Barrierefrei modernisieren – besser früh, als nie!

Zuhause – hier will ich bleiben. Ein Wunsch, der insbesondere im hohen Alter nur mit bestimmten Umbauten realisierbar ist. Verschaffen Sie sich einen soliden Überblick über die wichtigsten Maßnahmen und Möglichkeiten.

Meine Eltern haben seit Kurzem einen Floh im Ohr. Dieser Floh heißt „Barrierefreiheit“ und ist ausgesprochen redselig. Genau gesagt, flüstert er den beiden rüstigen Herrschaften unaufhörlich Frohlockungen wie „Modernisieren!“ und „Mach neu!“ ein. Inzwischen weiß ich sogar, wo der kleine Geselle her kommt: gleich zwei befreundete Ehepaare meiner Eltern haben kürzlich ihr Zuhause umfangreich modernisiert.

Die einen, weil sie es nach einem Unfall mussten, die anderen, weil sie erlebt haben, was Modernisieren aus der Not heraus bedeutet – und es vorausschauend besser machen wollten. Genau wie meine Eltern jetzt auch.

Mach neu? Ich bin dabei!

Ich finde den neuen Floh meiner Eltern großartig. Vorausschauend, vernünftig und mit nachhaltiger Begeisterungskraft. Deshalb habe ich beschlossen, mit dem kleinen Gesellen gemeinsame Sache zu machen. Indem ich für meine Eltern alle nützlichen Infos zu barrierefreier Modernisierung zusammentrage, die ich im Netz finden kann. Los geht’s.

Was bedeutet eigentlich „barrierefrei“?

Bevor ich mich in die Informationsflut stürze, stecke ich erst einmal klar mein Interessensfeld ab. Natürlich umfasst der Begriff „Barrierefreiheit“ weit mehr als nur das eigene Zuhause. Aber ich will mich hier auf die Befreiung von Barrieren in den eigenen vier Wänden beschränken. Per Definition ist ein Wohnumfeld dann barrierefrei, wenn die Bewohner unabhängig von einer körperlichen Einschränkung alle Dinge des Lebens eigenständig finden, erreichen und nutzen können. Gut zu wissen.

Die Planungsnorm DIN 18040-2 legt alle Anforderungen an eine barrierefreie Wohnung genauestens fest. Hier wird auch unterschieden zwischen „barrierefrei nutzbarer“ und „barrierefrei und uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbarer“ Wohnung. Für das Vorhaben meiner Eltern spielen diese Normen zwar keine bedeutende Rolle, aber man kann sich inhaltlich durchaus an ihnen orientieren.

Was heißt das grob?

Barrierefreiheit erfordert erst einmal Platz. Wer für die Fortbewegung mit Rollator oder Rollstuhl vorbereitet sein will, benötigt ein Mindestmaß an Bewegungsfläche. Ist diese nicht gegeben, müssen Wände weichen. Darüber hinaus sind Durch-, Auf- und Eingänge nur dann barrierefrei, wenn sie stufenlos sowie hoch und breit genug sind. In Bad und Küche sind weitere teils erhebliche Veränderungen nötig, wenn hier sämtliche Barrieren entfernt werden sollen. Alles in allem gibt es also einiges zu tun.

Was heißt das genau?

Fangen wir bei der Eingangstür an: deren Innenmaße sollten gegebenenfalls auf 90 cm verbreitert und auf 205 cm erhöht werden. Eventuelle Stufen oder Schwellen sollten beglichen bzw. mit einer Rampe versehen werden. Damit sind die ersten Stolperfallen schon einmal aus dem Weg geräumt. Gleiches gilt natürlich für Terrassen- oder Balkontüren. Auch die Türen im Inneren brauchen etwas mehr Platz: hier genügen in der Breite 80 cm Durchgangslichte. Die Türdrücker werden zwecks besserer Erreichbarkeit in einer Höhe von 0,85 bis 1,05 cm montiert. Türen mit automatischen Türantrieben sind keine Pflicht, für Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator allerdings eine große Erleichterung.

Die Fenster unterliegen weniger genauen Auflagen. Eine Brüstungshöhe von maximal 60 cm erleichtert den Blick nach draußen, während Fenstergriffe in gleicher Höhe wie die Türdrücker ein leichtes Öffnen gewähren.

