Autokauf – aber bitte mit System!

Wer einen Gebrauchtwagen kaufen möchte, sollte sich vorab einige Gedanken machen. Und dann mit klarem System glücklich zum Ziel kommen. So ist der Plan.

Seit Kurzem macht mein Alter merkwürdige Geräusche und das in regelmäßigen Abständen. Ich fürchte, es ist an der Zeit für einen Neuen. Das bestätigt auch meine Werkstatt mit den Worten “Joa, da kann man sich schon mal nach was Neuem umschauen.” Meine Bitte an den Herrn Mechaniker, bei dieser Umschau mein fachmännisches Auge zu sein, wird milde lächelnd abgelehnt. Na, prima.

Ein Freund, ein guter Freund!

Auf einen Profi kann ich mich also leider nicht verlassen. Aber zum Glück hat fast jeder einen “Autokenner” im Bekanntenkreis, oder jemanden, der selbst Schrauber ist. Mit ein paar richtigen Fragen hilft einem so ein geschulter Amateur aus der riesigen Auswahl an Autos zwei oder drei Typen herauszufiltern, die meinen Wünschen entsprechen. Denn mal Hand auf’s Herz: Schön, wenn einem Form und Farbe des Neuen gefallen, er aber technisch schon seit Jahren ganz hinten in der Pannenstatistik steht?

Die wichtigste Frage vorweg: Händler oder privat?

Besonders die Onlinerecherche bringt natürlich mehr Resultate, wenn man private Verkaufsangebote einschließt. Hinzu kommt, dass die Fahrzeuge meist nennenswert preiswerter sind. Kein Wunder also, dass sich laut Deutsche Automobil Treuhand (DAT) knapp 40 % der Kunden für den Kauf von privat entscheiden.

Weit mehr als die Hälfte aller deutscher Autokäufer setzen hingegen auf das Sicherheitsplus, das der Kauf vom Händler beinhaltet. Dieser muss nämlich den Wagen nicht nur einer Sicht- und Funktionsprüfung unterziehen, sondern auch mindestens ein Jahr Gewährleistung geben. Dafür zahlen Händler-Kunden laut ADAC im Schnitt rund 8 % mehr.

Kauf von privat

Schauen Sie sich den Verkäufer möglichst noch genauer an, als das Auto selbst. Nur wenn Ihr Gegenüber einen ordentlichen, zuverlässigen Eindruck macht, den Wagen ehrlich beschreibt und auch seine Verkaufsgründe plausibel erklären kann, lohnt sich der Blick auf den Wagen selbst. Macht der Verkäufer hingegen einen schmuddeligen Eindruck oder gibt sich nebulös zu Vorbesitzern oder Fragen zu Lackausbesserungen, lassen Sie lieber die Finger davon.

Kauf vom Händler

Die Gewährleistung ist oftmals das Hauptargument für den Kauf vom Händler. Sie können hier also schon einmal ziemlich sicher sein, keinen „schönpolierten Schrott“ zu erwerben. Aber Vorsicht: Verschleiß ist in der Gewährleistung nicht inbegriffen. Einige Händler bieten sogar Garantien an, die ebenfalls Einschränkungen unterliegen. Hier ist also ein genauer Blick auf die Vertragsregelungen nötig.

Und natürlich auf den Händler selbst. Der ADAC hat beobachtet, dass weniger Missgriffe passieren, wenn der Händler eine persönliche Empfehlung von Bekannten ist, einer Innung angehört oder es sich um ein Markenautohaus handelt. Weitere gute Zeichen für ein zufriedenstellendes Geschäft sind ein kürzlich durchgeführter umfassender Check oder eine große Inspektion des Fahrzeuges. Auch eine detaillierte Mängelliste darf Ihr Vertrauen wecken sowie die Tatsache, dass Anzeigentext und Vertragsformulierung übereinstimmen.

Gewährleistung & Garantie

Entgegen der allgemeinen Auffassung muss auch ein privater Verkäufer eine Gewährleistung übernehmen. Und zwar für die Richtigkeit seiner Angaben sowohl in der Anzeige, als auch im Kaufvertrag. Stimmen die Angaben nicht, kann der Käufer Preisnachlass verlangen oder gänzlich vom Kauf zurücktreten. Das gilt sowohl für stoffbezogene Kopfstützen unter Angabe einer „Lederausstattung“, als auch für eine in der Verkaufsanzeige stehende Klimaanlage, die im Vertrag nie auftauchte.

Von dieser Pflicht befreien auch Klauseln wie „unter Ausschluss jeglicher Gewähr“ oder „gekauft wie gesehen“ nicht.

