und Kartoffeln oder Naturreis, enthalten nicht nur Vitamine sondern auch Ballaststoffe, von denen wir mindestens 30g pro Tag benötigen, vor allem aus Vollkornprodukten. An die alten Kornsorten wie Emmer und Dinkel erinnern wir uns erst wieder, seit Allergien durch Weizen stark zugenommen haben. Auch wer nicht an einer Glutenunverträglichkeit leidet, sollte wissen, dass die meisten Getreide, in besonders großen Mengen Weizen, heutzutage mit Pestiziden und Kunstdüngern produziert und in stärkereiche Auszugsmehle verwandelt werden. Das macht sie zwar lagerfähig aber auch völlig wertlos für die Gesundheit.

4. Wenn ich nur wüsste, was drinnen ist

Seit Dezember 2014 müssen europaweit die 14 wichtigsten Allergene deklariert werden: Gluten, Eier, Weichtiere, Krebstiere, Erdnüsse, Sojabohnen, Milch, Schalenfrüchte, Sellerie, Senf, Sesam, Lupinen, Schwefeldioxid und Sulfite. Auch Imitate wie Klebefleisch oder Analogkäse müssen gekennzeichnet werden. Ihre zusammen gewürfelten Bestandteile gewinnen durch Geschmacksverstärker, Stärke, Emulgatoren und Aromastoffe an Ähnlichkeit mit den Originalen, die an sich schon nicht zu empfehlen sind (siehe oben).

Besser essen tut gut

Schluss mit schlechten Gewohnheiten, Schluss mit schlechtem Gewissen. Fangen Sie an, besser zu essen und ein neues Leben beginnt. Meiden Sie was keine Lebenskraft besitzt, denn das kann auch keine Lebenskraft abgeben. Je mehr frische und naturbelassene Früchte, Salate und Gemüse Sie zu sich nehmen, umso besser.
Eine vollwertige Ernährung gibt Ihnen alles, was Sie brauchen:
Täglich etwas Milch und Milchprodukte versorgt Sie mit Calcium, Fisch ein- bis zweimal pro Woche mit Jod, Selen und n-3 Fettsäuren, Fleisch und Wurst zwischen 300 – 600g pro Woche mit Mineralstoffen und den Vitaminen B1, B6 und B12. Unter gesundheitlichen Aspekten wird weißes Fleisch von Geflügel günstiger bewertet als rotes Fleisch von Rind oder Schwein. Bevorzugen Sie vor allem bei Fleischerzeugnissen und Milchprodukten fettarme Produkte.
Und vergessen Sie nicht, ausreichend zu trinken. Kräutertee und stilles Wasser sind am besten geeignet, alles was ihr Körper loswerden möchte auszuschwemmen. So lösen sich kleine Pölsterchen, die Haut wird wieder straff und das Wohlbefinden steigt durch ein rundum besseres Körpergefühl.

So schmeckt das Leben

Mittlerweile gibt es so viele tolle Rezeptideen für hausgemachte frische Säfte, leckere Müslis, feine Suppen, köstliche Gemüsegerichte und nahrhafte Salate mit raffinierten Dressings, dass wir Ihnen hier nur einen winzigen Vorgeschmack geben möchten. Die Auswahl bietet wirklich ganz viel Abwechslung: ob süß oder herzhaft, lockerleicht oder schnell sättigend.

Smoothies sind schnell selbstgemacht. Es lohnt sich!
Smoothies sind schnell selbstgemacht. Es lohnt sich!

Gönnen Sie sich täglich frische Smoothies, je nach Zutaten können sie entgiften, erfrischen und die Immunkräfte stärken, lecker sind sie auf jeden Fall.
Probieren Sie mal Spaghetti aus Zucchini (mit einem speziellen Gemüse-Spitzer aus dem Küchenfachgeschäft), die Sie einfach roh in eine frisch gekochte Tomatensauce geben und mit gerösteten Walnüssen bestreut servieren – das ist der Clou, sogar für eingefleischte Nudelfans. Und zwar nicht nur weil 100 g Zucchini bloß 19 Kalorien haben, Nudeln fast das Zwanzigfache.
Sehr fein schmeckt auch Blumenkohl mit einer exotischen Sauce aus hellem Mandelmus und Curry, bestreut mit einem knusprigen Mix aus gepopptem Amaranth, gehackten Mandeln, Olivenöl und Salz, garniert mit Basilikum.

Warme Speisen, kurz und schonend gekocht, sind oft bekömmlicher als Rohkost, jedenfalls so lange der Darm sich noch nicht auf die neue Ernährungsweise eingestellt hat. Essen Sie deshalb frisches Obst nie als Dessert. Wir verdauen Früchte viel schneller als andere Nahrung und wenn sie am Speisebrei nicht vorbeikommen, entstehen Gase, die den Bauch unangenehm blähen. Versuchen Sie auch, nicht mehr allzu spät zu essen, vor allem nichts, was schwer im Magen liegt wie Pilze oder Nüsse. Am längsten braucht aber Schweinefleisch mit 4 – 5 Stunden, das jetzt ja für die kommenden Wochen sowieso nicht mehr auf dem Plan steht, oder?

Damit Sie Ihren guten Vorsatz sich besser zu ernähren auch durchhalten, haben wir noch einen letzten Tipp: seien Sie mal egoistisch. Gerade wenn Sie eine Familie haben, kommen die eigenen Vorstellungen oft zu kurz. Lassen Sie sich nicht von Ihrem Vorhaben, sich gut und attraktiv zu fühlen, ablenken. Schmecken Sie mal rein.  Auf ein gesundes Leben!

1 Kommentar

  1. Ich finde die Ernährungsanregungen gut. Man wird doch wieder sensibilisiert.
    Es ist aber auch bekannt, dass neben der gesunden Ernährung viel Bewegung wichtig ist. Rückenprobleme sind doch eine Volkskrankheit.
    Ich habe einmal von der TK Krankenkasse eine DVD gesehen, auf der waren 10minütige Übungen für 20 Tage. Ohne Geräte, im Wohnzimmer vor dem Fernseher nachzumachen.
    Ist das nicht eine Anregung?
    Mit freundlichen Grüßen
    Manfred Karweg

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