Die Fußbodenbeläge sind idealerweise rutschhemmend und für Rollen geeignet. Das war’s also mit den Hochflorteppichen.

Die größten Anforderungen, so scheint es, stellen Küche und Bad an den Modernisierungswilligen. Neben einer ausreichenden Wärmeversorgung, großen Bewegungsflächen und besonderen Montagehöhen, gibt es hier viele weitere Merkmale zu beachten. Die Dusche sollte ebenerdig und mindestens 1,5 x 1,5 m groß sein, der Bodenbelag nicht nur hübsch und modern, sondern auch rutschhemmend und dann sollten überall möglichst unsichtbar noch Griffe und Halterungen angebracht sein. Zum Beispiel an der Toilette, die es übrigens inzwischen in den unglaublichsten Modellvarianten gibt. Höhenverstellbar, „intelligent“ mit vielen nützlichen Zusatzfunktionen, wie beispielsweise einer Selbstreinigungsfunktion oder auch per Funk steuerbar.

In der Küche stellt es sich ähnlich komplex dar, denn DIE barrierefreie Küche gibt es nicht. Hier sind individuelle Anforderungen, bauliche Möglichkeiten und natürlich das Budget zu berücksichtigen.

Ohne Profi geht es nicht!

Mit meiner Liste kratze ich ehrlich gesagt nur an der Oberfläche der Möglichkeiten, Anforderungen und Stolperfallen einer barrierefreien Modernisierung. Je tiefer ich in dieses Thema einsteige, desto deutlicher wird: ohne Unterstützung durch einen Profi geht es nicht. Außer ins Auge. Der benötigte Profi heißt Wohnberater. Er analysiert die aktuelle Wohnsituation und hilft bei Planung und Durchführung der erforderlichen Maßnahmen. Außerdem weiß dieser Experte in der Regel auch über aktuelle Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten Bescheid. Apropos…

Macht barrierefrei arm?

Insbesondere wenn größere Umbauten nötig werden, wird die vorausschauende Modernisierung schnell zur Großinvestition. Unter bestimmten Bedingungen kann man zwar mit teils erheblichen Förderungen von unterschiedlichsten Stellen rechnen. Den Löwenanteil trägt man aber natürlich selbst.

An dieser Stelle muss ich meine Eltern loben. Für einen weiteren Moment weiser Vorausschau, der bereits viele Jahre zurück liegt. Mit einem Bausparvertrag haben sie schon damals begonnen, Rückstellungen für eine spätere Modernisierung aufzubauen und sich damit beste Konditionen für die spätere Darlehensphase gesichert. Hut ab. Die meisten Modernisierer werden wohl eher einen Modernisierungskredit aufnehmen, der allerdings ebenfalls – zumindest in unserem Hause – zu ausgesprochen attraktiven Konditionen zu haben ist.

Bleibt mir nur noch, allen Modernisierern alles Gute für den großen Umbau zu wünschen. Nach dem Motto „Mach neu!“.

2 Kommentare

  1. Das ist toll, dass Sie einen Artikel zum Thema barrierefreier Umbau veröffentlichen. Allerdings sollten Sie Ihre Liste der Maßnahmen noch einmal überdenken – nicht alles, was in der DIN-Norm steht, wird für jeden Haushalt gebraucht. Sie sollten bedenken, dass nicht irgendwelche Menschen mit Behinderung in Ihr Elternhaus gelangen müssen, sondern Ihre Eltern… Die Türhöhe von 205 cm steht zum Beispiel in der DIN, weil es heutzutage immer mehr große Menschen gibt. Sind Ihre Eltern 190 cm groß oder größer? Dann sollten Sie die Türen erhöhen – wenn Sie das nicht schon längst gemacht haben, so schlau wie Ihre Eltern sind. 90 cm Türbreite ist ebenfalls sehr breit gerechnet, was bei Gebäuden, deren Nutzer man beim Bau nicht kennt, durchaus Sinn macht. Aber sind Ihre Eltern so gut gebaut, dass sie wirklich einen 90 cm breiten Rollstuhl bräuchten, wenn sie denn überhaupt später einen Rollstuhl nutzen werden?
    Ihr Fazit ist wohl das korrekte: besser sich einen Wohnberater holen als auf eigene Faust (und dann auch noch nach der DIN!) vorzugehen…

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