Eine Garantie wird von einigen Händlern zusätzlich angeboten und läuft normalerweise für ein Jahr. Was erst einmal gut klingt, kann sich auch als Nonsens entpuppen. Viele Garantien haben Ausschlüsse oder decken nur die Lohnkosten und einen Teil der Materialkosten ab. Rechnen Sie genau durch, ob eine solche Garantie überhaupt Sinn ergibt.

Wichtige Tipps für den Autokauf

Ob Sie nun vom Profi kaufen oder von einer Privatperson, es gibt einige Dinge zu beachten, wenn man als Otto-Normal-Bürger ein so komplexes Gerät wie ein Kfz kaufen möchte. Sie sollten nach Möglichkeit einen Bekannten mit Erfahrung beim Autokauf mitnehmen. Ein geschultes Auge ist hier bares Geld wert und spart hinterher eine Menge Ärger.

Für den Fall, dass Sie alleine zum Autohändler müssen, sind dieses die wichtigsten Tipps:

Vorab: Macken-Recherche

Sie sollten die Schwächen Ihres Neuen kennen, bevor Sie ihn kaufen. Hier hilft oft eine Internetrecherche weiter. So können Sie ganz gezielt auf diese „Macken“ des jeweiligen Modells achten.

Checkliste mitbringen

Laden Sie sich im Internet entsprechende Checklisten zum Autokauf herunter und gehen Sie diese Punkt für Punkt durch.

Unterlagen sichten

Lassen Sie sich die Zulassungsbescheinigungen (Kfz-Schein und –Brief) ebenso zeigen, wie das Inspektionsheft, sämtliche Werkstattbelege und natürlich die letzten TÜV-Berichte.

Überprüfen Sie auf jeden Fall, ob die Fahrgestellnummer in den Unterlagen mit denen des Autos übereinstimmen. Diese Nummer finden Sie bei moderneren Autos an der unteren Kante der Windschutzscheibe und ins Metall im Motorraum eingestanzt.

Tacho-Check

Laut ADAC ist bei jedem dritten (!) Auto der Tacho manipuliert. Vergleichen Sie also aufmerksam die Angaben und Daten in Scheckheft, Werkstattunterlagen und auf dem Ölwechselzettel auf Plausibilität.

Träumereien sind tabu!

Sollten Ihnen bis hierher bereits Ungereimtheiten auffallen oder Sie ein ungutes Gefühl beschleichen, verabschieden Sie sich einfach. Weitere Alarmzeichen sind:

  • mündliche Vereinbarungen oder Vorzüge, die nicht im Vertrag auftauchen
  • unterschiedliche Angaben in Inserat und Vertrag
  • kaschierte Mängel, die der Verkäufer nicht erwähnt
  • fehlendes Scheckheft oder unglaubwürdige Einträge
  • fadenscheiniger Verkaufsgrund
  • „Kfz mit Mängeln“ ohne Mängelliste
  • „an Bastler“ oder „gewerblich“ zum Ausschluss der Gewährleistung

Probefahren – aber richtig

Bitten Sie den Verkäufer um einen Termin bei Tageslicht und mit einem noch nicht warm gelaufenen Motor. Fahren Sie den Wagen zu zweit Probe und machen Sie möglichst vorab einen Termin in einer nahegelegenen Werkstatt zur Prüfung des Fahrzeuges.

Nicht unter Druck setzen lassen

Auch wenn Ihnen der neue Flitzer zusagt: lassen Sie sich nicht von dem Händler unter Druck setzen. Er will den Wagen verkaufen, Sie haben die Wahl. Wenn der Händler Druck aufbaut,  weil es angeblich schon andere Interessenten gibt, sollten Sie misstrauisch werden.

Vertrag ausfüllen

Es gibt unzählige Vordrucke zum kostenlosen Download im Internet. Achten Sie darauf, dass im Vertrag alle Angaben aus dem Inserat sowie gegebenenfalls mündliche Zusatzvereinbarungen festgehalten werden. Außerdem sollten die Ausweisdaten des Verkäufers sowie Datum und genaue Uhrzeit des Verkaufs notiert werden. Und prüfen Sie auch hier noch einmal, dass die Fahrgestellnummer im Vertrag mit Ihrem Neukauf übereinstimmt.

Sicher bezahlen

Idealerweise erfolgt die Übergabe der meist recht beträchtlichen Summen Bargeld in einer Bank, wo das Geld direkt abgehoben und übergeben werden kann. Verlangen Sie eine Quittung über den genauen Betrag.

Keine Versicherungsfragen offen

Beim Kauf geht die bisherige Versicherung auf den Käufer über. Dieser kann den Vertrag binnen 4 Wochen kündigen oder durch die Vorlage einer neuen Versicherung bei der Ummeldung beenden.

Wir wünschen Ihnen einen entspannten Kauf und eine gute Fahrt!

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